Urheberrechtsstreit um KI-Training: Dokumente belasten Microsoft und OpenAI im NYT-Prozess
Im laufenden Urheberrechtsstreit der New York Times gegen Microsoft und OpenAI liegen jetzt ungeschwärzte Gerichtsakten vor. Das berichtet 404media(öffnet im neuen Fenster). Anwälte der Zeitung legten die Unterlagen im Rahmen eines Antrags auf ein summarisches Urteil vor. Jason Kint, CEO der Branchenorganisation Digital Content Next, entdeckte und veröffentlichte den Schriftsatz.
Die Dokumente(öffnet im neuen Fenster) enthalten Aussagen von Führungskräften sowie interne Berichte beider Technologiekonzerne. Ein internes Dokument von Microsoft bezeichnet beispielsweise das Sammeln von Webinhalten zum Training großer Sprachmodelle als Diebstahl in beispiellosem Ausmaß. Die Ersteller der Inhalte hatten diese Verwendungsart demnach weder vorgesehen, noch werden sie dafür entschädigt.
Interne Warnungen vor einer Abwärtsspirale
In den Papieren warnt Microsoft ferner vor wirtschaftlichen Konsequenzen für die eigene Inhaltslieferkette. Die KI-Inhalts-Strategie habe eine Entwicklung angestoßen, die sowohl die Leistung der eigenen Modelle als auch das Gesamtsystem des Internets beeinträchtige. Ein endproduktbezogener Effekt bedrohe damit die wirtschaftlichen Grundlagen der wesentlichen Lieferanten.
Microsoft-CEO Satya Nadella sagte zudem unter Eid aus, dass die Aufrufe von Inhalten der New York Times und anderer Nachrichtenseiten über die Suchmaschine Bing nach der Einbindung der KI-Funktionen um mehr als 90 Prozent gesunken sind. Ein Software-Ingenieur von OpenAI gab außerdem zu Protokoll, dass Nutzer Verlinkungen unabhängig von deren Platzierung kaum anklicken.
Umgehung von Paywalls und Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Aus den Unterlagen geht des Weiteren hervor, dass OpenAI eine Methode entwickelte, um die Paywall der New York Times zu umgehen. Mitbegründer Greg Brockman kommentierte den Vorgang mit den Worten "ah, nice". Jack Clark, früherer OpenAI-Policy-Director, hielt fest, dass die Systeme Arbeitsleistungen jener Personen ersetzen, die gesellschaftliche Kultur definieren. Und Microsoft vermerkte in einem Dokument, dass generative KI die Beschäftigung genau jener Menschen beeinträchtigt, deren Daten für das Training genutzt wurden.
OpenAI bezeichnete sich in Dokumenten sogar selbst als existenzielle Bedrohung für Verlage. Die Anwälte von Microsoft und OpenAI berufen sich vor Gericht aber weiterhin darauf, dass das Modelltraining unter die Doktrin des Fair Use fällt.
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