Urheberrechtsverletzungen: BMG verklagt Anthropic wegen Songtexte-Nutzung
Die Bertelsmann-Tochter BMG Rights Management hat am 17. März 2026 beim Bundesgericht im Northern District of California Klage gegen Anthropic eingereicht(öffnet im neuen Fenster) . Dem KI-Unternehmen wird vorgeworfen, urheberrechtlich geschützte Songtexte systematisch und wissentlich ohne Genehmigung für das Training seines Chatbots Claude verwendet zu haben – darunter Werke der Rolling Stones, Bruno Mars und Ariana Grande. Anthropic reagierte weder auf die Klage noch auf ein früheres Abmahnschreiben aus dem Dezember 2025.
Millionen Bücher illegal geladen
Besonders schwerwiegend sind die Vorwürfe rund ums Torrenting. Laut Klageschrift soll ein Anthropic-Mitgründer Anfang 2021 rund 196.640 Bücher aus der illegalen Shadow-Library Books3 heruntergeladen haben. Im Juni 2022 soll ein weiterer Mitgründer über Bittorrent mindestens fünf Millionen Bücher von der Schattenbibliothek Library Genesis (Libgen) bezogen haben, kurz darauf soll Anthropic selbst weitere zwei Millionen Werke von Pirate Library Mirror (Pilimi) geladen haben.
Firmenchef Dario Amodei soll den Umweg intern damit begründet haben, den Aufwand regulärer Lizenzierung – einen "legal/practice/business slog" – umgehen zu wollen. Wer über Bittorrent lädt, lädt automatisch auch hoch: BMG wertet das als eigenständige zusätzliche Verletzung. Parallel dazu soll Anthropic Bücher in großem Stil physisch zerschnitten und eingescannt haben, während Gespräche mit Verlagen über ordentliche Lizenzen schlicht versandeten.
BMG sieht Absicht statt Versehen
BMG beschränkt sich nicht auf den Vorwurf, Songtexte seien zufällig ins Trainingsmaterial geraten. Die Klageschrift gibt an, Anthropic habe Urheberrechtshinweise gezielt per Algorithmus entfernt, weil das Unternehmen sie intern als "useless junk" bezeichnet habe.
Mitarbeiter, die das Modell feinabstimmen sollten, wurden laut Klageschrift angewiesen, Claude zur Wiedergabe von Songtexten aufzufordern – inklusive Umschreibungen in anderen Künstlerstilen. Als konkret ohne Genehmigung reproduzierte Werke nennt BMG unter anderem What a Wonderful World, Uptown Funk, Sympathy for the Devil und Grenade.
Anthropic wurde im Februar 2026 nach einer Finanzierungsrunde über 30 Milliarden US-Dollar mit 380 Milliarden US-Dollar bewertet. BMG argumentiert, dass dieser Wert zumindest teilweise auf gestohlenen Inhalten aufgebaut sei.
Die Klage reiht sich ein in parallele Verfahren des Musikverlags Concord Music sowie Klagen im Literaturbereich. Eine einheitliche Rechtsprechung zur Fair-Use-Frage beim KI-Training fehlt noch. Der Fall dürfte diese Debatte weiter zuspitzen – und könnte zum Präzedenzfall für die gesamte KI-Branche werden.
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