Urheberrecht: Die gespaltene Persönlichkeit des Sherlock Holmes

Die meisten Geschichten von Meisterdetektiv Sherlock Holmes sind auch in den USA nicht mehr urheberrechtlich geschützt. Ein Gericht musste nun entschieden, ob deren Inhalte frei bearbeitet werden dürfen.

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Schild vor dem fiktiven Sitz von Holmes' Büro in der Londoner Baker-Street
Schild vor dem fiktiven Sitz von Holmes' Büro in der Londoner Baker-Street (Bild: Dan Kitwood/Getty Images)

In den USA dürfen nicht mehr urheberrechtlich geschützte Sherlock-Holmes-Geschichten von jedermann bearbeitet und frei verwendet werden. Das entschied ein Gericht im US-Bundesstaat Illinois und wies damit anderslautende Ansprüche der Familie von Sherlock-Holmes-Erfinder Arthur Conan Doyle zurück. Die Erben wollten erreichen, dass die Charaktere des Londoner Meisterdetektivs Holmes und seines Assistenten Dr. Watson solange urheberrechtlichen Schutz genießen, bis die letzten veröffentlichen Geschichten gemeinfrei geworden sind. Das wäre in den USA erst im Jahr 2022 der Fall.

Richter Rubén Castillo kam in seinem 22-seitigen Urteil zu dem Schluss, dass die vier Romane und 46 Kurzgeschichten, die vor 1923 in den USA veröffentlicht wurden, frei verwertet werden dürfen. Dies gelte allerdings nicht für die zehn Holmes-Texte, die erst nachher publiziert wurden. Kläger Leslie Klinger scheiterte aus diesem Grund auch mit dem Versuch, eine Unterlassungserklärung der Doyle-Erben auf rechtliche Ansprüche zu erzwingen. Klinger gab in der Vergangenheit mehrere Anthologien zu Holmes heraus, die Texte von zeitgenössischen Autoren enthielten.

Die Anwälte der Doyle-Erben hatten in dem Verfahren die Theorie aufgestellt, dass ein literarischer Charakter wie Holmes nicht in verschiedene Teile aufgespalten werden könne, die je nach Urheberrechtslage verwertet werden könnten oder geschützt seien. Gerade in den zehn Texten, die Doyle nach 1923 über Holmes veröffentlicht habe, seien viele Aspekte seines Charakters, seiner Überzeugungen und auch seiner Jugenderfahrungen enthalten. Es sei daher unzulässig, ohne Erlaubnis durch die Erben das Werk Doyles literarisch zu bearbeiten. Anders als von Klinger behauptet, könne eine "komplexe literarische Figur ebenso wenig aufgetrennt werden wie ein realer Mensch, ohne sich dadurch aufzulösen".

Diese Position machte sich das Gericht nicht zu eigen und verwies auf frühere Urteile, in denen ebenfalls Seriencharaktere teilweise zur Nutzung freigegeben worden seien. Allerdings scheiterte Klinger auch mit dem Versuch, Aspekte aus Holmes' Leben verwenden zu dürfen, die erst nach 1923 geschildert worden waren. Diese sind nach Ansicht von Richter Castillo weiterhin geschützt. Dazu zählt beispielsweise Holmes zweite Ehefrau, seine sportliche Karriere und sein Rückzug aus der Detektei.

Klinger begrüßte auf seiner Website free-sherlock.com dennoch das Urteil. "Sherlock Holmes gehört der Welt", schrieb Klinger. Nun könnten Fernsehsender, Filmstudios oder Autoren die Figuren von Holmes und Watson verwenden, ohne Einschränkungen durch die Doyle-Erben fürchten zu müssen.

Arthur Conan Doyle hatte 1887 seine erste Holmes-Geschichte veröffentlicht. 1927 erschien ein letzter Sammelband, "Sherlock Holmes' Buch der Fälle". Alle vor 1923 in den USA erschienenen Werke sind dort nicht mehr urheberrechtlich geschützt, spätere Werke sind es bis zu 95 Jahre, wenn Unternehmen die Rechte anmelden. In Deutschland sind die Texte zu Sherlock Holmes inzwischen gemeinfrei, da Doyle im Jahr 1930, also bereits vor mehr als 70 Jahren, gestorben ist.

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