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Uncharted 4 im Test: Meisterdieb in Meisterwerk

Was hat es mit dem Piratenschatz auf sich, wer ist der reumütige Dieb am Kreuz, und wie gut schlägt sich Hauptfigur Nathan im Spieleklassiker Crash Bandicoot? Die Antworten gibt es natürlich in Uncharted 4 – Golem.de hat es getestet und dabei sehr viel Spaß gehabt.
/ Peter Steinlechner
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Hauptfigur Nathan Drake in Uncharted 4 (Bild: Sony)
Hauptfigur Nathan Drake in Uncharted 4 Bild: Sony

Erst erwischt Nathan Drake ein Schlag in die Magengrube, dann ans Kinn – aber natürlich denkt einer wie er nicht ans Aufgeben. Stattdessen kämpft der Held von Uncharted 4 bei einer Schlägerei in einem panamaischen Gefängnis weiter gegen andere Insassen. Drake überlebt natürlich – und kraxelt wenige Augenblicke später auf der Jagd nach historischem Diebesgut einen steilen Felsen empor, wo er ein mysteriöses Kruzifix findet ...

Uncharted 4 – Fazit
Uncharted 4 – Fazit (01:57)

Meisterdieb Nate verschlägt es gleich zu Beginn von A Thief's End – so der Untertitel – in mehrere solcher Extremsituationen. Neben der Knastprügelei gibt es eine Verfolgungsjagd auf hoher See, eine Tauchsequenz in einem trüben Flüsschen in Malaysia und – für Nate ist auch das extrem – einen gemütlichen Sofaabend mit einer Runde Crash Bandicoot auf der ersten Playstation. Damit könnte das Spiel ein frühes und friedliches Ende finden.

Natürlich kommt alles ganz anders. Sam Drake, der ältere Bruder von Nathan, taucht überraschend auf. Er wird von einem skrupellosen Drogenboss verfolgt, und gemeinsam müssen Nate und Sam den millionenschweren Schatz des Piraten Avery (teils Every(öffnet im neuen Fenster) geschrieben) finden – allerdings haben sie leider keine Ahnung, wo er sein könnte. Gemütliche Feierabende sind vorerst gestrichen.

Das grundsätzliche Spielprinzip von Uncharted 4 hat das Entwicklerstudio Naughty Dog(öffnet im neuen Fenster) fast unverändert aus den Vorgängern übernommen. Lange, filmähnliche Sequenzen wechseln sich ab mit Schleich- und vor allem Kletterpassagen, dazu kommen Fahr- und Flugsequenzen sowie Schießereien und Prügeleien. Ab und zu muss Nate auch mal ein simples Rätsel lösen, und beispielsweise Weinfässer in einem Keller so verschieben, dass er bis ans Ende eines Ganges kommt – sonderlich komplex ist das aber nicht.

Auch die Kletterpassagen stellen für geübte Computerspiele keine Herausforderung dar. Minimal schwieriger sind die Schleichabschnitte, bei denen Nate etwa möglichst ruhig durch hohes Gras kommen muss. Kniffliger sind auch – zumindest auf den höheren Schwierigkeitsgraden – die Feuergefechte. Das Zielen mit automatischer Feindaufschaltung funktioniert gut, aber wer im vierten oder gar im fünften Schwierigkeitsgrad antritt, muss schon sehr auf die bei Beschuss zumeist rasch zerstörte Deckung achten und sich fix nach einem neuen Schutz umsehen. Die fünfte Stufe steht erst nach einem ersten Durchgang der gut 14-stündigen Kampagne zur Verfügung.

Uncharted 4 – finaler Trailer
Uncharted 4 – finaler Trailer (00:37)

A Thief's End springt noch etwas schneller von Schauplatz zu Schauplatz als die Vorgänger. Nate und seine Kumpel – neben Bruder Sam unter anderem der väterlich-undurchschaubare Sullivan – schleichen sich in ein wunderschönes italienisches Anwesen ein, sie sind im herbstlichen Schottland unterwegs und mehrfach in asiatischen Landschaften.

Bunte Abenteuerwelt

Die meisten Umgebungen sehen beeindruckend schön aus: Es gibt saftige Wiesen, immer wieder lauschige Seen oder gleich eine Meeresküste und Ähnliches. Der Weg ist meist etwas weniger strikt vorgegeben als in den Vorgängern. Gelegentlich darf der Spieler wählen, ob er den langen oder den kürzeren Pfad nimmt, was aber beides meist eigene Überraschungen bietet. Bei Klettertouren kann Nate auf der Suche nach sammelbaren Extras – vor allem Mini-Schätze – gelegentlich einen Umweg nehmen, um Geheimnisse zu entdecken. Dabei ist der neue, schön umgesetzte Enterhaken besonders hilfreich, der zusätzlich auch für mehr Abwechslung beim Kraxeln sorgt.

Uncharted 4 – Trailer (Story)
Uncharted 4 – Trailer (Story) (02:20)

Übrigens haben es die Designer klasse hinbekommen, den Spieler in den minimal offeneren Umgebungen zum Ziel zu schleusen, ohne ständig dicke Pfeile mit der Aufschrift "Ziel" einzublenden. Bei einer Verfolgungsjagd über Dächer in Italien gibt es keinen klar erkennbaren Weg. Aber wer einfach seiner Intuition vertraut, findet sich anhand subtiler Licht-Hinweise in dem Gewirr der Gebäude erstaunlich gut zurecht. Und in Schottland kennt sich zumindest stellenweise Sam schon aus, und geht einfach vorneweg.

Uncharted 4 sieht natürlich besser aus als die Vorgänger. Das zeigt sich aber nicht nur an den meist imposanten und liebevoll gestalteten Umgebungen, sondern überraschend deutlich an Kleinigkeiten. Besonders hat uns beeindruckt, wie die Entwickler es geschafft haben, mit fast unmerklichen Änderungen an der Mimik der Figuren sehr viel über deren Gefühlsleben zu vermitteln – unserer Auffassung nach ist das besser gelungen als in so gut wie jedem Spiel zuvor.

So sieht man gar nicht so genau, was mit dem Gesicht von Sullivan passiert, wenn er Sam beim Leeren einer Whiskeyflasche zusieht. Aber intuitiv ist eben doch klar zu spüren, dass Sully den Bruder von Nate in diesem Moment verachtet – das mag nur ein Detail sein, trotzdem bringt es den Figuren eine vorher nicht gekannte Tiefe und lässt uns noch mehr als früher mit ihnen mitfiebern. Neben ruhigen Momenten gibt es natürlich auch jede Menge spektakuläre Sequenzen mit einstürzenden Gebäuden, Explosionen und allem, was das Abenteurerherz sonst noch so begehrt.

Uncharted 4 verfügt über einen recht umfangreichen Multiplayermodus. Darin kämpfen Nathan und andere Figuren aus der Kampagne gegen- und miteinander. Es gibt vier Spielmodi, darunter Team Deathmatch mit zwei Teams aus bis zu fünf Teilnehmern und Plunder, eine Variante von Capture the Flag. Gespielt wird auf acht Karten, unter anderem auf Island, einer Stadt auf Madagaskar, einer Piratenkolonie und in schottischen Ruinen.

Das ist vergleichsweise komplex und aufwendig: Es gibt zahlreiche Extras – die sogenannten Mysticals, mit denen man Geister beschwören kann, die sich auf Feinde stürzen oder die die Gesundheit wiederherstellen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, vier Arten von computergesteuerten Begleitern an seiner Seite zu rufen: Einen Scharfschützen, einen Medic, einen Tank oder einen leichten und schnellen Jäger.

Deutsche Sprachausgabe und Fazit

All das wird in einem gut gemachten Tutorial erklärt (für dessen Absolvierung es auch eine Trophäe gibt). Länger testen konnten wir den Multiplayermodus für diesen Test noch nicht, weil noch keine echten öffentlichen Server verfügbar waren.

Uncharted 4 – Trailer (Multiplayer, PGW 2015)
Uncharted 4 – Trailer (Multiplayer, PGW 2015) (02:02)

Uncharted 4 erscheint am 10. Mai 2016 nur für die Playstation 4, der Preis liegt bei rund 70 Euro. Auf der Disc befinden sich mehrere Sprachversionen, darunter natürlich auch die deutsche und das englische Original. Die Auswahl erfolgt direkt beim Spielestart, ein Umstellen der Region auf der Konsole ist also nicht nötig.

Die deutsche Sprachausgabe gefällt uns, die Synchronstimmen sind offenbar die gleichen wie in den Vorgängern. Technische Probleme oder gar Abstürze haben wir genauso wenig bemerkt wie Ruckler – das Spiel läuft sehr flüssig, auch in actionreichen Szenen. Die USK hat dem Spiel eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt.

Fazit

Wer die ersten Teile der Uncharted-Reihe kennt, weiß ziemlich genau, was ihn in Teil 4 erwartet – vor allem beim Gameplay. Bei der Handlung geht das Spiel ganz vorsichtig neue Wege, die Spaß machen, aber hier wegen Spoiler-Gefahr nicht weiter Thema sein sollen. A Thief's End ist wieder ein gelungenes, trotz ernster Momente eher unbeschwertes und sehr kurzweiliges Abenteuer mit schönen Menschen in schönen Umgebungen überall auf dem Globus.

Spielerisch wirkt die Mischung aus Klettern und Kämpfen, Schleichen und Fahren oder Fliegen altvertraut, woran auch die minimal größere spielerische Freiheit nicht allzu viel ändert. Uncharted 4 kommt mit noch weniger Frustmomenten aus als die Vorgänger. Irgendwo findet man immer eine gut sichtbare Kante in einem Felsen oder Mauerwerk, an der es für den Protagonisten Nate weitergeht. Wer Herausforderungen sucht, wählt lieber Dark Souls 3 – das übrigens auch sonst in vielem das Gegenteil von Uncharted 4 darstellt.

Grafisch haben uns im jüngsten Werk von Naughty Dog vor allem die Animationen beeindruckt. Stellenweise konnten wir die Gedanken von Sullivan und anderen Figuren an ihrem Polygongesicht ablesen, wie wir das sonst nur von guten Schauspielern im Kino kennen.

In Uncharted 4 ist das doppelt überraschend, weil es das bei den gleichen Charakteren in den Vorgängern so nicht gab. Davon abgesehen ist die Optik wieder sehr gefällig und gelungen. Auch Uncharted 4 ist ein wunderbar inszeniertes, überwiegend kunterbuntes Gute-Laune-Action-Abenteuer mit einer tollen Story geworden.


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