Software-Archivierung nicht vorgesehen

Christian Rauda, Rechtsanwalt der Kanzlei Graef, hatte für die Teilnehmer vor allem schlechte Nachrichten zu dem deutschen Urheberrecht. Zwar gebe es einen Absatz, der das Kopieren von urheberrechtlich geschützten Werken für Privatarchive in sehr engen Grenzen erlaubt (§ 53), doch für Software gelte dieser Absatz nicht. Denn das Kopieren von Software sei separat in einem eigenen Paragraphen geregelt (§ 69) und der sehe nur einen einzigen Grund für das Kopieren von Software ohne Zustimmung des Rechteinhabers vor: einzelne private Backups.

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Ein Spiel zu Archivierungszwecken mehrfach zu kopieren oder dabei gar zu verändern, um es auf aktueller Hardware zum Laufen zu bekommen, ist schlicht nicht vorgesehen. Regelungen, die den Zugang zu urheberrechtsgeschützten Werken in Archiven regeln, sind für Software ebenfalls nicht vorgesehen.

Zitatrecht erlaubt nicht Kopie eines ganzen Spiels

Das einzige Recht, auf das man sich teilweise berufen könne, wäre das Zitatrecht. Doch das erlaubt nicht das Kopieren eines ganzen Spiels, man könnte dadurch höchstens einzelne Szenen oder Screenshots verfügbar machen, wenn man diese kritisiert oder bewertet.

Selbst Backups von Software, zu denen man das Original besitzt, helfen in vielen Fällen nicht, um Spiele rechtssicher zu erhalten. Denn das Urheberrecht verbietet die Umgehung von Kopierschutzmaßnahmen, und das unabhängig davon, zu welchem Zweck dies geschieht. Schon den 80er-Jahren gab es Kopierschutzmaßnahmen für Spiele auf Disketten.

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Die EU hatte vor einigen Jahren eine Richtlinie ins Leben gerufen, die die Veröffentlichung sogenannter verwaister Werke regeln sollte, also Werke, deren Autor oder Rechteinhaber nicht auffindbar ist. Doch auch diese Richtlinie ist für die Spielearchivare nicht hilfreich. Generell gilt diese Richtlinie nur für öffentliche Institutionen, private Museen und Archive können sich nicht auf sie berufen. Und für Software gilt sie wohl sowieso nicht. Während die Formulierung der EU-Richtlinie selbst noch von "audiovisuellen Werken" spricht und es zu klären wäre, ob hier Computerspiele darunter fallen, ist in der deutschen Umsetzung der Richtlinie nur noch von "Filmwerken" die Rede. Die bürokratischen Hürden, um Werke nach dieser Richtlinie der Öffentlichkeit verfügbar zu machen, sind zudem enorm hoch. Bevor ein Werk als verwaist gilt, müsste erst eine umfangreiche Recherche durchgeführt werden. In Deutschland müsste man dazu über 100 Institutionen anfragen und in deren Datenbanken nachforschen.

Zwei Sätze im Koalitionsvertrag

Dass die Archivierung von Computerspielen eine wichtige Aufgabe ist, hat sogar die Bundesregierung anerkannt. Im Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung findet sich dazu folgender Absatz: "Wir wollen zudem das digitale Spiel für nachfolgende Generationen erhalten. Es gilt, geeignete Archivierungsmöglichkeiten zu prüfen."

Wir hätten gerne gewusst, welche konkreten Maßnahmen die Bundesregierung hier plant, allerdings blieb eine Anfrage von uns an das Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur auch nach mehreren Tagen unbeantwortet.

Ganz praktisch ist es heute so, dass die Archivierung von Computerspielen meist durch Privatpersonen geschieht. Viele Fan-Seiten der Retro-Szene stellen Spiele im Netz zum Download bereit. Legal ist das häufig nicht - aber es ist scheinbar notwendig, um das kulturelle Erbe einer Generation zu erhalten.

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 Urheberrecht: Computerspiele können kaum legal archiviert werden
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throgh 06. Mai 2015

So ein Unsinn: Die Abschaffung von DRM wird ein solches Szenario nicht hervorrufen. Du...

Menplant 05. Mai 2015

Das "ist etwas ganz anderes" liegt in erster Linie daran, dass man schnell verführt wird...

Nugget32 05. Mai 2015

Wenn die Firma zu den Verträgen nicht mehr Existiert und der Vertrag selbst nicht mehr...

gisu 04. Mai 2015

EA verschenkt aber ältere Spiele - wenn auch mit Hintergedanken aber sie tun es...



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