Ultra-HD-Blu-ray-Disc: Viele Unklarheiten rund um die neue 4K-Blu-ray

Die Marketingaktivitäten für die Ultra-HD-Blu-ray beginnen langsam. Ganz langsam. Die Packung ist definiert und die neuen Blu-ray-Discs mit einer Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixeln erkennt der Kunde zumindest in den USA an einer schwarzen Hülle und einem Logo mit dem Schriftzug "4K UltraHD" im oberen Bereich. Bekannt wurde das insbesondere durch Amazon USA und nicht etwa durch das Blu-ray-Konsortium.
Dabei stehen die Spezifikationen bereits seit Mai 2015 offiziell zur Verfügung . Die Zeit reichte aber offenbar nicht aus, um zumindest nach dem verpassten Weihnachtsfest etwas mehr Informationen über die offiziellen Kanäle preiszugeben. Weder Filmvertriebe noch das Konsortium geben sich so richtig Mühe. Allenfalls die Hardwarehersteller gehen offensiv auf die Kunden zu. Den Rest macht mehr oder weniger indirekt Amazon.
Bei Amazon USA lassen sich nämlich die neuen Discs bereits vorbestellen. Rund 30 US-Dollar plus Steuern verlangt der Onlinehändler. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt eigentlich bei rund 40 US-Dollar. Damit kostet eine UHD-Veröffentlichung bei Amazon etwa 7 US-Dollar mehr als eine vergleichbare Blu-ray-Neuveröffentlichung. Eine Suche nach 4K-Titeln(öffnet im neuen Fenster) zeigt zwar fast 40 Filme, doch nicht alle sind wirklich 4k.
Was ist eigentlich eine 4K-Blu-ray?
In der Liste sind auch Titel, die "mastered in 4K" oder "filmed in 4K" sind und nur auf normaler Blu-ray-Disc abgespeichert wurden. Hier zeigt sich, dass die Vermarktung von 4K an solchen Zwischenlösungen leidet. Zudem sorgt das 4K unter Filmfans für einige Diskussionen, denn es gibt verschiedene 4K-Formate und das 4K-Format auf der Blu-ray-Disc schafft nur kaufmännisch gerundet die 4.000 Pixel in der Breite. Aber es ist zumindest dicht dran an den 4.000 Pixeln, und typische 4K-Fernseher bieten auch keine höhere Auflösung.
Eine Microsite ist alles, was das Blu-ray-Konsortium für die Ultra-HD-Blu-ray anbietet
Dass sich die Macher der 4K-Blu-ray keine Mühe damit geben, das Format bekanntzumachen, zeigt insbesondere die mangelhafte Aktivität des zuständigen Konsortiums. Die Blu-ray Disc Association hat beispielsweise erst am 13. Januar das Jahr 2016 als das Jahr der Ultra-HD-Blu-ray(öffnet im neuen Fenster) ausgerufen. Über einen simplen, offiziellen Blogeintrag und die neue Microsite uhdbdinnumbers.com(öffnet im neuen Fenster) , die oberflächlich die Vorteile des neuen Formats anpreist, erfährt der Interessent so gut wie nichts über das, was da kommt. Eine Liste der bald verfügbaren Software sucht man dort vergeblich. Es gibt nur einen Verweis auf andere Webseiten, die darüber berichten. Selbiges gilt für die offizielle deutsche Seite(öffnet im neuen Fenster) , auf die die Blu-ray Association verweist.
The Martian, Kingsman und Hitman Agent 47 erscheinen als Ultra-HD-Blu-ray-Disc
Dabei gibt es schon einige Vorzeigetitel. Zu den ersten gehören unter anderem The Martian, Chappie, Kingsman und Hitman Agent 47. Titel wie Hancock, Salt und X-Men: Days of the Future Past oder Fantastic Four sind sogar schon recht alt. Den Anfang machen allerdings erstaunlich viele Titel, die schon länger als Blu-ray-Disc verfügbar sind. Wie gut die Bildqualität tatsächlich ist, wird man frühestens im März erfahren. Bis dahin haben die Studios noch Zeit, ihre Discs für 4K und HDR vorzubereiten, was ersten Informationen zufolge aber nicht allen gelingen wird(öffnet im neuen Fenster) . Es stellt sich dabei vor allem die Frage, wie viel Mühe sich die Studios geben – in Zeiten, in denen selbst das Erstellen von regulären Blu-rays zu einem unangenehmen Kostenfaktor wird und sich TV-Studios mitunter zurückziehen . Interessanterweise gibt es mittlerweile aber auch einen neuen Weg: SD auf Blu-ray(öffnet im neuen Fenster) , wo sich das Medium anscheinend trotzdem lohnt. Immerhin spart der Hersteller so ein paar Discs.
Die Hardwarehersteller geben sich mehr Mühe
Bei der Hardware sieht es bisher nicht sehr erfreulich aus. Aber immerhin gibt es offensive Ankündigungen. Samsungs UBD-K8500(öffnet im neuen Fenster) ist einer der wenigen bereits vorbestellbaren Player und wurde von Samsung sogar schon auf der Ifa 2015 dem Publikum gezeigt. In den USA wird er bei Amazon für rund 400 US-Dollar gelistet und soll bereits Mitte Februar erscheinen. Preislich liegt er im Bereich von einigen Oberklasse-Blu-ray-Playern, die dann beispielsweise noch Sonderfunktionen wie das Abspielen von SA-CDs ermöglichen.
Ausstattungstechnisch fällt der Player aber in den Bereich der Einstiegsgeräte. Zwei HDMI-Anschlüsse, ein LAN-Anschluss sowie ein USB-Anschluss sind nicht besonders viel. Immerhin gibt es einen S/PDIF-Ausgang an der Rückseite, und auch WLAN-tauglich ist das Gerät. Besitzer einer teuren Hi-Fi-Anlage samt 4K-Fernseher lockt man damit eigentlich nicht.
Auch Panasonic hat schon eine Pressemitteilung zu seinem Player DMP-UB900 verschickt(öffnet im neuen Fenster) . Allerdings sagt es nichts zum Preis, und die Bilder geben auch nicht viel Aufschluss über die Ausstattung des Abspielgeräts, das ebenfalls schon auf diversen Messen im vergangenen Jahr gezeigt wurde, freilich ohne Software der Filmstudios.
Für Deutschland keine konkreten Ankündigungen
Für Deutschland sieht die Lage derzeit noch mau aus. Konkrete Ankündigungen gibt es de facto nicht. Samsung beispielsweise sagte uns auf Nachfrage, dass es keinen aktuellen Stand hat, außer "Frühjahr 2016". Auch Panasonic konnte hier keine Details nennen. Zudem sind beiden Unternehmen keine Softwarepartner bekannt, die sich um einen europäischen Start kümmern. Selbst der Fachhandel weiß noch von nichts, wie eine Nachfrage bei dem Berliner Hi-Fi-Spezialisten Soundbrothers ergab, der seine Informationen nach eigenen Angaben auch nur über Medien und Kunden bezieht.
Gerade Letzteres erstaunt, denn mit dem Fachhandel erreicht man normalerweise eine kaufkräftige und wichtige Kundengruppe, die sogenannten Early Adopters, die gerne Neues ausprobieren, nicht unbedingt auf den Geldbeutel schauen und damit den Massenmarkt vorbereiten könnten.
Mit der vergebenen Chance des Weihnachtsgeschäfts, einer Informationspolitik der Softwareanbieter, die durch ihr Nichtvorhandensein auffällt, und die wenigen Hardwareankündigungen sieht es insbesondere in Europa nicht gut aus für den Start der Ultra-HD-Blu-ray. Die Situation ist derzeit sogar schlimmer als beim Start des HD-DVD-Formats vor rund zehn Jahren, das letztendlich gegen die Blu-ray Association verlor . Damals versuchten mehrere Hardwarehersteller gegen die Blu-ray zu bestehen, mit dem prinzipiell besseren HD-DVD-Format, das sogar eine HD-DVD-RAM vorsah. Und doch gewann das andere Blu-ray.
Für die 4K-Blu-ray sieht die Konkurrenz anders aus: Streamingangebote mit 4K und HDR von Netflix und Amazon , die längst gestartet wurden. Wenn auch nur mit eingeschränktem Angebot.



