Abo
  • Services:
Anzeige
Google finanziert angeblich akademische Gefälligkeitsstudien.
Google finanziert angeblich akademische Gefälligkeitsstudien. (Bild: Jason Lee/Reuters)

Unklare Fördermillionen: Google korrumpiert angeblich akademische Forschung

Google finanziert angeblich akademische Gefälligkeitsstudien.
Google finanziert angeblich akademische Gefälligkeitsstudien. (Bild: Jason Lee/Reuters)

Macht es Google wie die Tabakindustrie? Der Suchmaschinenkonzern fördert akademische Forschung in seinem Interesse, wie eine Studie belegt. Hinter den Vorwürfen soll wiederum ein alter Google-Konkurrent stecken.

Der Suchmaschinenkonzern Google soll in den vergangenen Jahrzehnten mit Hunderten mitfinanzierten wissenschaftlichen Untersuchungen die öffentliche Debatte in den USA und Europa zu beeinflussen versucht haben. Wie das Center for Accountability (CfA) berichtet, sollen laut einer Studie dafür Millionen Dollar ausgegeben worden sein. Die akademischen Autoren hätten dabei in zwei Dritteln der Fälle die Unterstützung durch Google nicht angegeben. Selbst wenn Google die Studien direkt finanzierte, fand sich demnach in einem Viertel der Beiträge kein Hinweis auf die Förderung. Google wies die Vorwürfe umgehend zurück.

Anzeige

"Die untersuchten akademischen Papiere umfassten ein breites Spektrum an politischen und juristischen Themen von wichtiger Bedeutung für Googles Firmengewinne, einschließlich Kartellrecht, Netzneutralität, Suchneutralität, Patente und Urheberrecht. Sie waren zudem mit bestimmten Themen verknüpft, die Google beeinflussen wollte", heißt es in der Studie. Die Autoren untersuchten demnach 329 Papiere aus den Jahren 2005 bis 2017, von denen 179 direkt und 150 indirekt von Google finanziert worden sein sollen.

Auch deutsche Projekte werden finanziert

Nach Angaben des Wall Street Journal (Paywall) variierte die Höhe der Förderung zwischen 5.000 und 400.000 Dollar. Das Blatt hat dazu nach eigenen Angaben die Unterlagen ausgewertet, die ihm vom CfA zur Verfügung gestellt worden waren. Zudem beruft sich die Zeitung auf einen früheren Google-Mitarbeiter und einen früheren Google-Lobbyisten.

Als indirekte Förderung wird demnach gewertet, wenn Google beispielsweise einen sogenannten Think Tank oder ein wissenschaftliches Institut mitfinanziert. In Deutschland finanziert Google etwa das 2011 eröffnete Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft. Der CfA-Studie zufolge förderte Google zudem eine Analyse der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität zum europäischen Leistungsschutzrecht. Zudem soll Google die Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht unterstützen.

Der Logik der CfA zufolge müsste auch ein Gutachten des Internetverbandes Eco zum europäischen Leistungsschutzrecht genannt werden, da Google Germany als Eco-Mitglied dieses indirekt mitfinanzierte. Eco wollte auf Anfrage von Golem.de nicht sagen, ob das Gutachten speziell von Google finanziert worden war. Der Verband teilte lediglich mit, dass die Finanzierung von Gutachten und Studien "entweder über eigene Mittel oder im Wege der Umlage auf Mitgliedsunternehmen" erfolge. Finanzierungsmodell und Quotierung orientierten "sich in der Regel anhand Bedeutung und Relevanz eines Themas für die gesamte Branche oder Branchensegmente".

Wie die Tabak- und Ölindustrie

Die CfA beurteilte die akademischen Aktivitäten des US-Konzerns sehr kritisch: "Google ist nicht das erste Unternehmen, das wissenschaftliche Forschung finanziert, um seine unternehmerischen Ziele zu unterstützen. Aber unsere Analyse weist darauf hin, dass Google zu den Firmen gehört, die diese Praxis in jüngster Zeit mit der größten Begeisterung anwenden." Damit habe sich Google den Wirtschaftszweigen angeschlossen, die "einen korrumpierenden Einfluss auf die wissenschaftliche Forschung genommen haben, einschließlich der Tabakindustrie über den Einfluss des Rauchens und der Ölindustrie über die Klimawissenschaft".

Ebenfalls wird bemängelt, dass die Google-freundlichen Studien eine sehr weite Verbreitung fänden, obwohl die wenigsten von ihnen in Publikationen mit vorheriger Begutachtung (Peer Review) veröffentlicht worden seien. Google-Manager würden die Papiere an Behörden, Politiker und Journalisten schicken, ohne auf die Finanzierung durch das Unternehmen hinzuweisen.

Oracle soll hinter CfA stehen

Google wies in einem Blogbeitrag die Vorwürfe zurück. Die Studie sei "hochgradig irreführend", da jede Arbeit von jedweder Organisation aufgeführt werde, der Google angehöre oder irgendwann einmal Geld gegeben habe, beispielsweise der Computer and Communications Industry Association (CCIA).

Googles Chef-Lobbyistin Leslie Miller verwies darauf, dass Wissenschaftler gemäß den Förderrichtlinien zur Transparenz verpflichtet seien und unabhängig forschen könnten. So würden geförderte Studien auch Positionen vertreten, die gegen die Interessen von Google gerichtet seien, beispielsweise zum Kartellrecht, zur Netzneutralität und zum Datenschutz.

Im Gegenzug warf Google der CfA vor, selbst intransparent zu sein und nicht anzugeben, wer das Zentrum finanziere. Es sei lediglich bekannt, dass der Softwarekonzern Oracle dahinter stehe, der sich seit Jahren mit Google über die Urheberrechte an Java-APIs streitet. Zudem würden andere Google-Konkurrenten wie AT&T, die MPAA, ICOMP oder Fairsearch ebenfalls Forschungen finanzieren, die gegen Google gerichtet seien.


eye home zur Startseite
Eahlstan 14. Jul 2017

Inwiefern soll das wichtig sein? Wichtig sollte doch einzig und allein sein, ob die...

Prinzeumel 13. Jul 2017

Wenn man sich eben nicht der korrumpierung verdächtig machen will unterstützt man...

schap23 13. Jul 2017

Die Produktion an herausragenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen von Google im...

wiseman 13. Jul 2017

.



Anzeige

Stellenmarkt
  1. UCM AG, Rheineck (Schweiz)
  2. symmedia GmbH, Bielefeld
  3. ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH, München
  4. Munich International School e. V., Starnberg Raum München


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. täglich neue Deals
  2. und Destiny 2 gratis erhalten
  3. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)

Folgen Sie uns
       


  1. Tele Columbus

    1 GBit würden "gegenwärtig nur die Nerds buchen"

  2. Systemkamera

    Leica CL verbindet Retro-Design mit neuester Technik

  3. Android

    Google bekommt Standortdaten auch ohne GPS-Aktivierung

  4. Kabelnetz

    Primacom darf Kundendaten nicht weitergeben

  5. SX-10 Aurora Tsubasa

    NECs Beschleuniger nutzt sechs HBM2-Stacks

  6. Virtual Reality

    Huawei und TPCast wollen VR mit 5G streamen

  7. Wayland-Desktop

    Nvidia bittet um Mitarbeit an Linux-Speicher-API

  8. Kabelnetz

    Vodafone liefert Kabelradio-Receiver mit Analogabschaltung

  9. Einigung erzielt

    EU verbietet Geoblocking im Online-Handel

  10. Unitymedia

    Discounter Eazy kommt technisch nicht an das TV-Kabelnetz



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Erneuerbare Energien: Siemens leitet die neue Steinzeit ein
Erneuerbare Energien
Siemens leitet die neue Steinzeit ein
  1. Siemens und Schunk Akkufahrzeuge werden mit 600 bis 1.000 Kilowatt aufgeladen
  2. Parkplatz-Erkennung Bosch und Siemens scheitern mit Pilotprojekten

Orbital Sciences: Vom Aufstieg und Niedergang eines Raketenbauers
Orbital Sciences
Vom Aufstieg und Niedergang eines Raketenbauers
  1. Arkyd-6 Planetary Resources startet bald ein neues Weltraumteleskop
  2. Astronomie Erster interstellarer Komet entdeckt
  3. Nasa und Roskosmos Gemeinsam stolpern sie zum Mond

Ideenzug: Der Nahverkehr soll cool werden
Ideenzug
Der Nahverkehr soll cool werden
  1. 3D-Printing Neues Druckverfahren sorgt für bruchfesteren Stahl
  2. Autonomes Fahren Bahn startet selbstfahrende Buslinie in Bayern
  3. Mobilitätsprojekt Ioki Bahn macht Sammeltaxi zum autonomen On-Demand-Shuttle

  1. Niemand zwingt Dich Google zu nutzen

    Unwichtig | 20:12

  2. Re: Wow und....Ehm...

    Komischer_Phreak | 20:10

  3. Wollen, ja, brauchen? Selten

    Sharra | 20:09

  4. Re: richtiger schritt?

    Lasse Bierstrom | 20:08

  5. Re: Merkt man am Akkuverbrauch

    DASPRiD | 20:03


  1. 20:00

  2. 18:28

  3. 18:19

  4. 17:51

  5. 16:55

  6. 16:06

  7. 15:51

  8. 14:14


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel