Abo
  • Services:

Urteil zu Tracking: Nutzer müssen Piwik-Analyse widersprechen können

Das Urteil dürfte zahlreiche Webseitenbetreiber betreffen: Auch wenn das Analyse-Tool Piwik die IP-Adressen anonymisiert, müssen Nutzer dem Einsatz des Programms widersprechen können.

Artikel veröffentlicht am ,
Testseite des Webanalyse-Tools Piwik
Testseite des Webanalyse-Tools Piwik (Bild: Piwik.org)

Der Betreiber einer Internetseite muss die Nutzer deutlich sichtbar über Widerspruchsmöglichkeiten zum Einsatz des Webanalyse-Tools Piwik informieren. Das entschied das Landgericht Frankfurt am Main in einem Urteil von Ende Februar. Der Hinweis muss auch dann erfolgen, wenn der Webseitenbetreiber das Piwik-Plugin AnonymizeIP einsetzt. Da Piwik mit Hilfe anderer Daten dennoch pseudonymisierte Profile erstelle, müsse der Nutzer darauf hingewiesen werden und dem Einsatz widersprechen können, urteilten die Richter.

Stellenmarkt
  1. Hays AG, Frankfurt am Main
  2. Bremer Rechenzentrum GmbH, Bremen

Das Gericht verweise in seinem Urteil zum einen auf Vorgaben der Datenschützer über die "datenschutzkonforme Ausgestaltung von Analyseverfahren zur Reichweitenmessung bei Internetangeboten", die im November 2009 verabschiedet wurden. Diese Vorgaben würden durch die Anonymisierung der IP-Adresse noch erfüllt. Allerdings müssen nach Paragraf 15, Absatz 3 des Telemediengesetzes (TMG) die Seitenbesucher die Möglichkeit haben, der Bildung pseudonymisierter Nutzungsprofile zu widersprechen. Zudem müssen die Nutzer über ihr Widerspruchsrecht informiert werden.

Benutzer auch ohne IP-Adresse zu erkennen

Nach Ansicht des Gerichts gilt dieser Passus auch im konkreten Fall, weil der beklagte Webseitenbetreiber "bei der Erstellung der Nutzungsprofile mit Hilfe des Programms Piwik - entgegen der vom Hersteller selbst gewählten Begrifflichkeit - Pseudonyme im Sinne des § 15, Abs. 3 TMG verwendet". Die Richter berufen sich dabei auf eine Einschätzung des Datenschutzzentrums Schleswig-Holsteins. Dieses hatte Piwik getestet und im März 2011 eine ausführliche Stellungnahme zur Nutzung des Programms verfasst. Demnach benutzt Piwik "eine Heuristik, die versucht, einen Besucher mit einem vorherigen Besuch zu identifizieren, indem bestimmte Daten berücksichtigt werden. Insbesondere sind dies die IP-Adresse, die Auflösung, der Browser, die verwendeten Plugins und das Betriebssystem". Die Daten würden kombiniert und zu einem Hashwert verrechnet, wobei selbst bei einer Nutzung von AnonymizeIP die vollständige IP-Adresse in den Hashwert einfließe. Das Datenzentrum kam zu dem Schluss: "Die Wiedererkennbarkeit von Internetnutzern hängt zudem nicht unbedingt an der IP-Adresse, sondern kann mit überraschend großer Zuverlässigkeit auch über andere Werte vorgenommen werden."

In seinem Urteil übernimmt das Gericht diese Auffassung. Aufgrund dieser Piwik-Funktion müsse der Webseitenbetreiber deutlich auf die Widerspruchsmöglichkeit der Analyse hinweisen, schreiben die Richter. Möglich sei ein Pop-up oder ein "deutlich hervorgehobener Hinweis mit einem Hyperlink auf der Startseite". Es sei nicht ausreichend, wie im konkreten Fall, die Datenschutzbestimmungen auf der Kontaktseite zu platzieren. Laut Datenschutzzentrum Schleswig-Holstein wird der Widerspruch bei Piwik "in Form eines Opt-out-Cookies abgelegt, so dass beispielsweise nach einem Löschen aller Cookies das Opt-out erneut erklärt werden muss."

Piwik ist ein Open-Source-Programm für Webanalytik und wurde nach Angaben der Betreiber fast 1,7 Millionen Mal heruntergeladen. Anders als bei Google Analytics verbleiben die Daten auf den Servern des Betreibers. Zu den Nutzern gehören unter anderem T-Mobile, Wikimedia Deutschland, Forbes und Sharp. Auch die neue französische Suchmaschine Qwant verwendet Piwik, ohne ihre Nutzer darauf hinzuweisen.

Nachtrag vom 11. März 2014, 15:00 Uhr

Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert begrüßte auf Anfrage von Golem.de das Urteil des Landgerichts. Er wies aber ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei Piwik noch um das "datenschutzfreundlichste" Analyseverfahren handele. Andere Tools wie Google Analytics seien "viel schlimmer", was den Datenschutz betreffe. Allerdings müssten auch im Falle von Piwik die Vorgaben des Telemediengesetzes eingehalten werden.



Anzeige
Top-Angebote
  1. 79,90€ + 5,99€ Versand (Vergleichspreis ca. 116€)
  2. 55,11€ (Bestpreis!)
  3. 17,49€
  4. 299€ + 4,99€ Versand oder Abholung im Markt

MorganH 20. Mär 2014

Man muss doch nur einen fehlerhaften Paragraphen bei einer Suchmaschine eingeben und man...

crazypsycho 15. Mär 2014

Jeder Serveradmin würde sich an den Kopf greifen, wenn er es abschalten müsste. Ich muss...

Prinzeumel 14. Mär 2014

Leider hast du die urteilsbegründung wohl nicht gelesen. Im grunde wurde hier nichts...

crazypsycho 14. Mär 2014

Ich geb auf, du willst einfach nicht verstehen wie das Internet funktioniert. Schade.

TheUnichi 13. Mär 2014

Ja, auf der sicheren Seite....ohne Daten. Wenn ich auf eine Seite gehe, will ich...


Folgen Sie uns
       


HP Z2 Mini Workstation - Test

Die Z2 Mini Workstation G3 kann uns im Test überzeugen - und das nicht als sehr schnelle Maschine, sondern als gut durchdachtes Gesamtkonzept.

HP Z2 Mini Workstation - Test Video aufrufen
Dell XPS 13 (9370) im Test: Sehr gut ist nicht besser
Dell XPS 13 (9370) im Test
Sehr gut ist nicht besser

Mit dem XPS 13 (9370) hat Dell sein bisher exzellentes Ultrabook in nahezu allen Bereichen überarbeitet - und es teilweise verschlechtert. Der Akku etwa ist kleiner, das spiegelnde Display nervt. Dafür überzeugen die USB-C-Ports, die Kühlung sowie die Tastatur, und die Webcam wurde sinnvoller.
Ein Test von Marc Sauter und Sebastian Grüner

  1. Ultrabook Dell hat das XPS 13 ruiniert
  2. XPS 13 (9370) Dells Ultrabook wird dünner und läuft kürzer
  3. Ultrabook Dell aktualisiert XPS 13 mit Quadcore-Chip

HP Z2 Mini Workstation G3 im Test: Leises Rauschen hinterm Monitor
HP Z2 Mini Workstation G3 im Test
Leises Rauschen hinterm Monitor

Unterm Tisch, auf dem Tisch oder hinter den Bildschirm geklemmt: HPs Z2 Mini Workstation ist ein potentes, wenn auch nicht gerade sehr preiswertes Komplettsystem. Den Preis ist der PC aber wert, denn er ist leise, modular und kann einfach gewartet werden. Der Admin dankt!
Ein Test von Oliver Nickel

  1. HP Pavilion Gaming Hardware für Gamer, die sich Omen nicht leisten wollen
  2. Chromebook x2 HP präsentiert Chrome-OS-Detachable mit Stift
  3. Laserjet Pro M15w und M28w HPs Laserdrucker schrumpfen auf 34 Zentimeter Länge

Digitalfotografie: Inkonsistentes Rauschen verrät den Fälscher
Digitalfotografie
Inkonsistentes Rauschen verrät den Fälscher

War der Anhänger wirklich so groß wie der Ring? Versucht da gerade einer, die Versicherung zu betuppen? Wenn Omas Erbstück geklaut wurde, muss die Versicherung wohl dem Digitalfoto des Geschädigten glauben. Oder sie engagiert einen Bildforensiker, der das Foto darauf untersucht, ob es bearbeitet wurde.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. iOS und Android Google lanciert drei experimentelle Foto-Apps
  2. Aufstecksucher für TL2 Entwarnung bei Leica

    •  /