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Die Abwärme wird genutzt

Der Konverter ist ein Ofen, der in der Längsachse gedreht werden kann. Zum Befüllen zeigt die Öffnung nach vorne, anschließend wird er so gedreht, dass die Öffnung nach oben gerichtet ist. Während des Drehens fangen Düsen an der Unterseite an, Luft einzublasen. So werden Schwefel und Eisen abgetrennt, die Kunststoffanteile der Platinen verbrennen.

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Praktisch: Die Wärme, die dabei freigesetzt wird, heizt die Schmelze weiter an. Das entweichende Schwefeldioxid wird aufgefangen und ebenfalls verwertet. In einer großen Anlage wird daraus hochprozentige Schwefelsäure gewonnen. Sie ist mengenmäßig das wichtigste Produkt der Hamburger. Die Abwärme nutzt Aurubis, um Prozessdampf zu erzeugen. Der wiederum wird eingesetzt, um Konzentrate und Rohstoffe zu trocknen, sowie dazu, über Turbinen Stromgeneratoren anzutreiben. Eine neues Projekt plant Aurubis mit dem Energieversorger Enercity: Das Unternehmen wird die Abwärme in das Fernwärmenetz der Stadt einspeisen und die Bewohner des nahegelegenen neuen Stadtteils Hafencity mit warmem Wasser versorgen.

"Closing the loop", nennt Plitzko das. Heißt: so wenig Arbeitsschritte wie möglich, so effizient wie möglich, so energieeffizient wie möglich, so wenig Abfall wie möglich. Schon nach dem ersten Verarbeitungsschritt, dem Schwebeschmelzofen, fällt das erste Produkt an: Die in diesem Prozess anfallende Schlacke wird als Wasserbausteine oder als Granulat vermarktet. Mit den dunklen, leicht glitzernden Steinen werden unter anderem die Ufer der Elbe befestigt. Das scharfkantige Granulat wird als Strahlmittel eingesetzt.

In dem Silikatgestein seien immer noch Wertstoffe drin, beispielsweise Metalle der seltenen Erden, sagt Plitzko, aber es lohne sich noch nicht, diese herauszuholen."Wir forschen aber auch da, ob wir an die darin enthaltenen Wertstoffe besser herankommen, ohne unsere Produktqualität zu gefährden", sagt der Chemiker.

Nur was übrig bleibt - wenige hundert Tonnen im Jahr auf 1,5 Millionen Tonnen produziertes Material - kommt zur Endlagerung in einen Salzstock. Das Wort Endlagerung mag Plitzko nicht. Tatsächlich treibt Plitzko ein geradezu sportlicher Ehrgeiz. Ist hier oder da noch etwas drin, das sich extrahieren lässt? Mit welchem Prozess würde das gehen? "Wir sind immer auf der Suche nach mehr rausholen, besser rausholen, weniger verlieren", sagt Plitzko. "Am Ende ist das Ziel, alle Wertmetalle aus dem Stoffstrom herauszuholen. Darauf sind die Prozesse ausgelegt."

Aurubis vermarktet auch Zwischenprodukte

Das kann ein eigenes Produkt, also Feinmetall mit einem Gehalt von 99,99 Prozent, sogenanntes Vier-Neuner-Metall, sein, aber auch ein Zwischenprodukt, das andere Unternehmen weiterverarbeiten. "Wir machen ja nicht alles zu Vier-Neuner-Metallen. Wir verkaufen zum Beispiel Roh-Nickelsulfat, wir verkaufen eine Wismut-Blei-Legierung an einen Spezialisten, der Wismut daraus macht, wir verkaufen eine Antimon-Blei-Mischung an einen Antimon-Spezialisten, der Antimon daraus macht, und so machen wir eigentlich alle Wertmetalle, die hereinkommen, wieder zu verwertbaren Produkten oder Zwischenprodukten, so dass Abfall kaum anfällt."

  • Platten und dicker Draht aus 99,99-prozentigem Kupfer, hergestellt vom Hamburger Unternehmen Aurubis. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Aurubis verarbeitet bei der Kupferherstellung unter anderem Elektronikschrott: ... (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... Platinen aus ausrangierten Rechnern ebenso ... (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... wie Produktionsabfälle. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Vor dem Einschmelzen werden die Platinen geschreddert. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Außerdem werden alle Sorten Kupferschrott verwertet, ... (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... aus dem Haushalt etwa ... (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... oder Stanzreste aus der Industrie. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Weiterer Rohstoff: Kupfergranulat ...  (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... aus geschreddertem Draht. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Der Schrott wird zu handlichen Paketen gepresst, bevor er ... (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... eingeschmolzen wird. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das 1.200 Grad heiße, flüssige Kupfer fließt ... (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... über mehrere Mulden in die Anodenform. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Die Anode hat einen Reinheitsgrad von 99,5 Prozent. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Die glühenden Anoden werden mit Wasser gekühlt. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Hinter der Brücke liegt die Anodengießhalle, rechts die Abgasreinigung. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Die Anoden kommen ins Elektrolysebad. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Zwischen zwei Anoden hängt eine Edelstahlplatte. Das Elektrolyt verfärbt sich durch gelöste Metalle. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • In 1.080 Bädern hängen jeweils 60 Kupferanoden. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das Endprodukt: Kathoden aus 99,99-prozentigem Kupfer. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Sieht nicht schön aus, ist aber wertvoll: Anodenschlamm am Grund einer Elektrolysewanne. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Rod mit einem 0,8 Zentimeter Durchmesser aus 99,99prozentigem Kupfer (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
Der Schrott wird zu handlichen Paketen gepresst, bevor er ... (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Wichtig: Das alles muss sich lohnen. "Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen und wir gucken ausschließlich auf Attraktivität", sagt Plitzko. Sprich: Was am Ende der Prozesse herauskommt, muss Profit bringen. "Wenn es nicht attraktiv wäre, würden wir es nicht tun." Es ist aber attraktiv: Der Gewinn von Aurubis lag 2016/17 bei knapp 300 Millionen Euro.

Als der Preis stieg, wurde Tellur wieder attraktiv

Was Profit bringt, ändert sich jedoch. Und so kann manches, was schon in den Salzstock gewandert ist, plötzlich wieder attraktiv werden. "Wir haben mal eine Phase gehabt, da war Tellur nichts mehr wert, weil mehr im Markt war, als gebraucht wurde. Das war, bevor Kadmium-Tellurid-Solarzellen und Wismut-Tellurid für elektrotechnische Anwendungen kamen", erzählt Plitzko. Also wurden Abfälle, die immerhin noch 10 bis 15 Prozent des Halbmetalls enthielten, in eine Untertagedeponie gefahren. Einige Jahre später wurde Tellur teuer - "und das im Salzstock gelagerte Material richtig lukrativ". Also ließ Aurubis es wieder herausholen, bereitete es auf und verkaufte das Tellur.

Heute gehen Recycler sogar dazu über, alte Mülldeponien wieder aufzugraben. Das Material wird verbrannt, die Asche und Schlacke gesammelt, um an die Wertstoffe zu gelangen. Auch Klärschlämme werden inzwischen verbrannt. Als nächstes ist möglicherweise der Straßenstaub dran: Autokatalysatoren haben Platinabrieb, der sich darin anreichert. "Wenn man den verbrennt und die ganze Organik erst einmal weg ist, bleibt ja nicht viel. Dann fängt es an sich zu lohnen, nach Metallen darin zu suchen", sagt Plitzko. Mit einem effizienten Prozess lässt sich damit sicher gutes Geld verdienen.

Unterdessen ist der Anodenguss abgeschlossen.

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ffx2010 24. Okt 2018

Ja der Export von Müll sollte generell verboten werden, denn dahinter steckt nicht weiter...

körner 21. Okt 2018

Muss ich mich anschließen, toller Bericht und auch tolles Video!

Eheran 19. Okt 2018

Das ist der Lötstopplack (solder mask), der verhindert, dass das Lötzinn überall...

zenker_bln 19. Okt 2018

...Recyclingschrott wieder Kupfer wird: Man suche bei Google nach "Afrika...

xxsblack 19. Okt 2018

Habe selbst mal 1 Jahr in einem Recyclingunternehmen für Haushaltsgeräte gearbeitet. Bei...


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