Von Multics zu Unics zu Unix

In einer benachbarten Abteilung wurde er schließlich fündig. Er entdeckte eine ältere DEC PDP-7, die sogar mit einem Bildschirm ausgestattet war. Er schrieb in den folgenden Tagen den kompletten Code von Space Travel in Maschinensprache neu. Doch nicht einmal die Programmierung in Assembler konnte er auf der PDP-7 selbst vornehmen. Er musste den Code auf dem GE 635 Mainframe eintippen, dann auf Lochkarten ausgeben und damit die PDP-7 füttern. Nach kurzer Zeit hatte er die Nase voll von diesem Prozess und beschloss, einen eigenen Assembler für die PDP-7 zu schreiben.

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Das beschleunigte zwar die Programmierung von Space Travel enorm, aber das eigentliche Spiel lief am Ende trotzdem zäh wie Sirup.

Hilfe kam in Form eines Kollegen von Thompson. Der 29-jährige Dennis Ritchie hatte sich im Rahmen der Entwicklung von Multics mit den neuen Ideen für Dateisysteme beschäftigt. Zusammen entwarfen sie in nur einem Monat eine komplette Entwicklungsumgebung inklusive eines Editors, eines Kommandozeileninterpreters und einer Dateiverwaltung. Sie nannten das Ergebnis Unics.

Über die Herkunft des Namens kursieren mehrere Geschichten, so soll es eine Anspielung auf Uniplexed statt Multiplexed oder ein Wortspiel mit dem englischen Begriff Eunuchs sein - also einer kastrierten Version von Multics. Sicher ist nur, dass er schon Anfang der 1970er Jahren zu Unix verkürzt wurde.

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Die Limitationen der leistungsschwachen PDP-7 hatten die Programmierer zu ressourcenschonendem Arbeiten gezwungen. Das Ergebnis war ein rudimentäres, aber funktionierendes Betriebssystem, das im Gegensatz zu Multics mit der existierenden Hardware problemlos lief. Jetzt musste nur noch Bell Labs von dem System überzeugt werden - und davon, für die Weiterentwicklung endlich einen neuen Rechner für Thompsons und Ritchies Projekt anzuschaffen.

Wer B schreibt, kann auch C schreiben

Bell Labs wollte 1970 zwar immer noch kein Betriebssystem, was man aber dringend brauchte, war ein Textverarbeitungsprogramm, um Patentanmeldungen per Computer zu erledigen. Die beiden Programmierer versprachen, eine solche Funktion in Unix zu implementieren und bekamen eine ziemlich moderne PDP-11/20 für den heutigen Gegenwert von über 130.000 US-Dollar. Innerhalb von nur drei Monaten hatten sie ein funktionierendes Textformatierungsprogramm namens roff, einen einfachen Editor - und nun auch die volle Aufmerksamkeit ihrer Vorgesetzten für Unix.

  • Eine PDP-11 zählte zu den ersten Zielen für die Portierung von Unix. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Auf einer PDP-7 programmierte Ken Thompson die Anfänge von Unix. (Bild: DEC)
  • Die erste Dokumentation für Unix erschien Anfang der 1970er Jahre. (Bild: AT&T Bell Labs)
  • Der GE 635 Mainframe war ein raumfüllender Koloss - und sehr, sehr teuer. (Bild: General Electrics)
  • Der Quellcode von Space Travel ist erhalten geblieben, aber das Spiel selbst existiert nicht mehr. (Bild: AT&T Bell Labs)
  • Anmerkungen im Quellcode von Unix (Bild: AT&T Bell Labs)
  • Für den Vektorbildschirm mussten Anpassungen im Code vorgenommen werden. (Bild: AT&T Bell Labs)
Auf einer PDP-7 programmierte Ken Thompson die Anfänge von Unix. (Bild: DEC)

In den kommenden zwei Jahren konnte sich das wachsende Team endlich offiziell der Entwicklung und Dokumentation des Betriebssystems widmen. Bald liefen fast alle neu angeschafften Rechner in den Bell Labs mit der hauseigenen Software.

Ritchie und Thompson wollten neue Versionen aber nicht mehr in Assembler schreiben und sahen sich nach einer Alternative um. Die zunächst favorisierte Sprache BCPL war zwar verfügbar, aber dummerweise nicht dokumentiert. Thompson sah sich den Quellcode an und beschloss, alles für ihre Zwecke Unbrauchbare zu entfernen und seine eigene Version zu schreiben, die er konsequenterweise "B" nannte. Ritchie beschrieb das Ergebnis später so: "Man kann sich B vorstellen als C ohne Datentypen, genauer: Es ist BCPL in 8 KByte Speicher gequetscht und durch Thompsons Hirn gefiltert."

Zu dieser Zeit bestand Unix aus den folgenden Komponenten: Assembler, Link Editor, Text Editor, FORTRAN Compiler, B Compiler, Debugger, Textformatierungsprogramm, Macroprozessor, TMGL Compiler-Compiler, einer Kommandozeile und verschiedenen Dateiwerkzeugen.

Um Unix auch auf anderen Rechnern lauffähig zu machen, reichte die "hirngefilterte" Programmiersprache B allerdings nicht mehr aus. Also verbesserte und erweiterte Dennis Ritchie sie. Nachdem er kurz überlegt hatte, das Ergebnis "NB" für "New B" zu taufen, entschied er sich für die elegantere Bezeichnung "C".

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 Unix: Ein Betriebssystem in 8 KByteProgrammierer werden wertvoller als Rechenzeit 
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zilti 05. Jul 2020

Von mir auch danke! Unser neues Projekt auf der Arbeit nutzt gerade FreeBSD... ich mag...

Trollversteher 24. Jun 2020

Auch wenn es sicher nur eine Fussnote in der Unix Geschichte war - auch Commodore hat...

43rtgfj5 24. Jun 2020

Kann ich auch nicht bestötigen. Also dass Programmierkenntnisse irgendeine Voraussetzung...

flow77 23. Jun 2020

Was hat der Root mit Cloud-Speicher zu tun? was machst du wenn sich der username ändert...

spamio 23. Jun 2020

The Idea Factory von Jon Gertner. Nettes Buch über Bells Labs, also auch die Entwicklung...



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