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''Avocados aus Norwegen? Warum nicht?''

"Avocados aus Norwegen? Warum nicht?" , lautete entsprechend ein Slogan, mit dem Nærbø für seine Idee warb. Umweltfreundliche, regional autarke Nahrungsmittelproduktion statt Transporte per Flugzeug, Schiff oder Lkw könnten zudem zu günstigeren Preisen für die Verbraucher führen.

Rechenzentren nach Norwegen zu verlegen, soll aber nicht nur für Unternehmen interessant sein, die ihren ökologischen Fußbabdruck verbessern möchten. Nærbø sieht auch in der politischen Stabilität Skandinaviens einen großen Pluspunkt, der bislang noch viel zu wenig vermarktet werde. Auf dem von Transparency International seit 1995 jährlich erstellten Corruption Perceptions Index rangiert Norwegen außerdem regelmäßig unter den zehn besten Ländern(öffnet im neuen Fenster) , wozu auch eine transparente Verwaltung beiträgt.

Peder Nærbøs Maxime, dass Energie dort genutzt werden sollte, wo sie erzeugt wird, hat auch mit einer strompolitischen Besonderheit in Norwegen zu tun: Das Stromnetz ist in verschiedene Preiszonen unterteilt, wobei es kaum Kapazitäten für den Transport des Stromüberschusses aus dem Norden, wo die niedrigsten Strompreise gelten, in den Süden gibt.

Daten dahin schicken, wo die Abnehmer sind

Überlandleitungen längs durch das 1.800 Kilometer große Land zu bauen, ist keine Option, zumal dann bislang unberührte Naturgebiete beeinträchtigt würden. Und so kam Peder Nærbø auf die Idee, den exportierten Strom viel gewinnbringender einzusetzen.

Und zwar dadurch, dass Rechenzentren im Norden errichtet und die Daten per Glasfaserkabel nach Süden geschickt werden. Was man sich ungefähr so vorstellen kann: Wenn es im Norden große Apfelanbaugebiete gäbe, aber keine Abnehmer für Apfelprodukte, wäre es clever, dort auch eine Saftfabrik zu bauen und das fertige Produkt per Leitung nach Süden zu schicken, wo sich die Leute nach Apfelsaft verzehren. So ist das auch mit den Daten: Statt Strom werden die Daten durch Glasfaserkabel dorthin geschickt, wo die Abnehmer sitzen.

Wo die Server stehen, ist schließlich unerheblich, solange die Ergebnisse von KI-Berechnungen oder Backups durch moderne Glasfaserkabel weitergeleitet werden. Peder Nærbø ließ über sein Unternehmen Bulk Fiber Network außerdem neue Glasfaser-Seekabel verlegen: Havfrue, auf Deutsch: Meerjungfrau, ist ein 8.400 Kilometer langes transatlantisches System, das New Jersey direkt mit Kopenhagen verbindet.

Der Sandaal verbindet

Abzweigungen führen nach Irland und ins norwegische Kristiansand, wo der NO1-Campus errichtet wurde. Havsil, auf Deutsch: Sandaal, heißt das Hochkapazitätskabel, das als kürzeste Verbindung zwischen Kristiansand und dem europäischen Festland konzipiert wurde. Es dient mittlerweile als Hauptroute für den internationalen Datenverkehr Norwegens. Havhingsten, benannt nach dem größten erhaltenen Wikingerschiff, verbindet Dänemark mit England und Irland(öffnet im neuen Fenster) .

Leif Erikson heißt die direkte Glasfaserverbindung zwischen Norwegen und Kanada, die an beiden Endpunkten komplett mit erneuerbaren Energien betrieben wird. Skagerrak 4 ist eine Redundanz zum Havsil-Kabel und verläuft zwischen dem NO1-Campus und der Nordspitze Dänemarks. Dieser NO1-Campus ist das Flagship Project von Bulk Infrastructure.

Auf einem 300 Hektar großen Gelände liegt dieser auf rechenintensive Prozesse spezialisierte Standort gleich neben einem Umspannwerk, das einer der größten Knotenpunkte für erneuerbare Energien in Europa ist. Langfristig auf eine Kapazität von einem Gigawatt ausbaubar, werden die Server komplett mit Wasserkraftenergie betrieben. Mit der Abwärme werden unter anderem vertikale Nahrungsmittelproduktionen und die Trocknung von Brennholz ermöglicht.

Auch Martin Hetzner zieht es nicht in die Öffentlichkeit. Obwohl das von ihm 1997 gegründete Unternehmen Hetzner Online heute zu den wichtigsten europäischen Betreibern von Service- und Rechenzentrumsinfrastruktur gehört, sucht man vergebens nach Informationen über den Privatmann. Interviews von Hetzner in Lifestyle-Magazinen oder gar ausgedehnte Selbstdarstellungen auf Social Media, wie bei anderen Tech-Bros üblich, gibt es nicht, auch der Instagram-Account des Unternehmens Hetzner Online betreibt keinen Personenkult um seinen Gründer, sondern beschränkt sich auf Fakten und Ankündigungen.

Dazu passt, dass Hetzner mit zunehmendem Erfolg nicht etwa zu einer glamourösen Geschäftsadresse wechselte, sondern dort blieb, wo alles anfing: in Gunzenhausen, einer mittelfränkischen Kleinstadt mit rund 17.000 Einwohnern, die Partnerschaften mit den Orten Frankenmuth (USA), Isle (Frankreich) und nun auch mit Kfar Vradim (Israel) unterhält.

Die Entwicklung von Hetzner Online verlief zudem nicht so, wie man es von Start-ups der Branche hinreichend kennt – es gab keine spektakulären, groß angekündigten Geschäftsmodelle und schon gar kein schnelles Wachstum. Aufgebaut wurde Hetzner Online dazu ohne externes Venture Capital, also Wagniskapital.

Plattformen für Unternehmensfinanzierung wie Tracxn zufolge fällt Hetzner Online außerdem in die Kategorie "unfounded" , das heißt, in Datenbanken, die jede Finanzierungsrunde erfassen, existiert kein entsprechender Eintrag(öffnet im neuen Fenster) . Entsprechend langsam verlief die Entwicklung vom kleinen Hosting-Anbieter zum international anerkannten Global Player, der Rechenzentren unter anderem in Nürnberg, Falkenstein und im finnischen Helsinki betreibt.

2,2 Prozent aller weltweiten Websites werden bei Hetzner gehostet(öffnet im neuen Fenster) , im Bereich der dedizierten Server erreicht das Unternehmen sogar einen Markanteil von 22 Prozent unter den Top-Millions-Webseiten.

Warum die Gunzenhauser so beliebt sind, hat mit der Firmenstruktur zu tun: Ohne externe Investoren müssen keine Gewinne ausgeschüttet werden, dazu entwickelt man eigene Server-Racks und Gehäuse-Designs, um optimale Packungsdichte und damit Effizienz zu erreichen.

Indirekte freie Kühlung

Wartungs- und Ersatzteilkosten werden außerdem dadurch so gering wie möglich gehalten, dass nur wenige, hochprofessionelle Hardwarelinien angeboten werden. Ältere Hardwaregenerationen werden außerdem nicht kostenpflichtig entsorgt, sondern durch eine "Serverbörse" weitervermietet.

Dazu kommt eine eigene Rechenzentrumsarchitektur, die Betriebskosten durch indirekte freie Kühlung minimieren soll. Umweltfreundlichkeit gehört schließlich zu den Prinzipien von Hetzner, das in Deutschland und Finnland nach eigenen Angaben ausschließlich erneuerbare Energien für seine Standorte nutzt.

Die erwähnte indirekte Kühlung besteht in der Außenluft, die meistens statt Klimaanlagen genutzt werden kann; speziell designte Gehäuse sollen für optimale Verteilung der Luftströme sorgen. 2025 wurde außerdem die HAT clean energy GmbH gegründet, damit möchte Hetzner verstärkt auf selbst erzeugten Solarstrom setzen.

Selbst erzeugter Solarstrom

Auch unterstützt Hetzner lokale Projekte: Im kulturellen Bereich war das zum Beispiel ein Vortrag der 2021 im Alter von 96 Jahren verstorbenen Holocaust-Überlebenden Ester Bejanero in Gunzenhausen. Ebenso sponsert man das alle zwei Jahre auf einem Stoppelacker im benachbarten Sammenheim stattfindende Open Air Samma rockt mit. Lokale Sportvereine und Bildungseinrichtungen werden ebenfalls gefördert.

Eine Besonderheit ist das Mitarbeiterspendenprogramm, 800 Euro stehen jährlich als Spendensumme für jeden Mitarbeiter zur Verfügung. 15 Beschäftigte beteiligten sich beispielsweise an der Renovierung einer Kita im Vogtland(öffnet im neuen Fenster) .


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