Ultrakurzdistanz-Projektoren im Test: TV-Ersatz mit Laserlicht
Im vergangenen Jahr haben wir drei Ultrakurzdistanzprojektoren mit Laser-Lichtquelle getestet (g+) und waren von Bild- und Tonqualität sowie der einfachen Handhabung begeistert. Weil die drei damaligen Modelle preislich mehr als 1.000 Euro auseinanderlagen, war ein direkter Vergleich eher schwierig.
Unser Testfeld für dieses Jahr ist näher zusammen: Alle drei Projektoren, die wir ausprobieren konnten, kosten weniger als 2.500 Euro. Daher fiel es uns recht leicht, einen klaren Gewinner zu küren, der neben seiner Leistung auch durch den Preis überzeugte.
Bei sämtlichen Ultrakurzdistanzgeräten bleibt zu beachten: Eine Leinwand oder eine professionell gespachtelte extrem gerade Wand mit reflektierender Beschichtung sind unbedingt empfehlenswert, außerdem verbrauchen die Projektoren mehr Strom als Fernseher. Diese zusätzlichen Kosten sollten vor der Anschaffung eingepreist werden.
Die Vorteile der Geräte im Vergleich zu herkömmlichen Modellen (g+) sind ein sehr helles Bild über eine Fläche von bis zu 120 Zoll bei geringem Platzbedarf, ein flexibler Aufbau und im besten Fall der Verzicht auf eine Soundbar oder Stereoanlage. Leider kommt gerade Letzteres bei einem der von uns getesteten Beamer nicht zum Tragen – aber stellen wir zunächst die Kandidaten vor.
LG ist mit dem CineBeam HU715QW(öffnet im neuen Fenster) vertreten, der wie alle von uns getesteten Projektoren bis zu 4K Auflösung per Pixel-Shift(öffnet im neuen Fenster) und HDR10 beherrscht. Von Acer konnten wir den ApexVision L811(öffnet im neuen Fenster) ausprobieren. Dritter im Bunde ist der XGIMI Aura(öffnet im neuen Fenster) .

Alle drei Projektoren sollen einen herkömmlichen Fernseher ersetzen können und kommen deshalb mit Smart-TV-Funktionen sowie Bluetooth, WLAN und einem RJ-45-Anschluss für kabelgebundenes Netzwerk. Die drei Hersteller geben die Lebensdauer des Leuchtmittels je nach verwendetem Bildmodus und Helligkeit mit 20.000-30.000 Stunden an, es kann nicht gewechselt werden.
Auch wenn ein geringerer Platzverbrauch im Wohnzimmer wohl eines der Argumente für Projektoren sein dürfte: Handlich sind die Beamer nicht gerade. Am voluminösesten und schwersten ist der XGIMI Aura, gefolgt vom CineBeam HU715QW. Acers L811 ist mit Abstand am kleinsten, was ihn auch als einzigen im Test problemlos transportabel macht. Die genauen Werte finden sich in einer Tabelle am Ende dieses Artikels.
ApexVision L811 mit schwachem Ton
Schalten wir den Acer L811 ein, bekommen wir in weniger als 20 Sekunden ein Bild, das je nach eingestelltem Modus bei maximaler Helligkeit einen leichten Grünstich zeigt. Ein hörbares Rauschen und ein leichtes Schnarren des DLP-Chips sind in allen Bildmodi außer dem leiseren Eco-Modus zu vernehmen. Der Hersteller gibt 3.000 ANSI-Lumen an – subjektiv ist der Projektor aber nicht heller als die anderen zwei Geräte im Test, die sich eher im 2.500-ANSI-Lumen-Bereich befinden.
Der kompakte weiße Projektor hat als einziger im Test externe Bedienelemente. So können alle Menüeinstellungen und der Wechsel der Quelle auch ohne Fernbedienung vorgenommen werden. Damit eignet sich der L811 unserer Meinung nach als einziger im Test für Büro oder Schule. Die klassisch gestaltete Fernbedienung mit vielen leicht identifizierbaren Funktionsknöpfen unterstreicht das, sie ist allerdings nicht beleuchtet. Die Auswahl der Anschlüsse fällt mit zwei HDMI, USB-C und -A, LAN, S/PDIF und Audioklinke eher schmal aus.
Beim Einrichten ist die integrierte Software des Acer L811 keine große Hilfe, weder der motorisierte Fokus noch die Kantenausrichtung sind automatisiert. Die Trapezkorrektur wird durch eine Anpassung der vier Bildecken ergänzt. Aber auch außerhalb der Menüs schwächelt das System: Es handelt sich um ein angepasstes Android 9 mit dem alternativen Appstore Aptoide. Wir starteten probehalber Youtube, fanden jedoch die Bedienung und auch die Wiedergabe von 4K-Material zu hakelig. Als Smart-TV ist der Acer unserer Meinung nach nicht zu gebrauchen.
Farbstich und Farbabstimmung
Hat man sich damit abgefunden und schließt eine reguläre Quelle an einen der nur zwei verfügbaren HDMI-Ports an, wird man mit einem scharfen und großflächigen Bild belohnt. Die Menüeinstellungen für Farbanpassungen sind vielfältig, das ist wegen des bereits erwähnten Grünstichs im hellsten Modus auch nötig. Dafür gibt es einen 240-Hz-Modus in 1080p und dann ist der Input-Lag mit 10 ms sehr niedrig.
Eine unangenehme Überraschung erlebten wir bei der Tonwiedergabe: Der Sound, der beim Acer L811 aus den Stereolautsprechern kommt, ist so blechern, dass das Fehlen einer Funktion als Bluetooth-Speaker verschmerzbar ist. Die beiden verbauten 10-Watt-Stereoboxen erzeugen keinen voluminösen Klang, die Bässe sind sehr schwach. Zwar klingt der Projektor immer noch weitaus angenehmer als normale Fernseher – aber lange nicht so gut wie die anderen von uns getesteten Ultrakurzdistanzprojektoren.
Der subjektiv wahrnehmbare Regenbogeneffekt(öffnet im neuen Fenster) ist ausgeprägt, eine automatische Abschaltung der Lichtquelle zum Augenschutz gibt es nicht. Dafür punktet der Acer L811 mit 3D-Funktionen, alle üblichen Darstellungsvarianten werden mit einer normalen IR-Shutterbrille unterstützt. Daran mangelt es dem nächsten Projektor leider.
LG und XGIMI überzeugen
LGs CineBeam HU715QW kann zwar kein 3D, bietet aber im Vergleich zum Modell von Acer eher das, was wir von einem Smart-TV-Ersatz erwarten würden.
Das beginnt schon bei der Einrichtung: In unter 15 Sekunden nach Drücken des Ein-Schalters auf der Fernbedienung oder am Gerät erstrahlt ein helles Bild und der Projektor führt uns durch die nötigen Einstellungen. Zwar sind einige Einverständniserklärungen für die smarten Funktionen abzunicken, aber das System WebOS bietet im Gegenzug die von LG gewohnten Annehmlichkeiten. Alle wichtigen Streaminganbieter, eigene Apps, ein gut gemachter Youtube-Client und sogar ein nutzbarer Webbrowser sind vorhanden.
Darin lässt sich – wie im gesamten System – sehr gut mit der beleuchteten Fernbedienung navigieren. Diese hat neben jeder Menge dedizierter Knöpfe auch Bewegungssensoren. So kann man einen Mauszeiger wie mit einer Wiimote präzise auf der Leinwand steuern.
Die Anschlüsse fallen mit dreimal HDMI, zweimal USB, digitalem Audio und LAN nicht besonders üppig aus. Dafür kann der Projektor auch als Bluetooth-Speaker genutzt werden – wahlweise mit ausgeschaltetem Leuchtmittel. Das lohnt sich in diesem Fall sogar. Der Sound ist wesentlich besser als beim Acer L811, das leichte Rauschen des Lüfters stört nicht. Was wir bei der Bluetooth-Einrichtung positiv bemerkten: Es können zwei Geräte für die Ausgabe parallel gekoppelt werden, was Filmgenuss per Kopfhörer für zwei Personen gleichzeitig ermöglicht.
Schick und schnörkellos
Das Bild ist mit angegebenen 2.500 ANSI-Lumen auch bei Tageslicht noch ansehnlich, im hellsten Modus gibt es aber ebenfalls einen leichten Grünstich. Der subjektiv wahrgenommene Regenbogeneffekt war geringer als beim Acer L811. Die Latenz ist je nach Eingangssignal mit zwischen 50 und 60 ms für Spiele geeignet. Es gibt sogar einen Gaming-Modus inklusive weiterer Einstellungen. Fokus, Trapez- und Bildkantenkorrektur mit bis zu 15 Punkten sind intuitiv gelöst und dank der hervorragenden Fernbedienung schnell erreichbar. Eine automatische Abschaltung der Lichtquelle zum Augenschutz gibt es nicht.
Das schlichte weiße Gehäuse mit seiner kantigen Form und der grauen Stoffbespannung vor den zwei 20-Watt-Lautsprechern gefällt uns von allen drei Geräten am besten. Der dritte Testkandidat trägt da etwas mehr auf.
Aura mit bestem Klang
Der XGIMI Aura lässt sich wohl am ehesten als schwarz-silberner Koloss beschreiben. Er ist mit Abstand der voluminöseste Projektor im Test, gleichzeitig auch der lauteste – und leiseste.
An der Frontseite des Projektors befindet sich neben dem Netzschalter auch noch ein einzelner USB-Port, der die rückseitigen drei HDMI-, zwei USB- und digitalen sowie analogen Audioanschlüsse sinnvoll ergänzt.
In unter zehn Sekunden haben wir nach dem Einschalten ein nach Herstellerangaben 2.400 ANSI-Lumen helles Bild auf der Leinwand. Weil der Aura mit Android TV 10 ausgeliefert wird, ist die Einrichtung ähnlich wie beim LG CineBeam mit einer Einverständniserklärung zur Datenverarbeitung verbunden. Das System selbst ist zügig mit der sehr einfach gehaltenen und unbeleuchteten Fernbedienung navigierbar. Die Optionen für die Bildkorrektur umfassen neben Fokus und Trapez eine 8-Punkt-Anpassung des Bildes. Auch wenn Android TV sich mit den üblichen Streamingdiensten, vielen Apps und natürlich Youtube gut präsentiert, ist es nicht ganz so flott und umfangreich wie das von LG genutzte WebOS.
Das ist aber schnell vergessen, wenn wir ein Video starten. Der Klang des XGIMI Aura übertrifft die beiden anderen Geräte im Test um Längen. Wir würden in diesem Fall so weit gehen zu sagen, dass eine Stereoanlage überflüssig wird. Lediglich extrem tiefe Bässe wie in diesem Track bei Sekunde 20(öffnet im neuen Fenster) können die vier verbauten Lautsprecher nicht abbilden. Dass sich der Projektor auch als Bluetooth-Speaker nutzen lässt, ist positiv, aber leider kann die Lichtquelle nicht abgeschaltet werden.
Augenschutz integriert
Die Bildqualität ist ebenbürtig mit der des LG CineBeam, aber ohne den Grünstich im hellsten Modus. Eine Gaming-Option gibt es hier ebenfalls, die Latenz beim Spielen liegt bei 35-45 ms. Das Bild wirkt in diesem Modus weniger geschärft. 3D-Inhalte können in den üblichen Formaten angezeigt werden. Der Projektor hat für uns den am wenigsten wahrnehmbaren Regenbogeneffekt aller drei Geräte. Hörbar ist der Beamer kaum, sein leises Rauschen störte uns nicht.
Der Aura hat eine Augenschutzfunktion, die die Lichtquelle blitzschnell abschaltet, sobald sich etwas in den Lichtstrahl bewegt. Unser einziger wirklicher Kritikpunkt sind die wenigen Menüoptionen für die Bildkalibrierung. Projektor-Profis suchen hier vergeblich nach tiefergehenden Einstellungen.
Der XGIMI Aura ist für uns ein vollwertiger TV-Ersatz, der seine Soundbar auch gleich noch mitbringt.
Verfügbarkeit und Fazit
Verfügbarkeit
Der ApexVision L811 ist für rund 2.500 Euro erhältlich, LGs CineBeam HU715QW kostet genauso viel und der XGIMI Aura wird derzeit für rund 2.330 Euro angeboten.
Fazit
Unser Testsieger ist klar der XGIMI Aura. Er teilt sich die Spitze in puncto Bildqualität mit dem LG CineBeam HU715QW und kann ebenso wie dieser als vollwertiger TV durchgehen. Sein einzigartiger raumfüllender Klang, das leise Betriebsgeräusch und die schnelle Einsatzbereitschaft aus dem Standby qualifizieren ihn als unsere Referenz für die Geräteklasse. Dass er auch noch am preisgünstigsten ist, rundet das Bild ab.
Der CineBeam HU715QW von LG hat unserer Meinung nach das beste Betriebssystem aus dem Testfeld und auch sein Design spricht uns an. Die beleuchtete Fernbedienung mit Bewegungssteuerung macht die Navigation leicht und der integrierte Browser ist gut nutzbar. Lediglich die fehlende 3D-Unterstützung finden wir kritikwürdig.
Den ApexVision L811 sehen wir im Gegensatz zum Hersteller nicht als TV-Ersatz. Dank seiner verhältnismäßig kompakten Maße und dem Bedienfeld am Gerät würden wir ihn eher im Büro oder einer Bildungseinrichtung einsetzen: Zu schmal sind die Smart-TV-Funktionen, zu blechern der Klang. Dafür punktet er mit Flexibilität und seine geringere Farbtreue spielt in den genannten Einsatzszenarien keine Rolle.
| Acer ApexVision L811 | LG CineBeam HU715QW | XGIMI Aura | |
|---|---|---|---|
| Lichtstärke in ANSI-Lumen | 3.000 | 2.500 | 2.400 |
| Farbraumabdeckung Rec. 709 | Keine Angabe | Keine Angabe | 90 % |
| Maximale Bilddiagonale | 305 cm | 305 cm | 305 cm |
| Anschlüsse | HDMI 2.0, USB 2.0, RJ 45, Klinke, Optisch | HDMI 2.0, USB 2.0, RJ 45, Klinke, Optisch | HDMI 2.0, USB 2.0, RJ 45, Klinke, Optisch |
| Funk | WLAN, Bluetooth | WLAN, Bluetooth | WLAN, Bluetooth |
| 3D | Ja | Nein | Ja |
| Stromverbrauch | Bis zu 370 Watt | Bis zu 350 Watt | Bis zu 350 Watt |
| Lautsprecher Anzahl/Watt | 2/10 Watt | 2/20 Watt | 4/15 Watt |
| Lebensdauer Leuchtmittel | Bis zu 30.000 Stunden | Bis zu 30.000 Stunden | Bis zu 25.000 Stunden |
| Gewicht | 7,7 kg | 11,1 kg | 11 kg |
| Maße | 158 x 429 x 389 mm | 533 x 315 x 153 mm | 606 x 401 x 139.5mm |
| Max. Auflösung/ Technologie | 3.840 x 2.160 60p/Pixel Shift | 3.840 x 2.160 60p/Pixel Shift | 3.840 x 2.160 60p/Pixel Shift |
Alle getesteten Geräte sind mit maximal drei HDMI-Ports und ohne Tuner auf Anschlussseite unserer Meinung nach eher unterversorgt. Außerdem bleibt zu beachten, dass im Gegensatz zu einem Fernseher weitere Anschaffungskosten durch eine Leinwand entstehen. Ob das riesige Bild und der freiwerdende Platz im Wohnzimmer den prinzipbedingten Mangel an Schwarzwerten und den erhöhten Stromverbrauch wettmachen, ist natürlich Ansichtssache.
Unser Wunsch nach preiswerteren Ultrakurzdistanzprojektoren nach dem Test (g+) im letzten Jahr hat sich 2022 zumindest teilweise erfüllt. Gute Geräte sind nun schon für weit unter 3.000 Euro erhältlich, wenngleich sie in puncto Farbtreue durch lediglich eine einzelne Laserlichtquelle den teureren Modellen unterliegen. Ob sich die Preise schon in dieser Gerätekategorie in den kommenden zwölf Monaten der 1.000-Euro-Marke annähern, bleibt abzuwarten. Wir sind dann auf jeden Fall mit einem neuen Test dabei.
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