Umstrittene Preiserhöhungen: Sammelklage gegen Dazn am Gericht eingegangen
Die vom Bundesverband der Verbraucherzentralen eingereichte Sammelklage gegen den Sportstreaminganbieter Dazn ist bei Gericht eingegangen und wird am Oberlandesgericht in Hamm verhandelt. Das sagte ein Sprecher des Bundesverbandes auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
Es geht um Preiserhöhungen für das Streamingabo aus den Jahren 2021 und 2022. Falls die Klage Erfolg hat, könnten Abonnenten einen Teil der gezahlten Abogebühren zurückerhalten. Die Verbraucherschützer beklagen die Preiserhöhungsklausel in den Verträgen als intransparent und damit unwirksam.
"Die Klageschrift wird vom Gericht übersetzt und anschließend dem beklagten Unternehmen (...) zugestellt. Wann genau das passiert, können wir leider nicht vorhersagen" , sagte Sebastian Reiling vom Bundesverband. Ein Sprecher des Gerichts bestätigte lediglich den Eingang einer Sammelklage gegen einen Streaminganbieter, ohne einen Namen zu nennen (Az.: 12 VKl 1/24).
Noch kein Termin für Eröffnung des Klageregisters
Nach der Zustellung der Sammelklage in England werde das Klageregister eröffnet, erklärte der Bundesverband. Derzeit könne noch keine Angabe zum weiteren zeitlichen Ablauf gemacht werden. Bis zur Eröffnung des Klageregisters will der VZBV immer wieder aktuelle Informationen auf einer dafür eingerichteten Webseite veröffentlichen(öffnet im neuen Fenster) .
Interessierte und Betroffene können sich vom VZBV per E-Mail über den Stand der Klage und die Eröffnung des Klageregisters informieren(öffnet im neuen Fenster) lassen. Sobald das Klageregister eröffnet ist, können sie sich der Sammelklage anschließen.
Sammelklage wegen drastischer Preiserhöhungen
Die Sammelklage gegen Dazn hatten die Verbraucherschützer Anfang 2023 vorbereitet und im April 2024 eingereicht . Grund für die Klage war eine starke Preiserhöhung für das Dazn-Abo vor zwei Jahren.
Dazn erhöhte die Gebühren für bestehende Abos zum 1. August 2022 deutlich : Die monatlichen Preise stiegen von 14,99 Euro auf 29,99 Euro. Auch die Jahresabos wurden teurer: Ein Jahresabo kostete 274,99 Euro statt der zuvor verlangten 149,99 Euro. Wer sich der Klage anschließt, kann bei Erfolg direkt Rückzahlungen der zu viel gezahlten Abogebühren erhalten. Der Sportstreaminganbieter zeigt unter anderem Begegnungen der Fußballbundesliga und der Champions League.
Gericht erklärte Dazns Nutzungsbedingungen für unzulässig
Das Landgericht München I erklärte die Nutzungsbedingungen für die Preisanpassungen aus dem Jahr 2022 im Juli 2023 für unwirksam . Dagegen legte Dazn Berufung ein. 2023 verloren Netflix und Spotify vor Gericht, weil sie gesetzeswidrig Abopreise ohne Zustimmung der Kunden einseitig ändern wollten . Im Juni 2024 erhöhte Waipu TV die Abopreise ohne Zustimmung der Abonnenten .
Eventuelle spätere Dazn-Preiserhöhungen sind von der aktuellen Sammelklage nicht erfasst. So gab es 2023 zwei weitere Preiserhöhungen. Die erste war im Januar 2023 , die zweite folgte im Juli 2023 . Außerdem verringerte Dazn im vergangenen Jahr die Leistung der Abopakete , so dass Kunden weniger für die höheren Abogebühren erhalten.
Verbraucherschützer bekommen viele Beschwerden zu Dazn
"Saftige Preiserhöhungen in laufenden Verträgen bei Dazn sind für Sportfans nicht nur ärgerlich, sondern ohne Zustimmung der Nutzer*innen auch rechtlich nicht zulässig" , sagte Ramona Pop, Vorständin des Bundesverbands. "Die Preiserhöhungsklauseln, die wir mit der Sammelklage angreifen, sind nach Auffassung des Bundesverbands unangemessen benachteiligend und intransparent. Deshalb sind sie unwirksam."
Im Jahr 2023 erhielt der VZBV nach eigenen Angaben 500 Beschwerden zu Dazn. Das sind etwa siebenmal so viele wie im Jahr 2022, als es die beiden Preiserhöhungen gab. Betroffene beklagen dabei Preiserhöhungen und anderen Änderungen im Vertragsverhältnis, ohne dass sie darüber ausreichend informiert wurden oder ihnen zugestimmt hätten . Einen anschließenden Widerruf lehnte Dazn laut Betroffenen ab .
Für Verbraucher sei es ein Schock, "wenn überraschend höhere Kosten von ihren Konten abgebucht werden. Die Verärgerung ist zu Recht groß" , sagte Pop. "Auch wenn der Streamingmarkt hart umkämpft ist, sollten Anbieter besser mit einem angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen und nicht zu unlauteren Mitteln greifen, um Kund*innen zu gewinnen oder an sich zu binden."
Weitere Vorwürfe gegen Dazn
Dazn-Abonnenten berichteten, dass ihnen die Kündigung des Abos erschwert worden sei: Um den Vertrag zu beenden, mussten Betroffene eigenen Angaben zufolge beispielsweise mit dem Kundenservice chatten. Dabei mussten sie Wartezeiten in Kauf nehmen und im Kundengespräch immer wieder neue Angebote ablehnen.
Die Verbraucherschützer wiesen darauf hin, dass die 500 Beschwerden keinen Rückschluss auf Verbraucherprobleme in der Gesamtbevölkerung erlaubten. Üblicherweise machen Beschwerden an die Verbraucherzentralen nur einen Bruchteil der tatsächlichen Verbraucherprobleme aus, da sich nicht alle Betroffenen an ihre Verbraucherzentrale wenden.
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