Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Urteil: Online-Casino muss 12.000 Euro an Verlusten erstatten

Der Glücksspielanbieter Entain (Marke: Bwin) hat einen wichtigen Gerichtsprozess verloren und muss die Einsätze eines Kunden zurückzahlen.
/ Peter Steinlechner
120 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Roulette (Bild: Hollie Adams/Getty Images)
Roulette Bild: Hollie Adams/Getty Images

Das Landgericht Gießen hat Ende Februar 2021 ein erst jetzt bekannt gewordenes, möglicherweise wegweisendes Urteil für Glücksspielangebote im Internet gefällt. Die Richter entschieden nach mündlicher Hauptverhandlung, dass ein Spielsüchtiger aus Hessen seine auf einer Online-Casino-Webseite verlorenen Einsätze zurückerstattet bekommen muss – dabei geht es um rund 12.000 Euro.

Der Betreiber der Seite gehört zur Firmengruppe Entain, die in Deutschland vor allem für ihre Sportwettenmarke Bwin bekannt ist. Die Richter haben sich der Auffassung des Klägers (also des Spielers) angeschlossen, dass die Casino-Seite keine gültige Lizenz für Deutschland habe.

Somit habe es sich um illegales Glücksspiel gehandelt, weswegen es für die Einsätze keine rechtliche Grundlage gegeben habe. Als Folge müssten sie zurückerstattet werden.

Die Betreiber der Seite besitzen zwar eine Lizenz für Glücksspiel von Malta – die sei aber für Deutschland nicht ausreichend, so die Auffassung des Gerichts. Bislang gibt es entsprechende Lizenzen nur von Schleswig-Holstein, weswegen eigentlich nur die Bürger dieses Bundeslandes die entsprechenden Angebote nutzen dürfen.

Entain wollte sich zu dem Urteil (Aktenzeichen: 4 O 84/20) nicht öffentlich äußern. Es ist laut einem Bericht der Tagesschau(öffnet im neuen Fenster) noch nicht rechtskräftig. Bis April 2021 könne Berufung beim Oberlandesgericht Frankfurt eingelegt werden.

Neuer Glücksspiel-Staatsvertrag im Sommer 2021

Die Entscheidung des Landgerichts Gießen könnte auch andere Glücksspieler ermutigen, ihre Einsätze zurückzufordern – dabei dürfte es um Milliarden gehen, was das Geschäftsmodell der Anbieter grundsätzlich in Frage stellen dürfte.

Allzu lange dürften derartige Unsicherheiten aber nicht andauern: Im Juli 2021 tritt ein Staatsvertrag für Sportwetten und Online-Casinos in Kraft.

Die neuen Regelungen enthalten zwar viele Einschränkungen – aber sie bringen auch mehr rechtliche Klarheit über die Zulässigkeit von Glücksspiel in Deutschland. Bis dahin sollten eigentlich Übergangsregeln gelten, die nun vom Urteil in Gießen aber ausdrücklich nicht akzeptiert wurden.


Relevante Themen