Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Unternehmensgründer: Tech-Bros ohne Riesen-Ego und zweifelhaftes Weltbild

"TechBros" sind zum Synonym für Ego-getriebene Unternehmer mit zweifelhaftem Weltbild geworden. Wir zeigen Gegenbeispiele.
/ Elke Wittich
22 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Peter Vesterbacka bei der Vorstellung seines Unterwassertunnelprojekts (Bild: Vesa Moilanen/AFP via Getty Images))
Peter Vesterbacka bei der Vorstellung seines Unterwassertunnelprojekts Bild: Vesa Moilanen/AFP via Getty Images)

Erfolgreiche Männer wie Elon Musk und Peter Thiel prägen die öffentliche Wahrnehmung der sogenannten Tech-Bros. Dass es sich bei der Gattung der durch technische Innovationen reich Gewordenen streng genommen nur um Unternehmer handelt und exzentrische Selbstdarstellerei und politische Fragwürdigkeit nicht zwingend zum Dasein erfolgreicher Tech-Unternehmer dazugehören, ging in letzter Zeit ziemlich unter.

Dabei lohnt ein Blick auf andere Tech-Bros, die einfach nur Menschen mit guten (oder auch nicht ganz so guten) Ideen sind. Und die die Welt zwar auch nach ihren Vorstellungen verändern möchten, aber möglichst nicht nur zum eigenen Wohl.

In einigen Fällen klappt das, in anderen nicht, wie diese drei Beispiele zeigen.

Peder Nærbø – Rechenzentren, Glasfaserkabel und Erdbeeren

Peder Nærbø hat nicht einmal in seinem Heimatland einen eigenen Wikipedia-Eintrag, dabei gehört er seit 2021 offiziell zu den 400 reichsten Norwegern. Allerdings werden seine Ideen und Projekte vor allem in Wirtschaftspublikationen immer wieder vorgestellt und diskutiert.

Sie zielen schließlich darauf ab, Norwegen zum Premium-Standort für Datenspeicherung und Rechenzentren auch für internationale Tech-Konzerne und Cloudanbieter zu machen. Genauer: Zu einem nachhaltigen Standort, denn das skandinavische Land schafft eine fast kohlenstofffreie Energieproduktion. 90,3 Prozent des produzierten Stroms wird aus Wasserkraft gewonnen, Windkraft macht 8,5 Prozent aus, Gas 0,7 Prozent(öffnet im neuen Fenster).

Bisher gelten Rechenzentren als Energiefresser, deren Strombedarf durch Cloud Computing und den KI-Boom in den letzten Jahren zudem rasant angestiegen ist. In Irland verbraucht die Branche 18 Prozent des Stroms, in den USA stammten 55 Prozent des Stroms für Rechenzentren aus fossilen Energien.

"Energie-Hubs" für andere Sektoren

Bis 2030 könnte sich der Energiebedarf von Rechenzentren verdoppeln, prognostizierte die Internationale Energieagentur im Juli letzten Jahres(öffnet im neuen Fenster). 137 der dann benötigten 945 Terawattstunden würden allein für die Kühlung benötigt.

Peder Nærbø möchte mit seinem innovativen Konzept große Rechenzentren zu "Energie-Hubs" machen, die als industrielle Herzstücke für andere Sektoren dienen. Die von Rechenzentren abgegebene Wärme sei, so erklärt er gern, zwar mit ungefähr 36 Grad "niedriggradig", aber beispielsweise für sogenannte vertikale Landwirtschaft oder Fischzuchtbetriebe in den besonders im Winter kalten Nordregionen perfekt.

Vertikaler Anbau hat den Vorteil, dass er nicht viel Platz und außerdem weniger Wasser benötigt als die klassischen Gewächshäuser. Diese Methode ist für Pflanzen geeignet, die schnell wachsen und nicht viel Platz beanspruchen, gleichzeitig aber Wärme benötigen wie manche Salatsorten, diverse Kräuter plus Kletterpflanzen. Und Erdbeeren, die gut in Hängesystemen gedeihen.

''Avocados aus Norwegen? Warum nicht?''

"Avocados aus Norwegen? Warum nicht?", lautete entsprechend ein Slogan, mit dem Nærbø für seine Idee warb. Umweltfreundliche, regional autarke Nahrungsmittelproduktion statt Transporte per Flugzeug, Schiff oder Lkw könnten zudem zu günstigeren Preisen für die Verbraucher führen.

Rechenzentren nach Norwegen zu verlegen, soll aber nicht nur für Unternehmen interessant sein, die ihren ökologischen Fußbabdruck verbessern möchten. Nærbø sieht auch in der politischen Stabilität Skandinaviens einen großen Pluspunkt, der bislang noch viel zu wenig vermarktet werde. Auf dem von Transparency International seit 1995 jährlich erstellten Corruption Perceptions Index rangiert Norwegen außerdem regelmäßig unter den zehn besten Ländern(öffnet im neuen Fenster), wozu auch eine transparente Verwaltung beiträgt.

Peder Nærbøs Maxime, dass Energie dort genutzt werden sollte, wo sie erzeugt wird, hat auch mit einer strompolitischen Besonderheit in Norwegen zu tun: Das Stromnetz ist in verschiedene Preiszonen unterteilt, wobei es kaum Kapazitäten für den Transport des Stromüberschusses aus dem Norden, wo die niedrigsten Strompreise gelten, in den Süden gibt.

Daten dahin schicken, wo die Abnehmer sind

Überlandleitungen längs durch das 1.800 Kilometer große Land zu bauen, ist keine Option, zumal dann bislang unberührte Naturgebiete beeinträchtigt würden. Und so kam Peder Nærbø auf die Idee, den exportierten Strom viel gewinnbringender einzusetzen.

Und zwar dadurch, dass Rechenzentren im Norden errichtet und die Daten per Glasfaserkabel nach Süden geschickt werden. Was man sich ungefähr so vorstellen kann: Wenn es im Norden große Apfelanbaugebiete gäbe, aber keine Abnehmer für Apfelprodukte, wäre es clever, dort auch eine Saftfabrik zu bauen und das fertige Produkt per Leitung nach Süden zu schicken, wo sich die Leute nach Apfelsaft verzehren. So ist das auch mit den Daten: Statt Strom werden die Daten durch Glasfaserkabel dorthin geschickt, wo die Abnehmer sitzen.

Wo die Server stehen, ist schließlich unerheblich, solange die Ergebnisse von KI-Berechnungen oder Backups durch moderne Glasfaserkabel weitergeleitet werden. Peder Nærbø ließ über sein Unternehmen Bulk Fiber Network außerdem neue Glasfaser-Seekabel verlegen: Havfrue, auf Deutsch: Meerjungfrau, ist ein 8.400 Kilometer langes transatlantisches System, das New Jersey direkt mit Kopenhagen verbindet.

Der Sandaal verbindet

Abzweigungen führen nach Irland und ins norwegische Kristiansand, wo der NO1-Campus errichtet wurde. Havsil, auf Deutsch: Sandaal, heißt das Hochkapazitätskabel, das als kürzeste Verbindung zwischen Kristiansand und dem europäischen Festland konzipiert wurde. Es dient mittlerweile als Hauptroute für den internationalen Datenverkehr Norwegens. Havhingsten, benannt nach dem größten erhaltenen Wikingerschiff, verbindet Dänemark mit England und Irland(öffnet im neuen Fenster).

Leif Erikson heißt die direkte Glasfaserverbindung zwischen Norwegen und Kanada, die an beiden Endpunkten komplett mit erneuerbaren Energien betrieben wird. Skagerrak 4 ist eine Redundanz zum Havsil-Kabel und verläuft zwischen dem NO1-Campus und der Nordspitze Dänemarks. Dieser NO1-Campus ist das Flagship Project von Bulk Infrastructure.

Auf einem 300 Hektar großen Gelände liegt dieser auf rechenintensive Prozesse spezialisierte Standort gleich neben einem Umspannwerk, das einer der größten Knotenpunkte für erneuerbare Energien in Europa ist. Langfristig auf eine Kapazität von einem Gigawatt ausbaubar, werden die Server komplett mit Wasserkraftenergie betrieben. Mit der Abwärme werden unter anderem vertikale Nahrungsmittelproduktionen und die Trocknung von Brennholz ermöglicht.

Auch Martin Hetzner zieht es nicht in die Öffentlichkeit. Obwohl das von ihm 1997 gegründete Unternehmen Hetzner Online heute zu den wichtigsten europäischen Betreibern von Service- und Rechenzentrumsinfrastruktur gehört, sucht man vergebens nach Informationen über den Privatmann. Interviews von Hetzner in Lifestyle-Magazinen oder gar ausgedehnte Selbstdarstellungen auf Social Media, wie bei anderen Tech-Bros üblich, gibt es nicht, auch der Instagram-Account des Unternehmens Hetzner Online betreibt keinen Personenkult um seinen Gründer, sondern beschränkt sich auf Fakten und Ankündigungen.

Dazu passt, dass Hetzner mit zunehmendem Erfolg nicht etwa zu einer glamourösen Geschäftsadresse wechselte, sondern dort blieb, wo alles anfing: in Gunzenhausen, einer mittelfränkischen Kleinstadt mit rund 17.000 Einwohnern, die Partnerschaften mit den Orten Frankenmuth (USA), Isle (Frankreich) und nun auch mit Kfar Vradim (Israel) unterhält.

Die Entwicklung von Hetzner Online verlief zudem nicht so, wie man es von Start-ups der Branche hinreichend kennt – es gab keine spektakulären, groß angekündigten Geschäftsmodelle und schon gar kein schnelles Wachstum. Aufgebaut wurde Hetzner Online dazu ohne externes Venture Capital, also Wagniskapital.

Plattformen für Unternehmensfinanzierung wie Tracxn zufolge fällt Hetzner Online außerdem in die Kategorie "unfounded", das heißt, in Datenbanken, die jede Finanzierungsrunde erfassen, existiert kein entsprechender Eintrag(öffnet im neuen Fenster). Entsprechend langsam verlief die Entwicklung vom kleinen Hosting-Anbieter zum international anerkannten Global Player, der Rechenzentren unter anderem in Nürnberg, Falkenstein und im finnischen Helsinki betreibt.

2,2 Prozent aller weltweiten Websites werden bei Hetzner gehostet(öffnet im neuen Fenster), im Bereich der dedizierten Server erreicht das Unternehmen sogar einen Markanteil von 22 Prozent unter den Top-Millions-Webseiten.

Warum die Gunzenhauser so beliebt sind, hat mit der Firmenstruktur zu tun: Ohne externe Investoren müssen keine Gewinne ausgeschüttet werden, dazu entwickelt man eigene Server-Racks und Gehäuse-Designs, um optimale Packungsdichte und damit Effizienz zu erreichen.

Indirekte freie Kühlung

Wartungs- und Ersatzteilkosten werden außerdem dadurch so gering wie möglich gehalten, dass nur wenige, hochprofessionelle Hardwarelinien angeboten werden. Ältere Hardwaregenerationen werden außerdem nicht kostenpflichtig entsorgt, sondern durch eine "Serverbörse" weitervermietet.

Dazu kommt eine eigene Rechenzentrumsarchitektur, die Betriebskosten durch indirekte freie Kühlung minimieren soll. Umweltfreundlichkeit gehört schließlich zu den Prinzipien von Hetzner, das in Deutschland und Finnland nach eigenen Angaben ausschließlich erneuerbare Energien für seine Standorte nutzt.

Die erwähnte indirekte Kühlung besteht in der Außenluft, die meistens statt Klimaanlagen genutzt werden kann; speziell designte Gehäuse sollen für optimale Verteilung der Luftströme sorgen. 2025 wurde außerdem die HAT clean energy GmbH gegründet, damit möchte Hetzner verstärkt auf selbst erzeugten Solarstrom setzen.

Selbst erzeugter Solarstrom

Auch unterstützt Hetzner lokale Projekte: Im kulturellen Bereich war das zum Beispiel ein Vortrag der 2021 im Alter von 96 Jahren verstorbenen Holocaust-Überlebenden Ester Bejanero in Gunzenhausen. Ebenso sponsert man das alle zwei Jahre auf einem Stoppelacker im benachbarten Sammenheim stattfindende Open Air Samma rockt mit. Lokale Sportvereine und Bildungseinrichtungen werden ebenfalls gefördert.

Eine Besonderheit ist das Mitarbeiterspendenprogramm, 800 Euro stehen jährlich als Spendensumme für jeden Mitarbeiter zur Verfügung. 15 Beschäftigte beteiligten sich beispielsweise an der Renovierung einer Kita im Vogtland(öffnet im neuen Fenster).

Peter Vesterbacka – von wütenden Vögeln zu Bildungscamps und einem Meerestunnel

Den berühmten roten Kapuzenpulli mit dem Logo des von ihm mitentwickelten Erfolgsgames Angry Bird trägt Peter Vesterbacka immer noch – was vor allem daran liegen dürfte, dass er mittlerweile sein Markenzeichen geworden ist. Im Juni 2016 hatte der heute 57-Jährige nach zehn Jahren das Spieleunternehmen Rovio Entertainment verlassen, wo sein Jobtitel offiziell "Mighty Eagle" lautete.

Vesterbacka wollte eigene Start-up-Ideen verwirklichen. Das war abzusehen, denn der Finnlandschwede gründete bereits 2008 in Helsinki eine Start-up- und Technologie-Konferenz namens Slush mit, die vom lokalen Treffen von jungen Unternehmern und Investoren zum internationalen Mega-Event mit Ablegern in unter anderem Japan, China und Deutschland wurde.

Seither sind es vor allem zwei Ideen, die Vesterbacka antreibt – beide werden in Finnland allerdings kritisch gesehen. Während Vesterbackas Vorstellungen von einem modernen Bildungssystem, in dem Spaß und Technik eine zentrale Rolle spielen sollten, um Kinder zum Lernen zu motivieren, durchaus einen Nerv treffen, sind seine Folgerungen daraus aber umstritten.

In einem Interview mit Radio Suomen erklärte Vesterbacka im November 2014, dass Finnlands Ruf als vorbildliches Bildungsland wirtschaftliche Chancen eröffnen könnte. Bildung sei schließlich nach "Lebensmitteln der zweitgrößte Markt der Welt", entsprechende Konzepte könnten zu Exportschlagern werden(öffnet im neuen Fenster).

Finnland als "Silicon Valley der Bildung", wie er es einmal nannte, hat in der Tat ein in Teilen bemerkenswertes Schulsystem. In den Vor- und Einheitsschulen herrscht Lernmittelfreiheit, das heißt, die benötigten Schulbücher werden kostenlos abgegeben. Außerdem müssen das tägliche Mittagessen sowie weitere benötigte Unterrichtsmaterialien nicht bezahlt werden.

Erst ab der 5. Klasse werden Leistungen benotet, ab der neunten müssen Lehrer zusätzlich schriftliche Beurteilungen abgeben. Als nach der ersten Pisa-Erhebung im Jahr 2000 Finnland weltweit als Bildungswunderland bestaunt wurde, wurde kaum beachtet, dass die Ergebnisse nicht durchgängig spitze waren.

Lern-App zum Urknall

Mädchen waren Jungen beispielsweise im Fach Lesen um fast ein ganzes Schuljahr voraus, was unter anderem auch daran lag, dass Jungs Schule langweilig und unwichtig fanden. Kritiker bemängelten außerdem, dass das Konzept, niemanden zurückzulassen, dazu führte, dass besonders begabte Kinder und Jugendliche kaum individuelle Förderung erlebten. Außerdem waren die Schüler Umfragen zufolge unzufrieden mit den Schulen, die als düstere, spaßlose und autoritäre Orte erlebt wurden.

Vesterbackas Idee, das Lernen zu revolutionieren, erschöpfte sich zunächst allerdings nur in der Entwicklung einer allerdings hochgelobten Lern-App zum Thema Urknall und Elemente mit spielerischem Ansatz. Zahlreiche Prominente, darunter auch Vesterbacka, sprachen die im Game vorkommenden Charaktere, entsprechend groß waren die Erwartungen in Finnland an das mit großem Marketingaufwand gestartete Spiel.

Aus den großen Plänen, wie bei den Angry Birds zahlreiche Begleitprodukte auf den Markt zu bringen, wurde jedoch nichts. Rund ein Jahr nach der Veröffentlichung wurde die weitere Entwicklung von Big Bang Legends wegen Qualitätsmängeln eingestellt.

Kritik an Anwerbe-Initiative

Vesterbacka gründete 2020 dann das Unternehmen Finest Future, das es sich zum Ziel setzte, den Fachkräftemangel in Finnland durch die gezielte Anwerbung junger Menschen zu mildern, die in Finnland zur Schule gehen und anschließend ein Studium oder eine Ausbildung beginnen sollten.

Dafür wurde gezielt in Vietnam, China und diversen anderen Ländern junge Menschen geworben, die zunächst daheim ein Jahr lang Finnisch lernen sollen. Bildungsexperten kritisierten die Idee von Anfang an. Die finnischen Steuerzahler müssten praktisch die Kosten für die Ausbildung der Kunden von Finest Future übernehmen, während das Unternehmen gut an unter anderem Sprachlernkursen verdiene.

Umgerechnet rund 14.000 Euro kosten die Onlinekurse beispielsweise jährlich, Präsenzkurse in den Heimatländern der Schule sind dagegen mit fast 3.500 Euro weit teurer. Außerdem sind die Schüler und Schülerinnen erst 16 Jahre alt, wenn sie im Erfolgsfall nach Finnland übersiedeln, wo sie allein und ohne Betreuung in Wohnheimen, als WGs in kommunalen Wohnungen oder seltener in Gastfamilien untergebracht sind.

Zusammenarbeit mit zwielichtigen Vermittlern

Im Juni 2025 wurde zudem bekannt, dass Finest Future in China mit zwielichtigen Vermittlern zusammenarbeitete, die von interessierten Eltern hohe Gebühren verlangten(öffnet im neuen Fenster). Das Unternehmen reagierte schnell und trennte sich von diesen Agenturen und Vermittlern.

Auch eine weitere Idee von Vesterbacka wird in Finnland eher kritisch betrachtet. Um sie zu promoten, hatte sich der 2011 vom Time Magazine auf die Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt gewählte Unternehmer sogar einen neuen Kapuzenpulli zugelegt: Rechts und links auf der Brust stehen die Schriftzüge Fin und Est, die das Tunnelprojekt zwischen Helsinki und Tallinn symbolisieren sollen.

Im Mai 2016 offiziell vorgestellt, sollen zwei parallele Tunnelröhren die beiden Städte verbinden. Mit einer Gesamtlänge von 103 Kilometern würde der längste Unterwassertunnel der Welt entstehen. Hochgeschwindigkeitszüge sollen dafür sorgen, dass die Fahrzeit nur 20 Minuten beträgt, bislang brauchen Fähren für die Strecke zwei Stunden.

Unterirdisch in 20 Minuten von Helsinki nach Tallinn

Eigens errichtete künstliche Inseln in der Ostsee sind für die Belüftung des Tunnels vorgesehen, dort soll außerdem Wohnraum für rund 50.000 Menschen entstehen. Die für das Projekt gegründete Entwicklungsgesellschaft Fineast Bay Area Development hatte ursprünglich angekündigt, den Tunnel zu Weinachten 2024 eröffnen zu wollen, bislang fehlen allerdings die Genehmigungen für den Bau.

Finanziers hatte Vesterbacka dagegen schon 2019 gefunden, maßgeblich wollte sich das chinesische Unternehmen Touchstone Capital Partners beteiligen. Estland hat jedoch ein Veto gegen den Kapitalgeber eingelegt, vor allem das Wirtschaftsministerium hat Sicherheitsbedenken, da China mit Russland verbündet ist und man kritische Infrastruktur vor dessen Einfluss schützen möchte.

Auf der finnischen Seite reagiert man dagegen bislang zurückhaltender, betont aber, dass ein solches Projekt nur mit Zustimmung der EU realisiert werden könne. Allerdings existiert mit Finest Link bereits ein staatliches Projekt, das einige Monate vor Vesterbackas Ankündigung im Januar 2016 getartet war. Es soll zu 40 Prozent aus EU-Mitteln finanziert und 2040 fertig werden.

Das sind nur drei Beispiele von vielen, sie zeigen aber, wie unterschiedlich es in der Welt der erfolgreichen Tech-Entrepreneure zugeht. Und vielleicht gibt es demnächst hier auch eine Übersicht über coole Tech-Sistas.


Relevante Themen