Abo
  • Services:

Urheberrecht: Easylist muss Anti-Adblocker-Domain entfernen

Im Streit über die Blockade von Anzeigen im Netz hat eine US-Firma einen neuen Hebel gefunden. Der Vorgang erinnert an den Rechtsstreit zwischen Eyeo und dem Axel-Springer-Verlag.

Artikel veröffentlicht am ,
Die Domain functionalclam.com musste aus der Easylist entfernt werden.
Die Domain functionalclam.com musste aus der Easylist entfernt werden. (Bild: Github/Screenshot: Golem.de)

Ein US-amerikanischer Webdienstleister hat offenbar erstmals mit Hilfe des Urheberrechts einen Eintrag auf der Adblockerliste Easylist löschen können. Laut Github machte das Startup Admiral in seinem sogenannten DMCA-Antrag geltend, dass durch den Eintrag auf der Easylist eine technische Maßnahme zum Schutz urheberrechtlich geschützter Inhalte umgangen werde. Daher habe die Domain functionalclam.com aus der Easylist entfernt werden müssen, sagte die Github-Juristin Hannah Poteat in einer Stellungnahme.

Stellenmarkt
  1. BWI GmbH, Bonn
  2. BWI GmbH, Bonn, Meckenheim, Koblenz

In der sogenannten Easylist sind die Filterregeln für verschiedene Adblocker-Programme wie Adblock Plus oder Ublock enthalten. In Deutschland streiten sich derzeit der Axel-Springer-Verlag und der Adblock-Plus-Anbieter Eyeo juristisch über die Kontrolle der Easylist. Dabei hat Eyeo vor Gericht behauptet, die "Easylist und die Easylist Germany seien öffentliche, von jedermann abonnierbare und nicht von den Beklagten erstellte oder unterhaltene Listen".

Software für Werbeblocker-Sperren

Die US-Firma Admiral machte ihre Forderung jedoch nicht gegenüber Eyeo, sondern gegenüber Github geltend, da dort die verschiedenen Filterlisten gehostet werden. Nach Angaben von Admiral nutzen weltweit 3.500 Verlage und andere Websites die Software des Unternehmens, "um ihre Adblocker-Verluste zu beheben". Dabei gibt es verschiedene Stufen der Interaktion mit den Nutzern, um sie beispielsweise "sanft" oder "hart" zum Abschalten des Adblockers aufzufordern. Zudem gibt es eine DMCA-Zugangskontrolltechnik, "die urheberrechtlich geschützten Inhalt vor Adblockern und der Easylist-Umgehung schützt", wie es heißt. Inwieweit dieses System auf die Domain functionalclam.com angewiesen ist, ist unklar. Die Seite sei auf jeden Fall kein Adserver, schrieb Admiral-CEO Dan Rua in einem Blogbeitrag.

Ebenso wie die Springer-Anwälte im Streit über eine Umgehungsanleitung für eine Adblockersperre auf Bild.de argumentiert Admiral damit, dass sein System eine Zugangskontrolle darstelle, die durch die Easylist umgangen werden solle. Das sei laut Paragraf 1201 des Digital Millennium Copyright Act (DMCA) verboten. Easylist-Nutzer schlagen im Diskussionsforum vor, dass Github eine sogenannte Gegenanzeige (counter notice) einreicht. Allerdings wird auch vor den hohen Kosten gewarnt, die solch ein Gerichtsverfahren mit sich bringen könnte.

Filtercode noch nicht verboten

Eyeo wollte auf Anfrage von Golem.de den Vorgang nicht kommentieren und verwies darauf, dass es bei der Easylist um ein unabhängiges Open-Source-Projekt handele. Laut Torrentfreak hat die Electronic Frontier Foundation (EFF) bereits Kontakt mit dem Easylist-Team aufgenommen. Wie die Gerichtsverfahren in Deutschland gezeigt haben, könnte sich Admiral mit seiner Auffassung möglicherweise auch in den USA durchsetzen. Allerdings ist das Unternehmen offenbar noch nicht so weit gegangen, Github oder anderen Foren die Publikation des Filtercodes zu verbieten. Daher können Nutzer den Code problemlos manuell in die Filterliste ihres Adblockers eintragen.

Laut Admiral-CEO Rua scheint es sich bei dem ganzen Vorgang eher um ein Missverständnis zu handeln. Denn es sei ohnehin nicht üblich, solche Werbeblockersperren mit Hilfe der Filterlisten zu umgehen. Was durchaus zutrifft, denn die Adblockersperren von Axel Springer oder anderen deutschen Verlagen werden nicht durch die Easylist umgangen. Der Code für Bild.de war nach kurzer Zeit wieder entfernt worden und muss von den Nutzern nun manuell eingetragen werden.

Von daher hatte Springer es gar nicht nötig, gegen Github vorzugehen. In dem DMCA-Antrag von Admiral einen neuen Angriff auf das Adblocker-Konzept zu sehen, dürfte daher verfehlt sein. Sollte Admiral einen möglichen Rechtsstreit aber verlieren, könnten die Easylist-Autoren das zum Anlass nehmen, Werbeblockersperren künftig erst recht zu umgehen.



Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 2,99€
  2. 6,37€
  3. ab 69,99€ mit Vorbesteller-Preisgarantie (Release 26.10.)

FreiGeistler 17. Aug 2017

Im Prinzip schon. Zumindest HTML, CSS, JS und direkt eingebeteten Content. Content...

FreiGeistler 17. Aug 2017

Wikipedia / Webseite-Tracking Dem Tracker ist nicht nur deine aktuelle Domain bekannt...

Hotohori 16. Aug 2017

Ja, und? Sollen sie doch. Das Problem ist nur das ja nicht bloß die Domain zu einer URL...

Hotohori 16. Aug 2017

Wie soll Werbung auch optimiert sein? Optimieren kostet Geld, die ganze Werbebranche im...

Hotohori 16. Aug 2017

Und das Problem ist dadurch auch oft, dass die Seitenbetreiber selbst keinerlei...


Folgen Sie uns
       


Fazit zu Shadow of the Tomb Raider

Wir tauchen mit Lara in der Apokalypse ab und verfassen unser Fazit.

Fazit zu Shadow of the Tomb Raider Video aufrufen
Gesetzesentwurf: So will die Regierung den Abmahnmissbrauch eindämmen
Gesetzesentwurf
So will die Regierung den Abmahnmissbrauch eindämmen

Obwohl nach Inkrafttreten der DSGVO eine Abmahnwelle ausgeblieben ist, will Justizministerin Barley nun gesetzlich gegen missbräuchliche Abmahnungen vorgehen. Damit soll auch der "fliegende Gerichtsstand" im Wettbewerbsrecht abgeschafft werden.
Von Friedhelm Greis


    Lenovo Thinkpad T480s im Test: Das trotzdem beste Business-Notebook
    Lenovo Thinkpad T480s im Test
    Das trotzdem beste Business-Notebook

    Mit dem Thinkpad T480s verkauft Lenovo ein exzellentes 14-Zoll-Business-Notebook. Anschlüsse und Eingabegeräte überzeugen uns - leider ist aber die CPU konservativ eingestellt und ein gutes Display kostet extra.
    Ein Test von Marc Sauter und Sebastian Grüner

    1. Thinkpad E480/E485 im Test AMD gegen Intel in Lenovos 14-Zoll-Notebook
    2. Lenovo Das Thinkpad P1 ist das X1 Carbon als Workstation
    3. Thinkpad Ultra Docking Station im Test Das USB-Typ-C-Dock mit robuster Mechanik

    Zukunft der Arbeit: Was Automatisierung mit dem Grundeinkommen zu tun hat
    Zukunft der Arbeit
    Was Automatisierung mit dem Grundeinkommen zu tun hat

    Millionen verlieren ihren Job, aber die Gesellschaft gewinnt dabei trotzdem: So stellen sich die Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens die Zukunft vor. Wie soll das gehen?
    Eine Analyse von Daniel Hautmann

    1. Verbraucherschutzminister Kritik an eingeschränktem Widerspruchsrecht im Online-Handel
    2. Bundesfinanzminister Scholz warnt vor Schnellschüssen bei Digitalsteuer
    3. Sommerzeit EU-Kommission will die Zeitumstellung abschaffen

      •  /