• IT-Karriere:
  • Services:

Online-Proteste nützen wenig

Zur Verärgerung der Nutzer dürfte auch die Tatsache beigetragen haben, dass ihre Proteste von Seiten der Politik teilweise nicht verstanden, völlig ignoriert oder als Belästigung empfunden wurden. Das galt vor allem für Protestformen wie E-Mails, die mit Hilfe von Online-Tools erstellt wurden. Europaabgeordnete wunderten sich darüber, dass viele Mails einen ähnlichen Inhalt hatten. Sie vermuteten daher, dass dahinter keine echten Nutzer stünden, sondern eine Art Politik-Spam der IT-Konzerne.

Stellenmarkt
  1. Knappschaft Kliniken Service GmbH, Bochum
  2. Ascom Deutschland GmbH, Frankfurt am Main

Der schwedische Abgeordnete Max Andersson wies hingegen darauf hin, dass die Nutzer, die ihm E-Mails geschickt hatten, keine Bots gewesen sein können. Denn auf ein Video, auf das er in seinen Antworten verlinkt hatte, sei deutlich weniger geklickt worden, wenn Schweden bei der Fußball-WM in Russland ein Spiel absolvierte (Video ab 11:27:00). Das wäre sicher nicht der Fall gewesen, wenn die E-Mails an Bots gegangen wären.

Ähnlich wirkungslos zeigten sich am Ende die mehr als fünf Millionen Nutzer, die auf Campact.org die Aktion Stoppt die Zensurmaschine - Rettet das Internet! unterstützt hatten. Zwar eignen sich solche Kampagnen für die öffentlichkeitswirksame Übergabe der Unterschriften an Politiker. Im Zweifel dürfte aber ein Anruf von Axel-Springer-Vorstand Mathias Döpfner im Kanzleramt effektiver als fünf Millionen Online-Unterschriften sein.

Nur die Straße zählt

Ohnehin scheint es auf die Politik keinen Eindruck zu machen, ob sich an einer Online-Petition 100.000 oder fünf Millionen Nutzer beteiligen. Schon vor sechs Jahren war klar, dass erfolgreiche Petitionen allenfalls ein Türöffner sind, um von Politikern wahrgenommen zu werden. Die Berichterstattung der Medien und die Meinung der Menschen "auf der Straße" seien ihnen viel wichtiger, sagte damals die Kampagnenexpertin Kathrin Voss. Selbst die Netzaktivsten von Anonymous räumten ein, dass DDoS-Angriffe und andere "Spaßaktionen" wenig brächten und sagten: "Am Ende zählen halt wirklich nur die Leute auf der Straße."

  • Memes sind ein wichtiger Teil der Mobilisierung. (Twitter/Screenshot: Golem.de)
  • Das Internet protestiert nicht nur auf der Straße: Wer auf Google Maps nach Axel Voss sucht, landete zumindest zeitweilig beim "Hauptquartier des Bösen". (Google Maps/Screenshot: Golem.de)
  • Tweet nach einem DDoS-Angriff auf die Website von Axel Voss (Twitter/Screenshot: Golem.de)
Memes sind ein wichtiger Teil der Mobilisierung. (Twitter/Screenshot: Golem.de)

Das bewahrheitete sich auch bei der Urheberrechtsreform. Die mehr als 100.000 Menschen, die Ende März gegen Uploadfilter und Leistungsschutzrecht demonstrierten, hinterließen einen größeren Eindruck als die fünf Millionen Unterschriften. Allerdings kamen die Proteste zu spät. Die verantwortlichen Politiker zogen sich auf die Position zurück, dass das Ergebnis der Trilog-Verhandlungen nicht mehr verändert werden könne.

Warum die Proteste so spät auf die Straße getragen wurden, ist nicht ganz nachvollziehbar. Schließlich standen die Positionen von Parlament und Mitgliedstaaten bereits im Mai/Juni 2018 weitgehend fest. Doch an einer ersten Demonstration gegen die Pläne nahmen am 24. Juni 2018 in Berlin nur 150 bis 200 Personen teil. Das hinterließ in der Politik den Eindruck, das Thema könne anders als Acta oder TTIP nicht die Massen mobilisieren. Erst die Behauptungen von EU-Kommission und CDU-Politikern, die Reformgegner seien ein Mob oder nur Bots, konnten spontan Tausende Menschen auf die Straße bringen.

Das Internet sollte daher nicht vergessen, bei künftigen Themen nicht erst dann auf die Straße zu gehen, wenn man sich über den Diskussionsstil geärgert hat. Wem ein Thema wirklich wichtig ist, der sollte sich auch nicht darauf beschränken, eine Online-Petition zu unterschreiben. Sinnvoller könnte es beispielsweise sein, eine Nichtregierungsorganisation zu unterstützen, die sich für Internetthemen einsetzt. Würde jeder der fünf Millionen Unterstützer nur einen Euro an Organisationen wie Edri, Epicenter.works oder die Digitale Gesellschaft spenden, könnte damit wirksame Informations- und Lobbyarbeit betrieben werden. Und dann müssten die Demonstranten endlich nicht mehr von Google bezahlt werden.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Wahlen können etwas ändern
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6. 5


Anzeige
Top-Angebote
  1. (u. a. Angebote zu Spielen, PC- und Konsolen-Zubehör, Laptops und Fernsehern)
  2. (u. a. LG OLED65CX9LA 65 Zoll OLED 120Hz für 1.799€, Sony KE-85XH9096 85 Zoll LED für 1...
  3. 745€ (Bestpreis)

plutoniumsulfat 27. Apr 2019

Nein, ich wähle hier lediglich ein Beispiel, wie Dunkelziffern bestimmte Dinge...

Peter Brülls 25. Apr 2019

Europa ist kein Kontinent, sondern die westliche Region des Eurasischen Kontinents.

plutoniumsulfat 20. Apr 2019

...die leider aus einer Traumwelt zu kommen scheinen. Und ich habe dir ein Beispiel an...

plutoniumsulfat 19. Apr 2019

Zum Glück treten mehr als zwei Parteien zur Wahl an. Die stehen sogar alle auf dem...

fg (Golem.de) 18. Apr 2019

Danke für den Hinweis. Die würden sich über das Geld bestimmt auch freuen. Aber wir haben...


Folgen Sie uns
       


Polestar 2 Probe gefahren

Wir sind mit dem Polestar 2 eine längere Strecke gefahren und waren von dem Elektroauto von Volvo angetan.

Polestar 2 Probe gefahren Video aufrufen
Programm für IT-Jobeinstieg: Hoffen auf den Klebeeffekt
Programm für IT-Jobeinstieg
Hoffen auf den Klebeeffekt

Aktuell ist der Jobeinstieg für junge Ingenieure und Informatiker schwer. Um ihnen zu helfen, hat das Land Baden-Württemberg eine interessante Idee: Es macht sich selbst zur Zeitarbeitsfirma.
Ein Bericht von Peter Ilg

  1. Arbeitszeit Das Sechs-Stunden-Experiment bei Sipgate
  2. Neuorientierung im IT-Job Endlich mal machen!
  3. IT-Unternehmen Die richtige Software für ein Projekt finden

Weclapp-CTO Ertan Özdil: Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!
Weclapp-CTO Ertan Özdil
"Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!"

Der CTO von Weclapp träumt von smarter Software, die menschliches Eingreifen in der nächsten ERP-Generation reduziert. Deutschen Perfektionismus hält Ertan Özdil aber für gefährlich.
Ein Interview von Maja Hoock


    Fiat 500 als E-Auto im Test: Kleinstwagen mit großem Potenzial
    Fiat 500 als E-Auto im Test
    Kleinstwagen mit großem Potenzial

    Fiat hat einen neuen 500er entwickelt. Der Kleine fährt elektrisch - und zwar richtig gut.
    Ein Test von Peter Ilg

    1. Vierradlenkung Elektrischer GMC Hummer SUV fährt im Krabbengang seitwärts
    2. MG Cyberster MG B Roadster mit Lasergürtel und Union Jack
    3. Elektroauto E-Auto-Prämie übersteigt in 2021 schon Vorjahressumme

      •  /