• IT-Karriere:
  • Services:

Freie Lizenzen in Schulen: Urheberrechtsstreit vorprogrammiert

Lehrmaterialien sollen frei zugänglich werden, fordern Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag. Wie sie das umsetzen wollen, steht da nicht. Trotzdem haben Experten Hoffnung für die deutsche Bildungspolitik.

Artikel veröffentlicht am , Christiane Schulzki-Haddouti
Freie Lizenzen in Schulen: Urheberrechtsstreit vorprogrammiert
(Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Die große Koalition setzt sich für freie Bildungsinhalte ein, und das könnte das Lernen nachhaltig verändern. Im Koalitionsvertrag kündigt sie an, dass Schulbücher und Lehrmaterial "soweit möglich frei zugänglich sein" sollten und dass "die Verwendung freier Lizenzen und Formate ausgebaut" werden solle. Gemeinsam mit den Ländern wolle sie die "digitale Lehrmittelfreiheit" stärken.

Stellenmarkt
  1. Honda Research Institute Europe GmbH, Offenbach am Main
  2. Dentsply Sirona, The Dental Solutions Company(TM), Bensheim bei Darmstadt

Bislang verunsicherten die juristischen Hürden die Schulen. Speziell die Auseinandersetzungen um den Schultrojaner sowie die vom Verband Bildungsmedien verteilte Broschüre "Was geht, was geht nicht?" beim Thema Fotokopieren und Server-Speicherungen hätten "den offenen Austausch von Materialien in Schulen nicht gerade gefördert", sagt Bildungsexperte Jöran Muuß-Merholz.

Leonhard Dobusch vom Institut für Management an der Freien Universität Berlin sieht in der Passage zur digitalen Lehrmittelfreiheit daher "einen Hoffnungsschimmer in Sachen Urheberrecht im düsteren Koalitionsvertrag". Dieser fordere nämlich auch neue internationale Abkommen zur Rechtsdurchsetzung und lasse ein dringend notwendiges Recht auf Remix vermissen. Dobusch sagte Golem.de: "Umso erfreulicher ist das explizite und klare Bekenntnis zu freien Lizenzen und Formaten im Bildungsbereich. Wenn den Bekenntnissen Taten folgen, könnte Deutschland endlich den Rückstand im Bereich offener Lehr- und Lernunterlagen wettmachen."

Erst wenige Pilotprojekte

Das Ziel des Koalitionsvertrags sei offensichtlich, dass langfristig alle digitalen Lehrmaterialien unter freien Lizenzen und Formaten vorliegen. Wie das erreicht werden soll, darüber schweigt sich die große Koalition noch aus. Dobusch sagt: "Ein erster wichtiger Schritt sind Machbarkeitsstudien und Pilotprojekte, für die vonseiten des Bildungsministeriums Anschubfinanzierung bereitgestellt werden könnte." Erste Studien gibt es bereits. Sie zeigen, dass Deutschland noch ganz am Anfang steht.

Bei Lehr- und Schulbüchern gibt es erst einige wenige Pilotprojekte, etwa das Lehrbuch L3t, ein Lehrbuch für Lehren und Lernen mit Technologie. Hier werden die Inhalte kollaborativ erstellt. Im Schulbuchbereich gibt es das Projekt Schulbuch-O-Mat, das ebenfalls kollaborativ digitale Schulbücher entwickelt. Die Länder könnten hier mit Pilotprojekten neuen Schwung hineinbringen.

Widerstand der Verlage erwartet

Dobusch erwartet Widerstände im Schulbuchbereich, der von drei Großverlagen beherrscht wird. Der Staat könnte die Entwicklung gezielt fördern, meint Dobusch: "Realisieren ließe sich das über eine völlige Umstellung der Finanzierungs- und Vergabeverfahren. Hier müsste es regelmäßig kompetitive Ausschreibungsverfahren geben, bei denen sich Verlage oder sonstige Bildungseinrichtungen um entsprechende Förderungen bewerben können."

Wenn bei der Anschaffung von Schulbüchern in Zukunft offene Lizenzen vorgeschrieben würden, glaubt Dobusch, ginge damit ein stärkerer Wettbewerb einher: "Neue Anbieter könnten dann unmittelbar bestehende Lernunterlagen weiterentwickeln." Digitale Lehrmittelfreiheit und Verlage seien überdies kein Widerspruch, denn die Qualitätssicherungsfunktion von Verlagen werde weiterhin gebraucht.

Die Schulbuchverlage haben sich dem Thema der offenen Bildungsinhalte, in Fachkreisen auch Open Educational Resources genannt, bislang verweigert. Ihre Plattform Digitale Schulbücher bietet zwar online Schulbücher an, aber nicht unter freier Lizenz. Allein im universitären Bereich gibt es Open-Access-Initiativen. So publiziert etwa der Wissenschaftsverlag De Gruyter seit diesem Jahr sämtliche Open-Acess-Inhhalte unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND. Damit können Nutzer das Werk vervielfältigen, verbreiten und für nichtkommerzielle Zwecke verwenden. Gleichwohl dürfen die Inhalte nicht verändert werden. In den USA hat sich dagegen die offene CC-BY-Lizenz bereits im Bildungsbereich als Standard etabliert, weil sie so gut wie keine Nutzungsbeschränkungen auferlegt.

Das Geschäftsmodell der Verlage würde sich bei einer digitalen Lehrmittelfreiheit "dahingehend ändern, dass sie sich nicht mehr über den Verkauf von Büchern - abgesehen von Print-on-Demand - refinanzieren, sondern sich - immer wieder neu - bei Ausschreibungen beteiligen müssten", glaubt Leonhard Dobusch. Jöran Muuß-Merholz hingegen zeigt sich skeptischer. So seien noch gar keine Finanzierungs- und Geschäftsmodelle zu erkennen: "Man darf ja nicht vergessen, dass zwar die Nutzung kostenfrei sein soll - die Produktion von hochwertigen Materialien aber natürlich weiterhin Geld kostet."

Didaktik muss sich ebenfalls modernisieren

"Einen richtig großen Wurf" wird es nach Ansicht von Jöran Muuß-Merholz aber nur geben, "wenn tatsächlich eine bundesweite, die Länder verbindende Strategie zu dem Thema angegangen wird". Dabei wäre es wichtig, "dass nicht nur über den Einzug von digitalen Materialien, digitalen Werkzeugen oder digitalen Plattformen gesprochen wird, sondern über die Chance, die schulische Pädagogik mit Hilfe digitaler Technologie zu modernisieren."

Muuß-Merholz verweist dabei auf Japan: Hier hat gerade im Sommer die Regierung einen Masterplan beschlossen, der eine flächendeckende Digitalisierung vorsieht - und gleichzeitig eine grundlegende Reformierung der Didaktik. Das sei deshalb so wichtig, weil die Digitalisierung "auch die alte Pädagogik von frontalem Input, von Drill&Practice perfektionieren" könne. Muuß-Merholz sieht aber "das wahre Potenzial darin, die Geräte für selbstständiges, kollaboratives und kreatives Lernen zu nutzen".

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Mobile-Angebote
  1. 599€ (mit Rabattcode "PRIMA10" - Bestpreis!)
  2. 599€
  3. 749€ (mit Rabattcode "PERFECTEBAY10" - Bestpreis!)
  4. 350,10€ (mit Rabattcode "PERFECTEBAY10" - Bestpreis!)

Thaodan 05. Dez 2013

Geschichte ändert sich sogar Rückwerts, um so länger ein Ereignis zurück liegt desto...

Trockenobst 04. Dez 2013

Weil diese Verlage Spezialisiert darin sind, die faulen, trägen, desinteressierten...


Folgen Sie uns
       


Ghost of Tsushima - Fazit

Mit Ghost of Tsushima macht Sony der Playstation 4 ein besonderes Abschiedsgeschenk. Statt auf massenkompatible Bombastgrafik setzt es auf eine stellenweise fast schon surreal-traumhafte Aufmachung, bei der wir an Indiegames denken. Dazu kommen viele Elemente eines Assassin's Creed in Japan - und wir finden sogar eine Prise Gothic.

Ghost of Tsushima - Fazit Video aufrufen
Logistik: Hamburg bekommt eine Röhre für autonome Warentransporte
Logistik
Hamburg bekommt eine Röhre für autonome Warentransporte

Ein Kölner Unternehmen will eine neue Elbunterquerung bauen, die nur für autonom fahrende Transporter gedacht ist.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. Intelligente Verkehrssysteme Wenn Autos an leeren Kreuzungen warten müssen
  2. Verkehr Akkuzüge sind günstiger als Brennstoffzellenzüge
  3. Hochgeschwindigkeitszug JR Central stellt neuen Shinkansen in Dienst

Philips-Leuchten-Konfigurator im Test: Die schicke Leuchte aus dem 3D-Drucker
Philips-Leuchten-Konfigurator im Test
Die schicke Leuchte aus dem 3D-Drucker

Signify bietet mit Philips My Creation die Möglichkeit, eigene Leuchten zu kreieren. Diese werden im 3D-Drucker gefertigt - und sind von überraschend guter Qualität. Golem.de hat eine güldene Leuchte entworfen.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Smarte Leuchten mit Kurzschluss Netzteil-Rückruf bei Philips Hue Outdoor
  2. Signify Neue Lampen, Leuchten und Lightstrips von Philips Hue
  3. Signify Neue Philips-Hue-Produkte vorgestellt

Big Blue Button: Das große blaue Sicherheitsrisiko
Big Blue Button
Das große blaue Sicherheitsrisiko

Kritische Sicherheitslücken, die Golem.de dem Entwickler der Videochat-Software Big Blue Button meldete, sind erst nach Monaten geschlossen worden.
Eine Recherche von Hanno Böck


      •  /