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Ultrabook T431s: Lenovo wagt Modernisierung des Thinkpad-Designs

Mit dem T431s stellt Lenovo das erste Thinkpad seit über 20 Jahren vor, bei dem prägende Stilelemente verändert wurden. Das Unternehmen will damit nicht nur Trends folgen, sondern hat vorher genau die Bedürfnisse von Anwendern untersucht.
/ Nico Ernst
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Seit sie 1992 von IBM auf den Markt gebracht wurden, gelten die Thinkpads(öffnet im neuen Fenster) vor allem wegen Design und Verarbeitung als Notebook-Klassiker. Mit einigen der Traditionen bricht Lenovo, seit 2004 Eigentümer der Marke, nun aber ganz bewusst, wie Engadget(öffnet im neuen Fenster) berichtet.

Auf den ersten Blick – der bei den stilisierten Pressefotos trügen kann – fällt die Farbe auf. Statt tiefschwarz ist das neue T431s eher bleistiftgrau. Die Oberfläche, die bei Thinkpads stets mit einer rutschfesten Beschichtung versehen ist, hat sich allerdings nicht geändert.

Von den drei auffallendsten Designelementen, die auch noch farblich hervorhoben sind, gibt es nur noch zwei: Die Displayscharniere sind immer noch silbern und der rote Trackpoint-Stick als Mausersatz in der Mitte der Tastatur existiert auch noch. Die bisherigen Maustasten, die mal oberhalb und mal unterhalb der Tastatur zusammen mit einem weiteren Bedienungselement angeordnet waren, sind verschwunden. Das erste Thinkpad-Ultrabook T430 besaß die Multi-Buttons noch.

Stattdessen sind in dem Touchpad nun wie bei anderen Notebooks Klickflächen integriert. Wie Lenovo Engadget sagte, war das notwendig, um das Touchpad insgesamt größer zu machen. Das wiederum ist eine Voraussetzung, um mit Mausgesten vernünftig arbeiten zu können. Gleich 20 dieser Gesten soll das Touchpad beherrschen und damit Windows 8 voll gerecht werden. Dazu soll Lenovo zwei Jahre lang mit dem Touchpad-Hersteller Synaptics an einem speziellen Treiber gearbeitet haben.

Diese Unterordnung von Design zugunsten der Funktion ist ein Beispiel dafür, wie Lenovo die Bedürfnisse von Anwendern einschätzt. Dem Unternehmen zufolge wurden dabei Anwender aus Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Indien, Japan, Mexiko, Russland und den USA 18 Monate lang bei der Arbeit mit Prototypen beobachtet. Echte Thinkpad-Fans machten dabei den kleinsten Teil der Gruppe aus, die Mehrzahl waren für Neuheiten aufgeschlossene Anwender und Notebook-Benutzer, die Thinkpads bisher ablehnten.

Ethernet und VGA, aber nur zweimal USB

Ein von langjährigen Nutzern der Lenovo-Notebooks besonders geschätztes Feature soll sich nicht verändert haben: der charakteristisch recht harte und präzise Anschlag der Tastatur. Dennoch hat sie Lenovo nun im Chiclet-Design mit voneinander abgesetzten Tasten gestaltet. Neu ist auch die Beschriftung der Funktionstasten: Statt F1 bis F12 sind die typischen Steuerfunktionen für Medien, Display und WLAN größer aufgedruckt. Das ist nicht nur Zierrat. Statt der anwendungsspezifischen Funktion von F1 lässt sich beispielsweise auch ohne Festhalten der Fn-Taste der Ton abschalten. Ob die F-Tasten oder die Notebookfunktionen direkt ausgelöst werden sollen, lässt sich im Treiber einstellen. Die Fn-Taste dient dann als Umschalter in beide Richtungen.

Da auch das T431s immer noch als Geschäftskunden-Notebook vorgesehen ist, bleiben einige für diese Zielgruppe wichtige Merkmale erhalten. So gibt es für den Anschluss an ältere Projektoren immer noch einen VGA-Port – aber schon mit der nächsten Generation will Lenovo die betagte Schnittstelle abschaffen. Ebenfalls nicht mehr selbstverständlich, gerade bei Ultrabooks, ist ein normaler Ethernet-Port, und auch das matte 14-Zoll-Display muss man in dieser Gerätekategorie oft suchen. Dabei handelt es sich nicht um einen Touchscreen, dessen Funktion soll das große Touchpad ersetzen. Das Display mit 1.600 x 900 Pixeln lässt sich um 180 Grad aufklappen, das Thinkpad kann so völlig flach auf einen Tisch gelegt werden.

Als digitalen Ausgang gibt es einen Displayport, durch die anderen Schnittstellen blieb nur Platz für zwei USB-3.0-Anschlüsse. Als Plattform dient Intels Core-i-3000 (Ivy Bridge) mit Core i5 oder i7 in den sparsamen U-Versionen. Der Speicher kann 4 bis 12 GByte groß sein, der Akku mit 47 Wattstunden ist wie bei Ultrabooks üblich fest verbaut. Auffällig: Auch mit mechanischen Festplatten kann das T431s bestellt werden, nicht nur mit SSDs. Das Gerät ist mit 1,63 Kilogramm sehr leicht.

Im April 2013 soll es ausgeliefert werden. Zu den Preisen sagt Lenovo bisher nur, dass die kleinste Konfiguration 949 US-Dollar kosten soll. In Deutschland ist für mittlere Bestückungen mit einem Core i5 und kleiner SSD also wohl von deutlich über 1.000 Euro auszugehen.

Nachtrag vom 18. März 2013, 16:10 Uhr

Die Bildergalerie zu dieser Meldung wurde um drei neue Fotos von Lenovo ergänzt. Dabei ist auch die linke Seite des T431s zu sehen, dort sitzen von hinten her gesehen der Reihe nach die rechteckige Strombuchse, Ethernet, VGA, USB und der Headset-Anschluss. Auch inklusive einer Maus kann der Anwender so die meistbenötigten Kabel für den Einsatz am Schreibtisch links anstecken, was Rechtshänder bevorzugen, weil die Maus rechts vom Notebook verwendet wird. Externe Monitore müssen aber rechts angesteckt werden.

Auch einen deutschen Preis hat Lenovo nun genannt, die kleinste Konfiguration soll 1.469 Euro plus Mehrwertsteuer kosten. Welche Bestückung damit gemeint ist und ob sie sich von der in den USA für 949 US-Dollar (zuzüglich von örtlich variierenden Steuern) angebotenen Konfiguration unterscheidet, hat Lenovo noch nicht bekanntgegeben.

Nachtrag vom 19. März 2013, 14:20 Uhr

Lenovo hat Golem.de einige Details der für 1.469 Euro plus MwSt. angebotenen Konfiguration genannt. Ob es sich tatsächlich um die kleinste Ausstattung handeln wird, die in Deutschland angeboten wird, steht noch nicht fest.

Vermutlich handelt es sich eher um eine Konfiguration der Mittelklasse für professionelle Anwender, denn das UMTS-Modem 5321w von Ericsson ist als Mini-PCIe-Karte bereits integriert. Dieses Funkmodul gibt es auch für bisherige Thinkpads. Zudem wird das T431s zu dem genannten Preis mit zwei Betriebssystemen geliefert: Windows 7 Professional 64 Bit ist vorinstalliert, die entsprechende Version von Windows 8 liegt als DVD samt Lizenz bei. Das ist für Unternehmen, die ihre eigene Software intern noch nicht für Windows 8 zertifiziert haben, von Vorteil.

Der Rest der Ausstattung entspricht eher einem Ultrabook der Einstiegsklasse: Intels Core i5-3437U mit 1,9 bis 2,9 GHz dient als Prozessor und mit HD Graphics 4000 als Grafiklösung, eine 180 GByte kleine SSD von Intel mit lediglich 3-GBit-Sata als Massenspeicher. Der Arbeitsspeicher aus DDR3-1600-DRAM ist 4 GByte groß.

Ein interessantes Detail zum RAM hat Lenovo auch bestätigt: Die neuen Thinkpads besitzen 4 GByte auf dem Mainboard verlöteten Speicher sowie einen SO-DIMM-Slot, über den aufgerüstet werden kann. So ergeben sich auch die bisher genannten 12 GByte Maximalbestückung aus den fest installierten 4 GByte und einem 8-GByte-Modul. Ob auch das Laufwerk selbst getauscht werden kann, ist noch nicht bekannt – aber angesichts der Aufrüstmöglichkeiten für den Speicher und die Erfahrungen mit bisherigen Thinkpads recht wahrscheinlich.


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