Unix: Ein Betriebssystem in 8 KByte

Zwei junge Programmierer entwarfen nahezu im Alleingang ein Betriebssystem und die Sprache C. Zum 50. Jubiläum von Unix werfen wir einen Blick zurück auf die Anfangstage.

Artikel von Martin Wolf veröffentlicht am
Dennis Ritchie (l.) und Ken Thompson entwickelten Unix Anfang der 1970er Jahre.
Dennis Ritchie (l.) und Ken Thompson entwickelten Unix Anfang der 1970er Jahre. (Bild: AT&T Bell Labs)

Unix ist heute bekannt als professionelles Betriebssystem und Grundlage der Entwicklung von Linux, viele seiner Prinzipien gelten immer noch - 50 Jahre nach der ersten lauffähigen Version. Der weltweite Durchbruch von Unix war aber keineswegs absehbar. Dies ist die Geschichte von zwei Programmierern, die ein System schrieben, das keiner wollte, auf einem Rechner, der für eine solche Aufgabe hoffnungslos unterdimensioniert war - und deren fertiges Produkt ihre Firma nicht verkaufen durfte. Am Ende sollten es genau diese Hürden sein, die den Erfolg von Unix begründeten.

Diese Geschichte beginnt 1969 in den Bell Labs, ein paar Kilometer außerhalb von New York - mit einem Computerspiel.

Der 26-jährige Computerwissenschaftler Ken Thompson schrieb hier an der Raumfahrtsimulation Space Travel für den tonnenschweren Mainframe-Computer GE 635. Das Programm ermöglichte es, sich im Sonnensystem fortzubewegen und auf Planeten zu landen. Die simple 2D-Grafik wurde auf einem Bildschirm ausgegeben, damals keine Selbstverständlichkeit.

Das Spiel sollte als Test auf einem neuen Betriebssystem mit dem Namen Multics laufen. Die Abkürzung steht für Multiplexed Information and Computing Service und deutet an, was von dem neuen OS erwartet wurde: die gleichzeitige Bedienung mehrerer Benutzer. Diese Art, mit den knappen Rechenressourcen der Computerfrühzeit umzugehen, war nicht neu. Aber Ideen wie die nahtlose Verknüpfung von Festspeicher und Arbeitsspeicher, prozessübergreifender Zugriff auf Daten und die Möglichkeit, das System zu warten, während es lief, machten Multics zu einem attraktiven Projekt. Es beteiligten sich unter anderem das MIT, General Electric und Bell Labs an dem Projekt. So landete Ken Thompson im Team von Multics - allerdings nicht lange.

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Nach vier Jahren Entwicklungszeit, ohne dass eine erste lauffähige Version absehbar war, entschied sich Bell Labs 1969, aus dem Projekt auszusteigen. Die Anforderungen an die verfügbare Hardware waren schlichtweg zu hoch. Ken Thompson hingegen sah Potenzial in den Ideen von Multics. Er wollte weiter an einem Mehrbenutzersystem arbeiten, und wenn es sein musste, dann würde er es eben selbst schreiben.

Immerhin hatte er noch sein Spiel, das inzwischen auf dem Großrechner funktionierte. Aber eine Stunde Rechen- oder besser Spielzeit auf dem GE 635 kostete 75 US-Dollar - das sind inflationsbereinigt fast 500 Euro. Warum nicht beide Projekte kombinieren und eine eigene Umgebung für das Programm schreiben, die auch auf einem billigeren Computer lief?

Seine Vorgesetzten waren von der Idee alles andere als begeistert. Denn billig hieß in diesem Fall, einen mehrere Zehntausend Dollar teuren Computer für die Entwicklung eines Betriebssystems anzuschaffen - ein Projekt, von dem man sich gerade verabschiedet hatte. Das mit dem Spiel hatte Thompson wohlweislich verschwiegen.

Also machte er sich selbst auf die Suche nach einem Rechner.

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Von Multics zu Unics zu Unix 
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zilti 05. Jul 2020

Von mir auch danke! Unser neues Projekt auf der Arbeit nutzt gerade FreeBSD... ich mag...

Trollversteher 24. Jun 2020

Auch wenn es sicher nur eine Fussnote in der Unix Geschichte war - auch Commodore hat...

43rtgfj5 24. Jun 2020

Kann ich auch nicht bestötigen. Also dass Programmierkenntnisse irgendeine Voraussetzung...

flow77 23. Jun 2020

Was hat der Root mit Cloud-Speicher zu tun? was machst du wenn sich der username ändert...

spamio 23. Jun 2020

The Idea Factory von Jon Gertner. Nettes Buch über Bells Labs, also auch die Entwicklung...


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