Urheberrechtsdebatte: "Eine einzige Piratin hat die Debatte versaut"

Vertreter der Musikindustrie bedauern noch immer, dass sie sich im Streit über die EU-Urheberrechtsreform und Uploadfilter nicht voll durchsetzen konnten. Weiter als mit der Richtlinie hätten sich die Rechteinhaber nicht bewegen können, hieß es bei einer Diskussionsrunde der Grünen.

Ein Bericht von Justus Staufburg veröffentlicht am
Urheberrechtsdebatte: "Eine einzige Piratin hat die Debatte versaut"
(Bild: Erich Ferdinand/CC-BY 2.0)

In der Musikwirtschaft werden der im vergangenen Jahr geführte scharfe Streit über Uploadfilter und die im Anschluss verabschiedete EU-Urheberrechtsnovelle noch immer als Einknicken der Politik vor dem Mob auf der Straße gewertet. "Große Teile der Kulturschaffenden" seien immer noch massiv "verbittert und empört", kritisierte der Film-, Fernseh- und Radiokomponist Matthias Hornschuh am Donnerstag bei einer Podiumsdiskussion der Grünen-Fraktion im Bundestag zur nationalen Umsetzung der Urheberrechtsrichtlinie. Die Künstler hätten daher noch immer "die Faust in der Tasche".

Inhalt:
  1. Urheberrechtsdebatte: "Eine einzige Piratin hat die Debatte versaut"
  2. Youtube setzt auf ContentID
  3. Ist Artikel 17 grundrechtswidrig?

Hornschuh sparte zugleich nicht mit Kritik an den Einladenden: "Eine einzige Piratin hat die gesamte Debatte versaut", beklagte der im Aufsichtsrat der Musikverwertungsgesellschaft Gema sitzende Musiker. Er spielte dabei auf die einstige EU-Abgeordnete Julia Reda an, die sich den Grünen im Europa-Parlament angeschlossen hatte. Sie habe den Begriff "Uploadfilter" bekanntgemacht und damit das Ende eines Internets mit nutzergenerierten Inhalten heraufbeschworen. Die anderen Fraktionsmitglieder hätten ihr nicht widersprochen und die Empörung der Netzgemeinde so für sich zu nutzen versucht. Viele Künstler fühlten sich daher "getrennt vom demokratischen System", könnten es sich andererseits aber nicht leisten, "auf die Grünen zu verzichten".

"Weiter als mit dieser Richtlinie konnten sich die Urheber nicht bewegen", sagte Hornschuh. "Wir gehen in die kollektive Nutzung hinein", begründete er seine These. "Wir tragen unsere exklusiven Rechte in den Markt hinein." Glücklicherweise gebe es dort auch jetzt schon Verwerter in Form von Plattformen, die nach den Regeln spielten. Da nur Lizenzen für viele Kreative relevante Einnahmen erzielten, sei zumindest der europaweite Anspruch auf eine angemessene Vergütung ein großer Pluspunkt der sonst zu vage bleibenden neuen EU-Vorgaben.

Desinformation und Hysterie?

Andere Betreiber versteckten sich hinter dem Datenschutz und behaupteten, dass sie von Nutzern eingestellte Inhalte nicht komplett kontrollieren dürften, monierte der Musiker. Das sei aber "Schwachsinn", da dann wohl auch Verkehrs- oder Stromnetze nicht überwacht werden könnten.

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Grundsätzlich funktioniere die Lizenzierung von Inhalten schon heute, knüpfte Mark Chung vom Verband unabhängiger Musikunternehmer*innen (VUT) daran an. Mit Apple und Deezer etwa seien schon Verträge abgeschlossen worden. Nun gehe es darum, mit der Richtlinie im Rücken mit Plattformen wie Youtube auf Augenhöhe zu verhandeln, die nun stärker in die Verantwortung genommen würden.

Viele hätten im Vorfeld der entscheidenden Abstimmung im Europäischen Parlament "Desinformation geritten" und "Filter erfolgreich hysterisiert", ergänzte der Berater und Labelmanager Stefan Herwig. Er habe versucht, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) dagegenzuhalten. Es gelte zu unterscheiden zwischen Identifikationssystemen für Inhalte wie das von Youtube eingesetzte ContentID und "vollautomatischen Uploadblockern". Nur letztere hätten "möglicherweise das Potenzial, die Meinungsfreiheit einzuschränken". Beide Varianten würden aber "immer wieder durcheinandergeschmissen".

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Youtube setzt auf ContentID 
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Schnarchnase 08. Feb 2020

Das ist ja gerade das Perverse an der Diskussion, es sollen die Rechte von Nutzern bzw...

Macros 07. Feb 2020

Es ist auch gut, dass mit Patrick Breyer und den drei Tschechen nun wieder Piraten im...

dadri 07. Feb 2020

Du missverstehst da was. Niemand wollte Zitatrecht oder Memes oder Links u.ä...

dadri 07. Feb 2020

*Fotograf hier* Also die neue Konkurrenz finde ich nicht unbedingt per se schlimm. Klar...



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