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Umrüstung: Wie der Elektromotor in den Diesel-Lkw kommt

Es muss nicht immer ein Streetscooter sein: Ein Fahrzeugbauer an der Mosel rüstet konventionelle Diesel-Lkw auf Elektroantrieb um. Golem.de hat sich die automobile Herztransplantation angeschaut.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Gähnende Leere: ein Mercedes-Sprinter mit entkerntem Motorraum
Gähnende Leere: ein Mercedes-Sprinter mit entkerntem Motorraum (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Der Mercedes-Sprinter, der am Berliner Gendarmenmarkt um die Ecke kommt, fährt für einen Transporter erstaunlich leise. Selbst beim Anfahren ist kein typisches Motorgeräusch zu hören. Beim genauen Hinsehen fällt auf, dass mit dem Transporter der Pin AG irgendetwas nicht stimmt. Statt des Mercedes-Sterns findet sich ein blaues E auf der Motorhaube. An der Rückwand klebt das Schild "Powered by Orten Electric Trucks". Die großen Batteriekästen unter dem Rahmen machen deutlich: Hier fährt offenbar ein konventioneller Lkw, der auf einen Elektroantrieb umgerüstet wurde.

Inhalt:
  1. Umrüstung: Wie der Elektromotor in den Diesel-Lkw kommt
  2. Besonders sichere Akkus
  3. Fördert Bundesregierung die hohen Umbaukosten?

Ist das schon ein Vorgriff auf drohende Dieselfahrverbote? Und wo kommen diese Fahrzeuge her?

Wer die Firma Orten Fahrzeugtechnik besuchen will, muss weit in eine rheinland-pfälzische Region fahren, die nicht gerade für ihre Autoproduktion bekannt ist. Unter der Baustelle für den umstrittenen Hochmoselübergang hindurch geht es zum Firmengelände in den Weinbergen zwischen Wehlen und Bernkastel-Kues. Mit den beiden Moselorten verbinden Kenner eher erstklassige Riesling-Weine. Doch schräg gegenüber der Wehlener Sonnenuhr stehen keine Weintransporter, sondern Dutzende von Lkw mit verschiedenen Aufbauten auf dem Parkplatz. Das mittelständische Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitern ist auf besondere Aufbauten für die Getränkeindustrie und Transportlogistik spezialisiert. Und inzwischen auf die Umrüstung von Diesel-Lkw.

Automobile Herztransplantation

Vor einer Montagehalle stehen ein umgebauter 7,5-Tonner auf Basis eines Mercedes Atego sowie ein Sprinter mit den verräterischen Batteriekästen unter dem Aufbau. In der Halle selbst ist ein völlig entkernter Sprinter zu sehen, bei dem neue Kabelstränge quer durch die Führerkabine laufen. Der Dieselmotor ist bereits entfernt worden. Im Motorraum ist schon der eingebaute Elektromotor zu sehen. Auf mehreren Verstrebungen wird später die Steuerungselektronik montiert. Wie automobile Herztransplanteure müssen sich die Mechaniker vorkommen.

  • Beim Umrüsten eines Dieselfahrzeugs auf Elektroantrieb muss die komplette Steuerung neu verkabelt werden. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Im Armaturenbrett finden sich später ein zusätzliches Display und einige Schalter. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Im entkernten Motorraum entsteht Platz für den Elektromotor und die Steuerungselektronik. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Elektromotor hat eine Leistung von bis zu 90 Kilowatt und ein großes Drehmoment von 1.150 Newtonmeter. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • An der Seite ist Platz für die Batteriekästen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der ET 35M von Orten ist ein umgebauter Mercedes Sprinter 513 CDI. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Batterien haben eine Kapazität von bis zu 87 Kilowattstunden. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Akku lässt sich mit bis zu 22 Kilowatt mit einem Typ-2-Stecker aufladen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Eine zusätzliche Heizung lässt sich an das Stromnetz anschließen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Aus dem Mercedes-Stern wird ein blaues E. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Display überwacht den Ladezustand der Batterien. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Ein ungewöhnlicher Gangschaltungshebel. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Kippschalter für die Innenraumheizung. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Notschalter trennt das elektrische System. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die komplette Steuerung stammt von dem baden-württembergischen Unternehmen Efas. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Anfangsprobleme des Systems scheinen überwunden zu sein. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Neben kleineren Transportern baut Orten auch 7,5-Tonner um. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Platz für die Lithium-Eisenphospat-Batterien ist reichlich vorhanden. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Pin Mail AG liefert im Auftrag von TNT für die Luxusmarke Gucci Produkte in Berlin aus. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Unweit vom umstrittenen Hochmoselübergang bei Zeltingen befindet sich das Firmengelände von Orten in Bernkastel-Kues. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
Beim Umrüsten eines Dieselfahrzeugs auf Elektroantrieb muss die komplette Steuerung neu verkabelt werden. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
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Der Durchgang durch die Fertigungshallen macht deutlich: Ein Massengeschäft ist die Umrüstung von Diesel-Lkws für Orten noch nicht. Ohnehin stellt sich die Frage, wie sinnvoll der Umbau solcher Fahrzeuge ist. Wäre es nicht besser, auf neue Elektro-Lkw zu warten, wie sie inzwischen von Mercedes-Benz angekündigt wurden? Oder gar einen der günstigen Streetscooter der Deutschen Post zu kaufen?

Umbau dauert sechs Monate

Firmenchef Richard Orten sieht das naturgemäß anders. "Statt weitere Jahre zu warten, können Unternehmen mit der Umrüstung des bestehenden Fuhrparks innerhalb von sechs Monaten auf E-Antrieb umstellen. Die Elektrifizierung verleiht dem Bestandsfahrzeug ein zweites Leben - mit gleicher Nutzlast und dem vertrauten Komfort des Bestandsfahrzeugs", sagt er.

Während die Fahrer des Streetscooters bisweilen an den neu entwickelten Transportern verzweifeln, müssen sie sich bei den umgerüsteten Fahrzeugen im Grunde nicht umstellen. Der ET 35M von Orten ist beispielsweise ein umgebauter Sprinter 513 CDI. Dieser verfügt über eine Lithium-Eisenphospat-Batterie mit einer Kapazität von bis zu 87 Kilowattstunden (kWh).

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Trollversteher 14. Dez 2017

Oh, die böse Lobby will das nicht - und die Lobby hält dann wohl auch die Kunden davon...

montagen2002 14. Dez 2017

Postautos mit Elektroantrieb gab es schon in den 20-er Jahren

montagen2002 14. Dez 2017

Seit wann ist der Sprinter ein "LKW"? Weder von der Tonnage her noch von der Motor...

DaChicken 08. Dez 2017

Abgesehen von der Optik erwecken die keinen soliden Eindruck...

matzems 03. Dez 2017

Sicher im Einzelfall für Bastler interessant bei einem guten erhaltenem lkw mit...


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