Urheberrecht: Code von Youtube-dl wegen DMCA-Anfrage offline
Der Code-Hoster Github hat den Code des vielfach genutzten Open-Source-Projektes Youtube-dl offline genommen. Das geht aus einer DMCA-Anfrage des US-Musikverbands RIAA hervor. Davon betroffen sind nicht nur der Code des Upstream-Projektes(öffnet im neuen Fenster), sondern auch einige auf Github erstellte Forks von Youtube-dl. Mit Hilfe des in Python geschriebenen Werkzeugs Youtube-dl lassen sich Videos in verschiedenen Formaten von Youtube und anderen Videoplattformen herunterladen.
In dem Brief der RIAA, den Github veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster), argumentiert der Verband, das klare Ziel des Codes sei es, die "technologischen Schutzmaßnahmen, die von autorisierten Streaming-Diensten wie Youtube angewendet werden", zu umgehen. Darüber hinaus diene das Python-Werkzeug dazu "Musikvideos und Tonaufnahmen unserer Mitgliedsunternehmen ohne Genehmigung für eine solche Verwendung" zu reproduzieren und zu verbreiten. Begründet wird dies mit dem Verweis auf die Readme-Datei des Projekts, in der beispielhaft einige Musikvideos aufgezählt werden.
Keine normale DMCA-Anfrage
Bei der Anfrage handelt es sich um einen eher ungewöhnlichen Vorgang. Denn der Digital Millenium Copyright Act (DMCA) der USA soll unter anderem die Rechtedurchsetzung für Urheber vereinfachen. Üblicherweise behandeln derartige Anfragen direkt die nicht-lizenzierte Nutzung von Werken wie Musikstücken. Zuletzt sorgte dies etwa bei Twitch für Chaos.
Die RIAA argumentiert nun aber nicht, dass Youtube-dl direkt die Rechte seiner Mitglieder verletze, sondern dass das Werkzeug eben dies erst ermögliche und damit im Grunde komplett illegel sei. Darauf weist etwa der Chef-Jurist von Public Knowledge, John Bergmayer, auf Twitter(öffnet im neuen Fenster) hin. Tatsächlich kann das Werkzeug leicht für eben jenen Zweck genutzt werden. Allerdings erlaubt Youtube-dl eben auch legale Downloads, zum Beispiel von Werken unter CC-Lizenz oder Public Domain.
Der für die Freedom of the Press Foundation tätige Parker Higgins weist zudem darauf hin(öffnet im neuen Fenster), dass Youtube-dl viele Tätigkeiten erlaube, die von den Fair-Use-Ausnahmen des US-Urheberrechts gedeckt seien. So nutzten viele Archive, Bibliotheken, Museen oder ähnliche Einrichtungen Youtube-dl in ihren eigenen Anwendungen.
Fraglich ist auch, inwiefern die Vorkehrungen von Youtube tatsächlich als wirksamer technischer Schutz im Sinne des DMCA angesehen werden können, denn ein echter Kopierschutz etwa wie bei Netflix oder Amazon kommt dort nicht zum Einsatz. Ob das Entwicklungsteam von Youtube-dl jedoch rechtlich gegen die RIAA oder auch Github vorgehen wird und welche Möglichkeiten es dazu überhaupt gibt, ist derzeit noch völlig unklar. Einer der Betreuer des Projekts im Python-Paketarchiv Pypi, der Google-Angestellte Filippo Valsorda, äußerte sich auf Twitter jedoch deutlich erkennbar wütend(öffnet im neuen Fenster).
Der von Youtube-dl zuletzt veröffentlichte Code findet sich zunächst weiter auf Pypi(öffnet im neuen Fenster) sowie in anderen Quellen, wie etwa Linux-Distributionen oder dem Homebrew-Projekt für MacOS. Fraglich ist jedoch, wie lange dieser Code noch trotz Veränderungen von Youtube und anderen Plattformen funktioniert. Auch ist derzeit nicht absehbar, ob das Projekt bei einem anderen Dienst oder von der Community selbst gehostet künftig weiter existiert.
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