Abo
  • IT-Karriere:

Underworld Ascendant im Test: Unterirdischer Etikettenschwindel

Die Versprechen der Kickstarter-Kampagne werden nicht mal im Ansatz erfüllt, als inoffizielle Fortsetzung von Ultima ist Underworld Ascendant eine herbe Enttäuschung. Wer sich allerdings auf eine Art unterirdisches "Thief Light" einstellt, bekommt ein paar Stunden Spaß.

Artikel veröffentlicht am ,
Artwork von Underworld Ascendant
Artwork von Underworld Ascendant (Bild: Otherside Entertainment)

Für Fans von PC-Rollenspielen waren die 90er Jahre eine besondere Zeit: Ohne großen Vorlauf erschien 1992 zuerst Ultima Underworld - ein technisch innovatives, packendes Abenteuer in einer riesigen Höhlen- und Tunnelwelt. Nur wenige Monate später folgte Ultima Underworld 2, das noch größer und schöner war und zahlreiche Detailverbesserungen bot. Obwohl sich das Szenario bestens für Fortsetzungen eignet, hat sich seitdem nichts mehr in der Serie getan - bis jetzt: Paul Neurath, einer der leitenden Entwickler, hat sich von Electronic Arts die Rechte am Namen "Underworld" gesichert (das "Ultima" wollte EA offenbar nicht herausrücken). Per Crowdfunding hat Neurath mit Weggefährten wie Warren Spector über 860.000 US-Dollar gesammelt.

Stellenmarkt
  1. DI Deutsche Immobilien Gruppe (DI-Gruppe), Düren
  2. Hays AG, Berlin-Tempelhof

Um es gleich zu sagen: Ascendant hält die meisten der Versprechen nicht, die etwa im Rahmen der Kampagne auf Kickstarter gemacht wurden. Statt einer "aufwendig umgesetzten Unterwelt" gibt's teils düstere und teils kitschig bunte Gänge und Hallen, anstelle von "dynamisch agierenden Fraktionen" nur merkwürdige Saurianer und Skelettkrieger. Wir sparen uns die weiteren Hinweise darauf, was alles fehlt - die Liste ließe sich noch länger fortsetzen.

Was Underworld Ascendant bietet, erinnert kurioserweise an den Klassiker Thief, der ebenfalls von Entwicklern aus dem Umfeld von Neurath ersonnen wurde. Dabei spielt simulierte Physik eine große Rolle: Wir können im Schatten ungesehen an Wachen vorbeischleichen und müssen dabei sogar Geräusche vermeiden. Damit es richtig dunkel ist, können wir vorher mit Wasserpfeilen alle Fackeln ausschießen.

Dazu kommen meist eher einfache Schalterrätsel, bei denen wir Kisten suchen und auf einer beweglichen Steinplatte stapeln müssen, so dass ein Tor geöffnet wird. Holztüren lassen sich durch Schläge oder durch Feuer zerstören, um weiterzukommen. Das alles ist ordentlich, aber nicht sehr gut umgesetzt. Kistenstapel etwa sind etwas überempfindlich und fallen unglaubwürdig leicht in sich zusammen. Immerhin, wenn man einen Schalter hinter einem Abgrund mit einem Wurfgegenstand umlegen möchte, funktioniert das Zielen viel besser als in den meisten anderen Spielen.

  • Dem Gegner im Hintergrund können wir ausweichen, indem wir im Dunklen bleiben. (Bild: Otherside Entertainment/Screenshot: Golem.de)
  • Dieses merkwürdige Geisterwesen ist ein wesentlicher Teil der schlicht doofen Handlung. (Bild: Otherside Entertainment/Screenshot: Golem.de)
  • Im Inventar sammeln sich rasch viele Gegenstände an - wir müssen also entscheiden, was wir wirklich brauchen. (Bild: Otherside Entertainment/Screenshot: Golem.de)
  • Einige Stellen in der Unterwelt sehen interessant aus. (Bild: Otherside Entertainment/Screenshot: Golem.de)
  • Im Talentbaum können wir unterschiedliche Extras freischalten. (Bild: Otherside Entertainment/Screenshot: Golem.de)
  • Mit Feuer zerstören wir eine Holztür und kommen weiter. (Bild: Otherside Entertainment/Screenshot: Golem.de)
  • Der Speicherbaum - der leider ab und zu wegen Bugs auch mal verschwindet. (Bild: Otherside Entertainment/Screenshot: Golem.de)
  • Das Grafikmenü erlaubt nur wenige Einstellmöglichkeiten. (Bild: Otherside Entertainment/Screenshot: Golem.de)
Dem Gegner im Hintergrund können wir ausweichen, indem wir im Dunklen bleiben. (Bild: Otherside Entertainment/Screenshot: Golem.de)

Die Handlung der etwa zehn Stunden langen Kampagne dreht sich um den Streit von Überwesen, echte Zwischensequenzen gibt es nicht. Die Grafik basiert auf Unity und hinterlässt keinen guten Eindruck: Einige Umgebungen sind zwar fantasievoll in Szene gesetzt, aber insgesamt wirken die Höhlen detailarm und steril, außerdem gibt es viele Bildfehler. Das Speichersystem ist so angelegt, dass man einen Speicherbaum als Rücksetzpunkt pflanzen muss.

Klingt kompliziert, ist im Spiel einfach und hat Folgen. Einerseits muss man mit etwas Pech immer wieder längere Abschnitte wiederholen, andererseits behalten Gegner ihren Schaden nach dem Ableben des Spielers, so dass mit genug Ausdauer jeder Feind irgendwann fällt. Es gibt noch mehr solcher Unstimmigkeiten, darunter riesige Kisten, in denen wir statt toller Ausrüstung nur ein paar langweilige Pfeile oder Krümel mit Eisenerz finden.

Underworld Ascendant ist für Windows-PC als Download auf Steam erhältlich und kostet 25 Euro. Später sollen Umsetzungen für Linux und MacOS folgen, Termine gibt es noch nicht. Die Sprachausgabe, Bildschirmtexte und Beschriftungen in der Spielewelt liegen in mehreren Sprachen vor, auch in Deutsch. Die Entwickler haben angekündigt, per Patch unter anderem das Speichersystem zu überarbeiten und Grafikfehler zu korrigieren. Noch sind aber keine Details und Termine bekannt.

Fazit

Ascendant ist ein nettes Spiel - aber mit den beiden Ultima Underworld hat es, anders als von den Entwicklern dargestellt, fast nichts gemein. Statt in einer lebendigen Welt sind wir in sterilen, oft merkwürdig bunten Tunneln unterwegs. Statt einer interessanten Handlung folgen wir sinnfreien Monologen seltsamer Überwesen. Dazu kommen viele Programmfehler und generell eher die Anmutung einer Demoversion statt eines fertigen Spiels.

Immerhin: Wer Titel wie Thief mag, kommt mit Underworld Ascendant einigermaßen auf seine Kosten. Es macht durchaus Spaß, nach und nach die Lichter in einem Saal mit Wasserpfeilen auszuknipsen und sich dann um die Gegner zu schleichen, oder die einfachen Physikrätsel zu lösen. Trotzdem fällt es schwer, diesen unausgereiften Etikettenschwindel zu empfehlen.

Auch zu diesem Thema:



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 49,70€
  2. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)

Der Held vom... 26. Nov 2018

... als einfach nur nicht zeitgemäß. Ein Underworld exakt im Stil der ersten zwei Teile...

Der Korrektor 25. Nov 2018

Ich war soo scharf auf dieses Spiel, aber habs mir aufgrund der vernichtenden Reviews bei...

knallivd 24. Nov 2018

Ein neues Ultima Underworld ist es wohl leider nicht, aber einen Thief-Clone würde ich...

RedRanger 23. Nov 2018

In dem Test wird der größte Fehler bzw die größte Design-Schwäche nicht genannt. Man kann...


Folgen Sie uns
       


Raspberry Pi 4B - Test

Der Raspberry Pi kann endlich zur Konkurrenz aufschließen, aber richtig glücklich werden wir mit dem neuem Pi-Modell trotz bemerkenswerter Merkmale nicht.

Raspberry Pi 4B - Test Video aufrufen
Deutsche Bahn: Die Bauzeit verzögert sich um wenige Jahre ...
Deutsche Bahn
Die Bauzeit verzögert sich um wenige Jahre ...

Dass der Bau neuer Bahnstrecken Jahrzehnte dauert, soll sich ändern. Aber jetzt wird die Klage einer Bürgerinitiative verhandelt, die alles noch verschlimmern könnte.
Eine Reportage von Caspar Schwietering

  1. DB Cargo Wagon Intelligence Die Hälfte der Güterwagen hat Funkmodule mit Sensorik
  2. Schienenverkehr Die Bahn hat wieder eine Vision
  3. DB Navigator Deutsche Bahn lädt iOS-Nutzer in Betaphase ein

IT-Studium: Kein Abitur? Kein Problem!
IT-Studium
Kein Abitur? Kein Problem!

Martin Fricke studiert Informatik, obwohl er kein Abitur hat. Das darf er, weil Universitäten Berufserfahrung für die Zulassung anerkennen. Davon profitieren Menschen wie Unternehmen gleichermaßen.
Von Tarek Barkouni

  1. IT Welches Informatikstudium passt zu mir?
  2. Bitkom Nur jeder siebte Bewerber für IT-Jobs ist weiblich

How to von Randall Munroe: Alltagshilfen für die Nerd-Seele
How to von Randall Munroe
Alltagshilfen für die Nerd-Seele

"Ein Buch voll schlechter Ideen" verspricht XKCD-Autor Randall Munroe mit seinem neuen Werk How to. Es bietet einfache Anleitungen für alltägliche Aufgaben wie Freunde zu finden. Was kann bei dem absurden Humor des Autors schon schief gehen? Genau: Nichts!
Eine Rezension von Sebastian Grüner


      •  /