United Internet: Telefónica erwägt Übernahme von 1&1

Die spanische Telefónica Group prüft eine Neuausrichtung der Beziehungen zu United Internet. Drei mit den Vorgängen vertraute Personen berichteten dem Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) , Vertreter beider Unternehmen hätten über eine engere Zusammenarbeit gesprochen. In Madrid werde langfristig auch eine Übernahme der United-Internet-Tochter 1&1 in Betracht gezogen. Die Gespräche befinden sich laut Insidern noch in einem frühen Stadium.
United-Internet-Chef Ralph Dommermuth kündigte 2023 eine langjährige Roaming-Partnerschaft mit Telefónica auf. Der Wechsel der rund zwölf Millionen Kunden auf das Netz von Vodafone soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein.
Der bevorstehende Rauswurf von Telefónica Deutschlandchef Markus Haas(öffnet im neuen Fenster) durch den Verwaltungsrat erleichtert den Angaben zufolge eine Annäherung beider Firmen. Marc Murtra, der neue Telefonica-Chef in Madrid, kündigte eine Kursänderung an.
Analyst Robert Grindle von der Deutschen Bank sagte, der bevorstehende Managementwechsel in Deutschland "deutet darauf hin, dass eine Einigung mit 1&1 leichter möglich wird" . Für Analyst James Ratzer von New Street Research ist klar, dass es kaum einen besseren Kapitaleinsatz für Telefónica gebe, als 1&1 zu kaufen. "Aber die entscheidende Frage ist, ob Dommermuth bereit ist, einen Deal zu machen."
Netzaufbau von 1&1 kommt langsam voran
Ein Sprecher von United Internet wollte sich nicht zu Gesprächen äußern, betonte aber, der Netzaufbau von 1&1 komme voran. Telefónica und die deutsche Landesgesellschaft lehnten eine Stellungnahme ab.
Unklar ist, ob die Wettbewerbsbehörden einer Übernahme von 1&1 zustimmen, was dazu führen würde, dass es wieder nur noch drei Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland gebe. 1&1 erklärte zwar, ein eigenes Mobilfunknetz aufbauen zu wollen und kaufte dafür Frequenzen. Der Ausbau liegt jedoch erheblich hinter den Auflagen der Bundesnetzagentur zurück, was die Behörde seit langem duldet.
Bei nur rund 1.000 Antennenstandorten und einem geringen Kapitaleinsatz fragen sich viele Insider , ob das Projekt ernst gemeint ist. Ohne das National Roaming mit Vodafone wäre 1&1 der Netzbetrieb noch auf lange Zeit unmöglich.



