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'Eigentum meint teilen, nicht etwas zu behalten'

Zeit Online: Sie sagen, wir brauchen ein einfaches, effizientes, gezieltes und realistisches Urheberrecht. Können Sie sagen, wie das aussehen soll? Können Sie sagen, wie ein so komplexes und altes Rechtsmodell neu gebaut werden kann?

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Lessig: Ich denke, wir sollten damit anfangen, dass ein solches Gesetz zielgenauer wird. Wir leben in einer Welt, in der die simple Nutzung eines Inhaltes bedeutet, dass von ihm eine Kopie erzeugt wird. Das war ursprünglich anders. Nutzung hieß lange Zeit, sich etwas anzuhören oder es zu lesen, aber nicht, es dabei zu kopieren. Wir müssen also darüber nachdenken, wie diese Änderung im Recht fair abgebildet werden kann. Ich habe keine klare Formulierung, aber ich glaube, es sollte zwei Modelle geben: Eines, bei dem die kommerzielle Nutzung eines Inhaltes im Vordergrund steht und das daher dazu verpflichten sollte, dafür zu bezahlen. Und ein zweites Modell, bei dem es nicht um eine kommerzielle Nutzung geht, und bei dem somit auch keine verpflichtende Zahlung eingebaut sein sollte.

Ein Beispiel: Wer Teile eines Werkes nutzt, um sie in einem Remix zu einem neuen Werk zusammenzubauen und sie dann auf Youtube seinen zehntausend Freunden zu zeigen, der sollte dafür nicht zahlen müssen. Und auch Verhandlungen zwischen der Gema und Youtube sollte es in einem solchen Fall nicht geben, da der Preis null ist. Aber wenn ich ein Buch schreibe und jemand macht daraus einen Film, für den er Eintritt nimmt, dann ist das ein kommerzieller Remix, über dessen Bezahlung er mit mir verhandeln sollte. Wir müssen uns einfach grundsätzlich fragen, in welchen Bereichen es eine Regulierung braucht und in welchen eher nicht.

Zeit Online: Und wie kann man das eine vom anderen unterscheiden?

Lessig: Es gibt einen Aspekt, der dabei selbstverständlich berücksichtigt werden muss: Wir müssen wissen, wem etwas gehört, wer es geschaffen hat. Es ist oft nicht klar, wer Rechte an einem Werk hält. Doch hat der Kampf der Gema gegen Youtube eine Technologie hervorgebracht, die das Problem lösen könnte. Youtube legt für jeden Song, für jede Datei eine Art digitalen Fingerabdruck an, um sie wiederzuerkennen. Dieser Fingerabdruck könnte auf jede künstlerische Leistung ausgedehnt werden. Dadurch wird ein weltweites automatisches Register aller Werke vorstellbar.

Zeit Online: Ein solches System käme einer Überwachung gleich. Wie könnte das noch Anonymität zulassen, die ja durchaus eine Funktion hat?

Lessig: Das ist kein Problem. Jeder, der es will, könnte ja eine pseudonyme Identität anlegen, die mit seinen Inhalten verknüpft ist. Es geht doch nur darum, herauszufinden, wer das Recht hat, einen bestimmten Inhalt zu lizenzieren, damit man mit demjenigen Kontakt aufnehmen kann. Ein solches System würde es sehr viel billiger machen als bisher, einen Urheber zu finden.

Zeit Online: Und wie wäre eine Vergütung dieser Urheber vorstellbar?

Lessig: Derzeit verhalten wir uns paradox: Einerseits wird eine Art Steuer auf Geräte wie Festplatten und Kopierer erhoben, um einen finanziellen Ersatz für die illegale Handlung des Kopierens zu schaffen. Gleichzeitig aber wird versucht, genau das Verhalten zu verbieten, für das man mit seiner Steuer bezahlt hat. Da wäre doch eine Art Flatrate durchaus sinnvoll. Denn sie würde bedeuten, dass Kopieren legal ist, man könnte es einfach tun. Der Inhaber der Rechte dürfte das nicht verbieten, denn er bekäme dafür ja eine Kompensation.

Es wäre also kein Eigentum in dem Sinn, dass man anderen dessen Nutzung untersagen dürfte. Es wäre ein Eigentumsbegriff, der einen Anspruch erwirbt - den Anspruch, für die Nutzung entschädigt zu werden.

 Urheberrecht: "Copyright soll Autoren helfen, nicht Verlagen"
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leomar 24. Okt 2012

Coole Idee, dann werd ich schon mal ins Microfon furzen, das ganze auf youtube stellen...

Bankai 23. Okt 2012

Vielleicht liegt das an der Interpretation der Aussage des guten Herren? Ich würde...

gandalfmitfahrk... 23. Okt 2012

man kann geistiges nicht besitzen, man kann aber z.b. musik machen und dann angst um das...


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