Unterbrochene Lieferketten: Chipmangel behindert neue EU-Datenbanken

Eine EU-Agentur errichtet ein Erkennungssystem mit biometrischen Daten zu 400 Millionen Reisenden. Die Auftragnehmer haben sich offenbar übernommen.

Ein Bericht von Matthias Monroy veröffentlicht am
Abgabe eines Fingerabdrucks
Abgabe eines Fingerabdrucks (Bild: Johannes Simon/Getty Images)

Wer ohne Visum in die Europäische Union einreisen möchte, muss sich in einem Reiseinformations- und -genehmigungssystem (ETIAS) zukünftig über ein Formular im Internet registrieren und dabei Angaben zum Zweck und Verlauf der Reise machen. Erst mit einer Reisegenehmigung kann dann der Grenzübertritt erfolgen. In einem Einreise-/Ausreisesystem (EES) müssen sämtliche Reisende anschließend vier Fingerabdrücke und das Gesichtsbild abgeben. Die biometrischen Daten landen in einer riesigen Datei, die mit weiteren Datenbanken verschmolzen wird.

Inhalt:
  1. Unterbrochene Lieferketten: Chipmangel behindert neue EU-Datenbanken
  2. Störungen auch beim ETIAS

In der EU firmiert die Einführung der neuen Informationssysteme unter dem Begriff Interoperabilität. Verschiedene Schwierigkeiten bei der Umsetzung haben das Vorhaben bereits um einige Monate verzögert, jetzt kündigen sich weitere Schwierigkeiten an. So steht es in einer Präsentation der französischen Ratspräsidentschaft, die die britische Bürgerrechtsorganisation Statewatch veröffentlicht hat. Demnach legte ein Fragebogen, den 24 EU-Mitgliedstaaten beantwortet haben, in mehreren Ländern Verzögerungen offen.

"Komplexität der Arbeiten erheblich unterschätzt"

Probleme bei der Umsetzung des Einreise-/Ausreisesystems macht dem Dokument zufolge der globale "Mangel an Chips" sowie die Schulung des Personals, das für die Abnahme der biometrischen Daten an den Außengrenzen zu Land, Wasser und in der Luft zuständig ist. Die für Ende September 2022 geplante Inbetriebnahme des EES könnte sich deshalb um weitere zwei Monate verzögern.

Zur Umsetzung des Einreise-/Ausreisesystems hat die für große EU-Datenbanken zuständige Agentur für das Betriebsmanagement von IT-Großsystemen (eu-LISA) ein Konsortium der Firmen IBM, Atos und Leonardo beauftragt. Sie sollen ihren Aufgaben zur Entwicklung und Erprobung des EES-Zentralsystems aber nicht wie vereinbart nachgekommen sein, schrieb die Agentur im vergangenen Dezember in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des EU-Abgeordneten Patrick Breyer.

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Das Konsortium habe "die Komplexität der Arbeiten zur Entwicklung und Einführung des EES erheblich unterschätzt", heißt es in dem Golem.de vorliegenden Schreiben. Dem Personal fehle an "relevantem Fachwissen".

Möglichst berührungsloser Grenzübertritt

Mit dem Einreise-/Ausreisesystem verlängert sich die Zeit, die für eine Kontrolle der Reisenden aus Nicht-EU-Ländern aufgewendet werden muss, erheblich. Dies sollen die Mitgliedstaaten mit der Einführung automatisierter Verfahren und Selbstbedienungskiosken kompensieren. Laut dem Frontex-Direktor Fabrice Leggeri müssen 1.892 offizielle Übergänge an Land-, Luft- und Seegrenzen mit entsprechender Technik ausgestattet werden.

Vor allem an den Landgrenzen sind Biometrie-Automaten aber äußerst unpraktisch, wenn die Insassen eines Fahrzeugs aussteigen und selbst ihre Fingerabdrücke und Gesichtsbilder abgeben müssen. Die EU Kommission forscht deshalb an Verfahren zum berührungslosen Grenzübertritt auch für Fahrzeuginsassen.

Eine Kamera scannt dabei die Gesichter, während der Fahrer alle Reisedokumente in ein Lesegerät einführt. Eine weitere Kamera soll das Nummernschild scannen. Stimmen die Angaben mit vorregistrierten Daten überein, öffnete sich die Grenze. Das System soll auch bei Busfahrten funktionieren.

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Störungen auch beim ETIAS 
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