Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Urheberrecht: Ein Anwalt, der klingonisch spricht

Klingonen gibt es vielleicht nur im Fernsehen, aber Klingonisch ist eine lebendige Sprache: Mindestens einen Muttersprachler gibt es, Literatur und auch klingonisch geschlossene Ehen. Im Urheberrechtsstreit um die Sprache aus Star Trek kontert sogar der Anwalt mit klingonischen Zitaten.
/ Hauke Gierow
117 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Klingonen gehen mit der Zeit - und nutzen Smartphones. Ihre Sprache wird derzeit vor Gericht verhandelt. (Bild: Jim Young/Getty Images)
Klingonen gehen mit der Zeit - und nutzen Smartphones. Ihre Sprache wird derzeit vor Gericht verhandelt. Bild: Jim Young/Getty Images

Wem gehört die klingonische Sprache? Diese Frage beschäftigt zurzeit ein Gericht in den USA. Denn das Filmstudio Paramount Pictures möchte Urheberrechte für die Sprache zugesprochen bekommen. Eine Gruppe mit dem Namen Language Creation Society findet jedoch: Sprache gehört denen, die sie sprechen: Fans, klingonische Muttersprachler und Heiratswillige. Jetzt hat der Anwalt Marc Randazza im Namen der Organisation einen Unterstützerbrief(öffnet im neuen Fenster) (Amicus Curiae) eingereicht - mit klingonischen Weisheiten, Zitaten des Dude Jeffrey Lebowski ( "Der Teppich hat den Raum erst gemütlich gemacht" ) und großer klingonischer Literatur.

Der Streit findet im Kontext um den Fanfilm Axanar statt . Die Filmstudios Paramount und CBS haben die Filmemacher verklagt, weil sie Urheberrecht des Unternehmens verletzten. Diese waren nach eigenen Angaben überrascht von der Klage, denn: " Axanar ist ein Fanfilm. Wie andere Fanfilme auch ist Axanar basierend auf einer sehr langen Beziehung zwischen den Fans und den Produktionsstudios [Paramount und CBS, Anmerkung vom Autor] in die Produktionsphase eingetreten" , erklärt Alec Peters. "Ich bin enttäuscht, dass ich von der Klage aus den Medien erfahren habe."

Wer hat's erfunden?

Im Kern geht es um die Frage: Wer hat's erfunden? Paramount behauptet, dass dem Unternehmen die Rechte zustünden, weil es dem Wissenschaftler Marc Okrand im Jahr 1984 den Auftrag zur Entwicklung einer neuen Sprache gegeben habe. Doch bekanntlich heißt es auf Klingonisch "wa' Dol nIvDaq matay'DI' maQap.": "Wir gewinnen gemeinsam, als großes Ganzes" .

Denn genau das, so argumentiert Anwalt Randazza in dem Dokument, sei geschehen. Nachdem Paramount einige Phrasen in den Filmen verwendet habe, habe sich eine aktive Community gebildet, die die klingonische Sprache aktiv nutzte und weiterentwickelte. Es gebe sogar mindestens einen Fall, in dem ein Kind Klingonisch als Muttersprache gelernt habe.

Sprache hat sich "von textlichen Ketten befreit"

Außerdem habe Paramount eben keine ganze Sprache entwickeln lassen, sondern nur einige Phrasen und Versatzstücke. Erst im Jahr 1985 veröffentliche Okrand das erste klingonische Wörterbuch. Ursprünglich als Scherz gedacht, habe sich daraus ein erfolgreiches Buch entwickelt, das mehr als 250.000 Mal verkauft wurde. Danach habe sich die Sprache "von ihren textlichen Ketten" befreit. Seitdem hat Okrand zwei weitere Bücher zur klingonischen Sprache und Grammatik veröffentlicht.

Nur ein Vulkanier könne Paramounts Logik erklären

Grundsätzlich könne Paramount für das ursprüngliche Werk zwar einen urheberrechtlichen Schutz beantragen. Doch könne es nach US-Recht keinen Urheberrechtsschutz für Sprachen geben, die abseits eines Films aktive Verwendung finden. Um die Rechtsauffassung von Paramount zu vertreten, bedürfe es schon eines Vulkaniers - sogar ein Pakled wisse, dass man eine Sprache nicht "besitzen" könne, heißt es in dem Dokument. Schützenswert seien demnach nur die Passagen, die in den Star-Trek-Filmen selbst gesprochen wurden.

Klingonisch eignet sich nicht nur für kurze Filmszenen - sondern auch für große Literatur. Es existieren Übersetzungen von Shakespares Hamlet und des Gilgamesch-Epos. Auch Microsofts Suchmaschine Bing ermöglicht die Übersetzung von Text in Klingonisch . Diese kulturellen Höhenflüge würden verhindert, wenn Klingonisch durch das Urheberrecht vor einer lebendigen Nutzung durch Fans "geschützt" werde.

Klingonisches Ja-Wort

Auch Ehen seien schon auf Klingonisch geschlossen worden, als ein schwedisches Paar sich in Star-Trek-Manier das Ja-Wort gab. Eine Anfrage über Ufo-Sichtungen nach dem Informationsfreiheitsgesetz beantwortete ein walisischer Minister auf Klingonisch - ein weiterer untrüglicher Beweis dafür, dass die Sprache ihrer ursprünglichen Darstellungsform längst entwachsen sei.

Denn genau darum gehe es bei Sprache: das Ausdrücken von Ideen. Würde jemand die Sprache kontrollieren, dann könnten Ideen nicht mehr frei ausgedrückt werden. George Orwell würde dem sicher beipflichten. Hätte Paramount bereits seit mehreren Jahren ein Urheberrecht auf die Sprache zugesprochen bekommen, dann hätte das Unternehmen die aktive Entwicklung und Verbreitung der Sprache gehemmt. Denn aufgrund der speziellen Grammatik sei Klingonisch letztlich mehr als eine Sprache - sondern vielmehr eine "Art des Denkens" .

Paramount findet Klingonisch unnütz, will aber trotzdem das Urheberrecht dafür

Dem widerspricht Paramount. Denn Klingonisch sei im Alltag gar nicht nützlich, weil es ja gar keine Klingonen gebe, mit denen man spreche könne. Diese Darstellung wiederum weist Randazza als beleidigend zurück: "Es gibt viele Menschen, die klingonisch sprechen." Es bedürfe keiner Klingonen, damit Klingonisch "nützlich" sei. Nur weil es keine "alten Griechen" mehr gebe, sei Altgriechisch weiterhin eine der wichtigsten Sprachen, um die philosophischen Klassiker zu verstehen.

Und so schreibt Randazza mit dem von Jeffrey Lebowsky interpretierten George-Herbert-Walker-Bush-Klassiker: "This will not stand, man" . Klingonen würden sagen: "not Qam ghu'vam, loD!"


Relevante Themen