Upbus: Ein E-Bus, der fährt und schwebt

Neue Lösung für den städtischen Verkehr: Ein autonomer Bus rollt abwechselnd über die Straße oder ist als Seilbahn unterwegs. Eine Kupplung, entwickelt für Satelliten, macht den schnellen Wechsel möglich.

Ein Bericht von Wolfgang Kempkens veröffentlicht am
Upbus: Seilbahnen sind das sicherste Verkehrsmittel.
Upbus: Seilbahnen sind das sicherste Verkehrsmittel. (Bild: RWTH)

Um von einem Ort zum anderen zu kommen, nutzen die meisten Menschen immer noch das eigene Auto. Gerade in Städten ist das oft ein Problem: verstopfte Straßen, Staus, schlechte Luft. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es zwar einige, der so genannte motorisierte Individualverkehr macht aber immer noch den größten Teil des Personentransports aus. Um Städte von dieser Art des Individualverkehrs zu entlasten, könnte man mehr U-Bahnen oder Straßenbahnen bauen. Erstere sind aber extrem teuer und für Letztere fehlt oft der Platz, vor allem in historischen Innenstädten wie der von Aachen. Dort, in Deutschlands westlichster Großstadt, ist nun eine Idee entstanden, die das Problem lösen könnte: eine Kombination aus autonom fahrendem Elektrobus und einer Seilbahn.

Stellenmarkt
  1. Digital Consultant (m/w/d)
    ORBIT Gesellschaft für Applikations- und Informationssysteme mbH, Bonn
  2. SAP Inhouse Consultant (m/w/d) mit Schwerpunkt Logistik Module
    Covivio Immobilien GmbH, Oberhausen
Detailsuche

35 Fahrgäste sollen in das Gefährt passen, das sich Professor Kai-Uwe Schröder und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Tobias Meinert ausgedacht haben. Beide arbeiten am Institut für Strukturmechanik und Leichtbau (SLA) der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. In der dortigen Werkstatt entstand ein verkleinertes Holzmodell, das auf Messen wie der Internationalen Automobilausstellung im September in Frankfurt am Main präsentiert werden soll.

Wechsel von der Straße zum Seil ohne Stopp

Eine Fahrstrecke könnte zum Beispiel so aussehen: Die Fahrgäste steigen an Aachens Hauptbahnhof in den Bus. Der bringt sie zur 500 Meter entfernten Seilbahnstation. In die rollt das Fahrzeug langsam hinein und fährt eine Kupplung aus, die im Dach versteckt ist. Das Gegenstück befindet sich am Drahtseil der Bahn. Die Geschwindigkeit wird synchronisiert und die Kupplungsteile vereinigen sich. Nach wenigen Metern schwebt der Bus seinem Ziel entgegen. Das Fahrgestell samt Batterien bleibt in der Seilbahnstation zurück, um aufgeladen zu werden.

  • Der Upbus soll das urbane Verkehrsmittel der Zukunft sein. (Bild: RWTH)
  • Seilbahnen gelten als sehr sicher. (Bild: RWTH)
  • Der Upbus ist eine Kombination aus Bus und Seilbahn.   (Bild: RWTH)
  • Die Kopplung erfolgt mit Hilfe von Satellitentechnik. (Bild: RWTH)
  • Eine erste Teststrecke soll 2023 fertig sein. (Bild: RWTH)
Der Upbus soll das urbane Verkehrsmittel der Zukunft sein. (Bild: RWTH)

Am Ziel angekommen wird der Bus auf ein neues Fahrgestell gesetzt und vom Seil abgekoppelt. Den Rest des Weges legt er auf der Straße zurück, "am besten auf einer eigenen Spur", sagt Meinert im Gespräch mit Golem.de. Die Kombination von Bus und Seilbahn ist nötig, um sehenswerte Innenstädte nicht zu verschandeln. "Man kann die Seilbahn doch nicht am Dom oder am gotischen Rathaus der Stadt Aachen vorbeiführen", sagt Meinert. Die Seilbahn soll zentrale Punkte, etwa große Vororte oder Nachbargemeinden, ansteuern. Die Feinverteilung findet auf der Straße statt.

Golem Akademie
  1. Penetration Testing Fundamentals: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    17.–18. Januar 2022, Virtuell
  2. Scrum Product Owner: Vorbereitung auf den PSPO I (Scrum.org): virtueller Zwei-Tage-Workshop
    3.–4. März 2022, virtuell
Weitere IT-Trainings

"Seilbahnen sind das mit Abstand sicherste Verkehrsmittel", erklärt Schröder. Zudem seien die Investitionskosten vergleichsweise gering und das System könne flott erweitert werden. "Tragmasten sind schnell aufgestellt."

Der Upbus, wie die Forscher ihr Konzept nennen, soll im 30-Sekunden-Takt verkehren. Dann hat er eine Kapazität von 4.000 bis 6.000 Personen pro Stunde und Richtung. Als Bus käme eine vergrößerte Version des e.Go Mover in Frage, der von einem Spin-off der Hochschule entwickelt wurde. Doch so konkret ist die Planung noch nicht. Seilbahnen, auch horizontal verkehrende, werden von Unternehmen wie Leitner in Italien und Doppelmayr in Österreich hergestellt. Da müsste also nichts neu entwickelt werden.

iBoss für kleine würfelförmige Satelliten

Die Idee für den Upbus kommt aus einem anderen Projekt: iBoss ist eine Kupplung für Satelliten, die von mehreren deutschen Instituten, darunter das SLA, entwickelt wurde. Sie ist rund und so dick wie ein Essteller. Sie überträgt Lasten, Strom, Daten und Wärme, und soll würfelförmige Kleinsatelliten im Weltraum sekundenschnell miteinander verbinden. Jeder der Satelliten hat in der Regel nur eine einzige Aufgabe, etwa spezielle Bilder von der Erdoberfläche aufzunehmen. Gemeinsam vereinen sie in sich alle Funktionen von manchmal tonnenschweren Satelliten.

Der Vorteil des modularen Aufbaus: Wenn einer der Würfel auf seiner Reise um die Erde ausfällt, lässt er sich durch einen anderen ersetzen. "Wenn eine Komponente eines heutigen komplexen Satelliten ausfällt, ist möglicherweise das gesamte Gerät funktionsuntüchtig", sagt Meinert. Dann sind schnell ein paar 100 Millionen Euro futsch.

"Wir haben überlegt, wie man die Kupplung auf der Erde nutzen könnte", sagt Meinert. "So kamen wir auf den Upbus." Bis 2023 soll eine Teststrecke aufgebaut werden, auf welcher der Upbus verkehrt und tatsächlich Fahrgäste befördert.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


M.P. 25. Jul 2019

1) Durch die Option des Verwandlung in einen autonomen Bus muss das Netz der "Seilbahn...

violator 25. Jul 2019

Vor über 100 Jahren haben sich die Menschen sogar fliegende Autos vorgestellt, von...

M.P. 24. Jul 2019

Beim Verfall der Sitten werden ggfs demnächst auch wieder Liftboys nötig, weil sonst die...

ChMu 24. Jul 2019

Ehm, es geht um eine Idee, ein Koncept welches vorgeschlagen wurde. Nichts ist hier real...

Oh je 24. Jul 2019

autonomer Bus. Die sind bislang doch alle Fake. Ausnahmen möge man belegen.



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Wemax Go Pro
Mini-Projektor für Reisen strahlt 120-Zoll-Bild an die Wand

Der Wemax Go Pro setzt auf Lasertechnik von Xiaomi. Der Beamer ist klein und kompakt, soll aber ein großes Bild an die Wand strahlen können.

Wemax Go Pro: Mini-Projektor für Reisen strahlt 120-Zoll-Bild an die Wand
Artikel
  1. Snapdragon 8cx Gen 3: Geleaktes Qualcomm-SoC erreicht das Niveau von AMD und Intel
    Snapdragon 8cx Gen 3
    Geleaktes Qualcomm-SoC erreicht das Niveau von AMD und Intel

    In Geekbench wurde der Qualcomm Snapdragon 8cx Gen 3 gesichtet. Er kann sich mit Intel- und AMD-CPUs messen, mit Apples M1 aber wohl nicht.

  2. Giga Factory Berlin: Warum Tesla auf über eine Milliarde Euro verzichten musste
    Giga Factory Berlin
    Warum Tesla auf über eine Milliarde Euro verzichten musste

    Tesla kann die Milliarde Euro Förderung für die Akkufabrik Grünheide nicht beantragen - der angebliche Verzicht ist nicht freiwillig.

  3. MS Satoshi: Die abstruse Geschichte des Bitcoin-Kreuzfahrtschiffs
    MS Satoshi
    Die abstruse Geschichte des Bitcoin-Kreuzfahrtschiffs

    Kryptogeld-Enthusiasten kauften ein Kreuzfahrtschiff und wollten es zum schwimmenden Freiheitsparadies machen. Allerdings scheiterten sie an jeder einzelnen Stelle.
    Von Elke Wittich

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Black Friday Wochenende • WD Blue SN550 2 TB ab 149€ • LG UltraGear 34GP950G-B 999€ • SanDisk Ultra 3D 500 GB M.2 44€ • Boxsets (u. a. Game of Thrones Blu-ray 79,97€) • Samsung Galaxy S21 128GB 777€ • Premium-Laptops • Cooler Master V850 Platinum 189,90€ • Astro Gaming Headsets [Werbung]
    •  /