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Umweltverschmutzung: In Auckland regnet es im Jahr drei Millionen Plastikflaschen

Ein Team in Neuseeland hat gemessen, wie viel Mikroplastik in der Luft ist. Die Werte sind bedenklich, und viel kommt wohl aus dem Meer.
/ Werner Pluta
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Regen (Symbolbild): Wie viel  Plastik ist in der Luft? (Bild: Mohammed Abed/AFP via Getty Images))
Regen (Symbolbild): Wie viel Plastik ist in der Luft? Bild: Mohammed Abed/AFP via Getty Images)

Es regnet Plastik vom Himmel: Ein Team der Universität von Auckland hat ermittelt, wie viel Mikroplastik der Regen enthält. Demnach ist die neuseeländische Metropole stärker betroffen als andere Städte der Welt.

Das Team um Joel Rindelaub hatte an zwei Stellen in Auckland jeweils ein Sammelgefäß aufgestellt, eines in der Innenstadt auf dem Dach eines Universitätsgebäudes, das zweite in einem Vorort. Über einen Zeitraum von neun Wochen wurden dort Regentropfen aufgefangen und die Proben anschließend analysiert.

Demnach ist die Luft erfüllt mit Mikroplastikteilchen: Nach Schätzungen des Teams setzen sich an jedem Tag im Schnitt 4.885 Mikroplastikpartikel auf jedem Quadratmeter der Dächer von Auckland ab. Auf ein Jahr gerechnet seien das 74 Tonnen, was in etwa drei Millionen Plastikflaschen entspreche.

Acht Polymere wurden gefunden

Das Team wies acht verschiedene Polymere in den Proben nach. Am häufigsten seien Polyethylen (PE), Polycarbonat (PC) und Polyethylenterephthalat (PET) vorgekommen, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift Environmental Science & Technology(öffnet im neuen Fenster) . Die Partikel hatten unterschiedliche Größen. Die Größe der eingefangenen Partikel änderte sich zudem mit der Windrichtung.

"Je kleiner die von uns untersuchten Größenbereiche waren, desto mehr Mikroplastikpartikel fanden wir" , sagte Rindelaub(öffnet im neuen Fenster) . "Das ist bemerkenswert, denn die kleinsten Größen sind toxikologisch am relevantesten." Nanoplastikpartikel können über die Atemwege in den Körper gelangen und sich in Zellen einlagern.

Auffällig war, dass die Belastung mit Mikroplastik in Auckland deutlich höher war als in anderen Städten, in denen es ähnliche Erhebungen gegeben hatte. So waren 2020 in einer Studie in London 771 Partikel pro Quadratmeter gefunden worden, 2019 in Hamburg 275 und 2016 in Paris 110. Ein Grund dafür könnte sein, dass es noch keine einheitliche Methode zur Erhebung der Daten gibt. Bei der Studie in Auckland wurden mutmaßlich auch feinere Partikel als bei den früheren Untersuchungen erfasst.

Plastik kommt aus dem Meer in die Luft

Dass also die Luft in Auckland so viel stärker belastet ist als in den anderen Städten, ist unwahrscheinlich. Dass sie grundsätzlich höher ist, hält Rindelaub für sehr wahrscheinlich. Grund sei die Lage der Stadt am Hauraki-Golf: Wenn dort die Wellen brechen, werde das Mikroplastik aus dem Wasser in die Luft übertragen.

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Darauf weist auch hin, dass sich bei zunehmendem Wind mehr Partikel in den Sammelbehältern fanden. Die Annahme ist, dass bei stärkerem Wind die Wellen größer werden und es dann zu einer stärkeren Übertragung kommt.

Das Problem könnte damit die Mengen an Plastikmüll in den Meeren sein: "Die Produktion von Mikroplastik in der Luft durch brechende Wellen könnte ein wichtiger Teil des globalen Transports von Mikroplastik sein" , sagt Rindelaub. "Und es könnte helfen zu erklären, wie einige Mikroplastikteile in die Atmosphäre gelangen und an entlegene Orte wie hier in Neuseeland getragen werden."


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