Abo
  • IT-Karriere:

Urban Mining: Wie aus alten Platinen wieder Kupfer wird

Rohre, Kabel, Leiter: Kupfer ist vielseitig verwendbar und der Bedarf steigt ständig. Längst wird das Metall nicht mehr nur aus der Erde geholt, sondern auch aus Elektronikschrott recycelt. Wir haben uns beim Hamburger Unternehmen Aurubis angeschaut, wie das geht.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Video: Wie aus Schrott reines Kupfer wird (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Angenehm kühl ist es in dem Raum nach der Hitze zuvor. Hinter der großen Glaswand tobt weiter das Inferno: Ein grell leuchtender Strom kommt aus einer Wand und ergießt sich, flüssig wie Wasser, über eine Rinne in ein sich nach links und rechts wiegendes Becken, schwappt in ein nächstes, kleineres Becken und läuft dann in eine Form. Flammen in Weißgelb und Blaugrün flackern.

Inhalt:
  1. Urban Mining: Wie aus alten Platinen wieder Kupfer wird
  2. Die Abwärme wird genutzt
  3. Das Kupfer wird aufgelöst
  4. Der Schlamm enthält Silber, Gold und Platin

Golem.de-Videoredakteur Martin Wolf kommt herein. Er hat sich für Außenaufnahmen direkt an den glühenden Strom herangewagt. Zum Schutz trägt er einen Helm mit Visier und eine Schürze. 1.200 Grad heiß ist die Flüssigkeit, die aus dem Ofen kommt: geschmolzenes Kupfer, das in der Anodengießhalle der Hamburger Kupferhütte Aurubis zu rund 400 Kilogramm schweren Platten gegossen wird.

Das Kupfer, das hier glühend aus dem Ofen kommt, hat einem Reinheitsgrad von 99,5 Prozent. Es ist der vorletzte Verarbeitungsschritt, bevor das Metall den nötigen Reinheitsgrad hat, um daraus Rohre, Dachbeläge und natürlich Kabel und Leiter für Computer, Smartphones, Kameras und Chips herzustellen. Und genau daraus besteht auch dieses Kupfer: 30 bis 40 Prozent dessen, was aus dem Ofen kommt, ist Sekundärkupfer, also wiederverwendetes Material. Das wegzuwerfen, könne man sich heute nicht mehr erlauben, sagt Christian Plitzko, Leiter des Bereichs Recycling/Edelmetalle bei Aurubis, im Gespräch mit Golem.de. Die Umweltauflagen seien inzwischen so streng, dass es heute nicht mehr möglich sei, dieses und andere Metalle einfach auf die Deponie zu kippen. Außerdem seien sie viel zu wertvoll.

  • Platten und dicker Draht aus 99,99-prozentigem Kupfer, hergestellt vom Hamburger Unternehmen Aurubis. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Aurubis verarbeitet bei der Kupferherstellung unter anderem Elektronikschrott: ... (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... Platinen aus ausrangierten Rechnern ebenso ... (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... wie Produktionsabfälle. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Vor dem Einschmelzen werden die Platinen geschreddert. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Außerdem werden alle Sorten Kupferschrott verwertet, ... (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... aus dem Haushalt etwa ... (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... oder Stanzreste aus der Industrie. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Weiterer Rohstoff: Kupfergranulat ...  (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... aus geschreddertem Draht. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Der Schrott wird zu handlichen Paketen gepresst, bevor er ... (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... eingeschmolzen wird. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das 1.200 Grad heiße, flüssige Kupfer fließt ... (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... über mehrere Mulden in die Anodenform. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Die Anode hat einen Reinheitsgrad von 99,5 Prozent. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Die glühenden Anoden werden mit Wasser gekühlt. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Hinter der Brücke liegt die Anodengießhalle, rechts die Abgasreinigung. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Die Anoden kommen ins Elektrolysebad. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Zwischen zwei Anoden hängt eine Edelstahlplatte. Das Elektrolyt verfärbt sich durch gelöste Metalle. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • In 1.080 Bädern hängen jeweils 60 Kupferanoden. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das Endprodukt: Kathoden aus 99,99-prozentigem Kupfer. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Sieht nicht schön aus, ist aber wertvoll: Anodenschlamm am Grund einer Elektrolysewanne. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Rod mit einem 0,8 Zentimeter Durchmesser aus 99,99prozentigem Kupfer (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
Platten und dicker Draht aus 99,99-prozentigem Kupfer, hergestellt vom Hamburger Unternehmen Aurubis. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Aurubis, bis vor einigen Jahren Norddeutsche Affinerie oder kurz Affi, ist einer der größten Kupferproduzenten und der größte Kupferwiederverwerter weltweit. Auf dem riesigen Gelände im Hamburger Stadtteil Veddel verarbeitet das Unternehmen rund 1,1 Millionen Tonnen Kupferkonzentrat und 100.000 Tonnen Schrott im Jahr und macht daraus 500.000 Tonnen Kupferprodukte.

Stellenmarkt
  1. Karl Simon GmbH & Co. KG, Aichhalden
  2. Zech Management GmbH, Bremen

Das Konzentrat ist das, was aus den Minen kommt: Ein grauer Staub, der aus Minen in aller Welt per Schiff angeliefert wird. Das Gestein ist schon weg, das Material so weit konzentriert, dass es zu aus je 30 Prozent Kupfer, Eisen und Schwefel besteht. Der Rest umfasse "so ziemlich das gesamte Periodensystem der Elemente", erzählt Plitzko.

Das Recyclingmaterial ist eher regionaler Herkunft. Es kommt per Lkw und wird auf einem großen Hof abgeladen. Dort reihen sich meterhohe, rötliche Berge aus geschreddertem Draht, Haufen rotleuchtender Bänder und Drähte, die Reste von Metallplatten, aus denen Stecker und andere Komponenten für Elektronik ausgestanzt wurden, mannshohe amorphe Haufen aus Schrott, deren Farbe nicht vermuten lässt, dass es sich um Kupfer handelt. In einem liegt ein Teller mit kitschigem Muster aus Blumen und Vögeln. Auf der anderen Straßenseite stehen bereits säuberlich gepresste Pakete aus Rohren, aus Folien oder aus Draht.

Platinen werden geschreddert

Ein Stück weiter sammelt Aurubis in Dutzenden Metallbehältern die Überreste der digitalen Revolution: Die grünen Platinen aus Rechnern, Tablets, Smartphones, aller Gehäuse und Komponenten entledigt, im Ganzen oder bereits geschreddert.

Schrott und geschredderte Platinen kippt Aurubis zusammen mit einem Zwischenprodukt aus dem Konzentrat in einen Ofen, den Konverter. Das Konzentrat ist vorher in einem ersten Schritt im Schwebeschmelzofen auf einen Gehalt von rund 65 Prozent gebracht worden.

Die Abwärme wird genutzt 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 1,24€
  2. 4,99€
  3. 2,22€
  4. 2,99€

ffx2010 24. Okt 2018

Ja der Export von Müll sollte generell verboten werden, denn dahinter steckt nicht weiter...

körner 21. Okt 2018

Muss ich mich anschließen, toller Bericht und auch tolles Video!

Eheran 19. Okt 2018

Das ist der Lötstopplack (solder mask), der verhindert, dass das Lötzinn überall...

zenker_bln 19. Okt 2018

...Recyclingschrott wieder Kupfer wird: Man suche bei Google nach "Afrika...

xxsblack 19. Okt 2018

Habe selbst mal 1 Jahr in einem Recyclingunternehmen für Haushaltsgeräte gearbeitet. Bei...


Folgen Sie uns
       


AMD stellt Navi-Grafikkarten vor

Die neuen GPUs sollen deutlich effizienter und leistungsstärker sein und ab Juli 2019 verfügbar sein.

AMD stellt Navi-Grafikkarten vor Video aufrufen
Bandlaufwerke als Backupmedium: Wie ein bisschen Tetris spielen
Bandlaufwerke als Backupmedium
"Wie ein bisschen Tetris spielen"

Hinter all den modernen Computern rasseln im Keller heutzutage noch immer Bandlaufwerke vor sich hin - eine der ältesten digitalen Speichertechniken. Golem.de wollte wissen, wie das im modernen Rechenzentrum aussieht und hat das GFZ Potsdam besucht, das Tape für Backups nutzt.
Von Oliver Nickel


    Vernetztes Fahren: Wer hat uns verraten? Autodaten
    Vernetztes Fahren
    Wer hat uns verraten? Autodaten

    An den Daten vernetzter Autos sind viele Branchen und Firmen interessiert. Die Vorschläge zu Speicherung und Zugriff auf die Daten sind jedoch noch nebulös. Und könnten den Fahrzeughaltern große Probleme bereiten.
    Eine Analyse von Friedhelm Greis

    1. Neues Geschäftsfeld Huawei soll an autonomen Autos arbeiten
    2. Taxifahrzeug Volvo baut für Uber Basis eines autonomen Autos
    3. Autonomes Fahren Halter sollen bei Hackerangriffen auf Autos haften

    Elektromobilität: Wohin mit den vielen Akkus?
    Elektromobilität
    Wohin mit den vielen Akkus?

    Akkus sind die wichtigste Komponente von Elektroautos. Doch auch, wenn sie für die Autos nicht mehr geeignet sind, sind sie kein Fall für den Schredder. Hersteller wie Audi testen Möglichkeiten, sie weiterzuverwenden.
    Ein Bericht von Dirk Kunde

    1. Proterra Elektrobushersteller vermietet Akkus zur Absatzförderung
    2. Batterieherstellung Kampf um die Zelle
    3. US CPSC HP muss in den USA nochmals fast 80.000 Akkus zurückrufen

      •  /