Urheberrecht: Onlinepornokonzern MindGeek legt Konkurrenten lahm
Der Onlinepornokonzern MindGeek hat einen Prozess vor dem Washington District Court wegen Urheberrechtsverletzungen gegen den kleineren Konkurrenten DaftSex gewonnen. Das berichtet das Onlinemagazin Torrentfreak(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf Prozessunterlagen. MindGeek erhält 32 Millionen US-Dollar Schadensersatz und die Domainnamen Daftsex.com, Artporn.com, Biqle.com und Daxab.com.
In dem Prozess hatte MindGeek im Jahr 2020 bereits über eine DMCA-Vorladung gegen Cloudflare den Namen des Betreibers Vasily Kharchenko offenlegen können. Das Mindgeek-Tochterunternehmen MG Premium warf dem Betreiber massenhafte Urheberrechtsverletzungen vor und argumentierte, dass Kharchenko persönlich 2.143 urheberrechtlich geschützte Werke auf die Seiten hochgeladen habe. Kharchenko äußerte sich nicht und erschien auch nicht vor Gericht, woraufhin MG Premium ein Versäumnisurteil beantragte. In erster Instanz lehnte der US-Bezirksrichter Benjamin Settle die Forderungen von Mindgeek ab, weil auch Dritte wie das Content Delivery Network Cloudflare und der Hostinganbieter FDC Servers aus Chicago betroffen waren, wozu weitere Beweise gefordert wurden.
MindGeek reagierte mit einer aktualisierten Anfrage, wobei die Forderungen gegen Drittanbieter weggelassen wurden. Nur die Domain-Registrierungsstelle Verisign sollte die strittigen Webadressen deaktivieren und an Mindgeek übertragen. Der Pornokonzern forderte 15.000 US-Dollar für jedes der 2.143 urheberrechtsverletzenden Werke, was das Gericht anerkannte. MindGeek argumentierte, dass allein DaftSex im Juni 2021 125 Millionen Besucher hatte. In der Anfangsphase hatten die großen Plattformen von Manwin ebenfalls hauptsächlich illegal kopierte Inhalte, was sich aber änderte.
Wem gehört Mindgeek?
Mindgeek, Marktführer in Europa und Amerika, ist ein privates kanadisches Unternehmen mit Hauptsitz in Luxemburg, das große Pornoseiten wie Pornhub, Redtube oder Youporn, Reality Kings, Brazzers, XTube, Extremetube, My Dirty Hobby, das Pornostudio Digital Playground und das Live-Sex-Angebot Webcams.com betreibt. Der Besitzer der Mehrheit an dem Onlinepornokonzern Mindgeek soll laut einem Bericht der Financial Times(öffnet im neuen Fenster) der gebürtige Österreicher und Milliardär Bernard Bergemar sein. Zu den Eigentumsverhältnissen bei Mindgeek befragt, sagten Chief Executive Officer Feras Antoon und Chief Operating Officer David Tassilo, Bergemar besitze mehr als 50 Prozent. Er sei ein passiver Investor und nicht in das Tagesgeschäft eingebunden. Fabian T., der Chef und Gründer des Pornokonzerns Manwin, wie Mindgeek früher hieß, verkaufte im Jahr 2012 seine Anteile an das Management. Gegen ihn wurde wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung ermittelt.
Die Mindgeek Gruppe, die bereits 2018 knapp über 460 Millionen US-Dollar Umsatz verzeichnete, hatte laut einem Bericht von Dezember 2020 täglich mehr als 115 Millionen Besucher auf ihren Websites. Viele Pornostudios veröffentlichen Ausschnitte ihrer Filme auf den Websites von MindGeek in der Hoffnung, dass Zuschauer für die Langfassung zahlen würden.
Nach Angaben des Unternehmens Similarweb vom August 2013 aus Tel Aviv macht Pornografie in Deutschland 12,5 Prozent aller Webseitenaufrufe aus. Damit lag Deutschland weltweit an der Spitze der Statistik. In Großbritannien waren es 8,5 Prozent, in Spanien 9,6 Prozent und in den USA 8,3 Prozent. Der weltweite Durchschnitt bei den Porno-Visits lag bei 7,7 Prozent. Die extrem niedrigen Bounce-Raten zeigten, dass die Nutzer gezielt auf diese Seiten gelangen.
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