Umweltschutz: Elektroschrott wird immer größeres Problem

Die Menge an Elektrogeräten wächst, viel zu wenig geht ins Recycling. Auch in Deutschland gibt es noch Nachholbedarf.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Elektroschrott in einem Recycling-Zentrum
Elektroschrott in einem Recycling-Zentrum (Bild: Pixabay/CC0 1.0)

Wer schon mal vor einem Kreuzfahrtschiff gestanden hat, der weiß: So ein Schiff ist sehr groß und sehr schwer. Es ist daher kein Zufall, dass die Autoren des Global Waste Monitors 2020 - ein Bericht über das weltweite Problem mit Elektroschrott - ein solches als Vergleichsmaßstab heranziehen. Ihre Rechnung: Man bräuchte 350 Schiffe in der Größe der Queen Mary 2, um all die ausrangierten Monitore, weggeworfenen Handys und entsorgten Kühlschränke aufzuwiegen, die die Menschheit im vergangenen Jahr produziert hat.

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Der globale Berg an Elektroschrott wächst immer weiter, so stellt es der am 2. Juli veröffentlichte Bericht fest. Daran mitgeschrieben haben unter anderem Forscher der Universität der Vereinten Nationen. 2019 seien 53,6 Millionen Tonnen zusammengekommen, was ein Wachstum von 21 Prozent innerhalb von fünf Jahren bedeute. Die Autoren bezeichnen das als Rekord. Und die Prognose sieht nicht anders aus: Im Jahr 2030 seien 74 Millionen Tonnen zu erwarten. Gezählt wird dabei alles, was einen Stecker oder eine Batterie hat.

Immer mehr technische Geräte, immer mehr Käufer

Die Gründe dafür sind vielfältig. Einer ist die technische Innovation: Hersteller denken sich immer neue Dinge aus, die das Leben erleichtern oder auch nur Spielerei sind. "Das ist der wackelnde Hund, das ist das elektrische Werkzeug für den Garten, das sind intelligente Kleidungsstücke, die den Puls messen", sagt Rüdiger Kühr, einer der Mitautoren des Berichts, der Deutschen Presse-Agentur. Ein anderer Grund: Ein größerer Teil der Weltbevölkerung hat mittlerweile die Möglichkeit, sich bestimmte Geräte zu leisten, so Kühr.

Dass aus der großen Masse dann auch schnell viel Schrott wird, liegt an der mitunter kurzen Lebensdauer vieler Geräte. Hinzu kommt, dass es oft nur unter größten Mühen gelingt, sie bei einem Defekt zu reparieren. Einen Zuwachs stellten die Experten unter anderem bei ausrangiertem Equipment fest, das zur Regulierung der Temperatur dient - also zum Beispiel bei Klimaanlagen und Kühlschränken (plus sieben Prozent im Vergleich zu 2014). Pro Kopf betrachtet führt Europa die Statistik an. 16,2 Kilogramm trug durchschnittlich jeder Europäer 2019 zum E-Schrott-Berg bei.

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Das Problem ist dabei nicht nur die Masse, sondern auch, wie mit ihr umgegangen wird. Nach Berechnungen der UN-Experten wurden 2019 nur 17,4 Prozent des produzierten E-Schrotts eingesammelt und recycelt. Die Recycling-Aktivitäten könnten nicht Schritt halten mit der Geschwindigkeit, in der neuer Schrott produziert werde, stellten sie fest. Europa schneidet dabei mit einer Recycling-Quote von 42,5 Prozent noch am besten ab. Asien liegt an zweiter Stelle mit nur 11,7 Prozent. Afrika hat die niedrigste Quote mit 0,9 Prozent.

Wertvolle Rohstoffe gehen verloren

Problematisch ist das, weil in den Geräten noch kostbare Materialien schlummern - Edelmetalle und seltene Erden beispielsweise. Der reine Materialwert des Elektroschrottberges 2019 wird in der Studie mit 57 Milliarden US-Dollar beziffert, einer Summe, die größer ist als das Bruttoinlandsprodukt vieler Länder. Die meisten dieser wertvollen Stoffe landen aktuell aber auf einer Müllkippe oder werden verbrannt.

Auch in Deutschland gebe es noch Nachholbedarf, sagt Mitautor Kühr. "Die Deutschen rühmen sich ja gerne, Weltmeister in der Mülltrennung zu sein." Beim Elektroschrott sei man aber gar nicht so fortschrittlich. Die Sammelquote liege geschätzt bei etwa 50 Prozent. Bürger könnten ihre Alt-Geräte zu Containern, in Fachmärkte und zu Recycling-Zentren bringen, zu oft werde das allerdings nicht genutzt. Vieles wandere einfach so in die Tonne, anderes werde einfach irgendwo abgeladen.

Kühr verweist darauf, dass es bereits ein Umdenken in anderen Umweltbereichen gegeben habe, etwa beim Plastikmüll. "Ich würde mir wünschen, dass das ähnlich auch für Elektroschrott alsbald passiert", sagt er. "Weil wir sonst wirklich auf eine ganz große Krise zulaufen."

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WhiteWisp 03. Jul 2020

Genau da! Brauchst heute gar nicht mehr anfangen irgendwas zu reparieren, da der Aufwand...

NaruHina 03. Jul 2020

Das entsorgen für Privatleute ist in den jährlichen Müllgebühren eingepreist von "gratis...

NaruHina 03. Jul 2020

Elektromärkte sind verpflichtet Elektroschrott zurückzunehmen. Also da wo man neue Geräte...

jankapunkt 02. Jul 2020

Kein Mensch wird Politiker um dem Volke zu dienen.



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