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Militär: Was nützen die neuen ukrainischen Langstreckenwaffen?

Am Boden unterlegen, wehrt sich die Ukraine per Luftoffensive. Doch trotz neuer Waffensysteme scheinen sie die russische Luftverteidigung kaum zu beeinträchtigen.
/ Friedrich List
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Eine ATACMS-Rakete, hier gezeigt an einem Standort von Rheinmetall (Bild: Ronny Hartmann / AFP via Getty Images)
Eine ATACMS-Rakete, hier gezeigt an einem Standort von Rheinmetall Bild: Ronny Hartmann / AFP via Getty Images

Die Ukraine reagiert auf die russische Übermacht am Boden mit einer Luftoffensive gegen die militärische Infrastruktur und industrielle Ziele Russlands. Neue Marschflugkörper aus eigener Produktion, neue US-Lenkwaffen und Lieferungen bewährter Systeme wie ATACMS erlauben seit Neuestem auch Angriffe auf Ziele tief im feindlichen Hinterland.

Bislang scheinen sie die russische Luftverteidigung jedoch kaum zu beeinträchtigen. Auch die russischen Luftstreitkräfte, die sich über der Ukraine selbst zurückhalten, haben über dem Kampfgebiet und im heimatlichen Luftraum nach wie vor die Kontrolle.

Wie wirksam können die neuen Waffensysteme sein und worum handelt es sich dabei genau?

Was können ATACMs, Neptun, Flamingo und ERAMs?

Seit einiger Zeit liefern die USA wieder ATACMS-Artillerieraketen(öffnet im neuen Fenster) (ATACMS steht für Army Tactical Missile System, zu deutsch etwa: taktisches Heeres-Raketensystem) an die Ukraine. Die ersten Exemplare hatte das Land 2023 erhalten, zusammen mit Storm-Shadow-Marschflugkörpern aus Großbritannien und Scalp-Marschflugkörpern aus Frankreich. Für kurze Zeit waren auch weitreichende Tomahawk-Marschflugkörper im Gespräch.

Mit ATACMS beschoss die Ukraine Mitte November militärische Ziele in der Region Woronesch(öffnet im neuen Fenster), die Raketen fliegen je nach Version 165 bis 300 km weit. Zunächst standen dem Einsatz über größere Entfernungen durch die USA verfügte Beschränkungen entgegen, die inzwischen aber aufgehoben wurden.

Um von ausländischen Waffenlieferungen unabhängiger zu werden, entwickelt die Ukraine zudem selbst Marschflugkörper(öffnet im neuen Fenster). Das ältere Produkt ist die Neptun, die ursprünglich gegen Schiffe eingesetzt wurde und unter anderem den russischen Lenkwaffenkreuzer Moskwa versenkte.

Inzwischen fliegt eine verbesserte Version mit größerer Reichweite zum Angriff auf Landziele. Die Puffy Neptun (dickliche Neptun) genannte Lenkwaffe bringt es auf bis zu 1.000 km Reichweite. Der Spitzname kommt wahrscheinlich von den größeren, beulenförmigen Zusatztanks auf der Außenhaut.

Hochwertige Ziele wie Raffinerien anvisiert

"Die Basisversion verfügt über eine Reichweite von 280 bis 300 km bei einem 150-kg-Gefechtskopf. Der im März 2025 getestete Long Neptune RK360L erreicht 1.000 Kilometer Reichweite bei 260 Kilogramm Sprengladung. Die neue Variante soll eine taktische Lücke schließen, um Ziele mittlerer Reichweite anzugreifen", schreibt der österreichische Fachjournalist Georg Mader im Onlinemagazin Militär Aktuell(öffnet im neuen Fenster).

Hinzu kommt die FP-5 Flamingo(öffnet im neuen Fenster), die erstmals im August gegen Ziele auf der Krim eingesetzt wurde. Die Flamingo fliegt bis zu 3.000 km weit und hat damit eine ähnliche Reichweite wie die BGM-109 Tomahawk(öffnet im neuen Fenster). Sie trägt einen 1.000-kg-Sprengkopf. Geplant ist eine Produktion von um die 2.500 Stück.

Die Ukraine greift mit diesen Flugkörpern hochwertige Ziele wie Raffinerien, Treibstoffdepots oder militärische Einrichtungen an. Und das mit einigem Erfolg, denn die Treibstoffknappheit, die jüngst in Russland zum Problem wurde, ist das Ergebnis dieser Angriffe. Drohnenschwärme eignen sich hierfür weniger, weil sie wegen ihrer kleinen Sprengladungen nur Brände, aber keine nachhaltigen Zerstörungen verursachen.

Lenkbomben mit größerer Reichweite

Neu im ukrainischen Arsenal sind außerdem Extended-Range-Attack Munition-Lenkwaffen aus den USA(öffnet im neuen Fenster). Die ersten ERAMs wurden im Oktober geliefert.

Geplant sind bis zu 3.500 dieser Lenkbomben. ERAM ist eine Kombination aus einer herkömmlichen 227-kg-Fliegerbombe und einem Anbausatz mit Flügeln und Elektronikeinheit. Sie wird von Kampfflugzeugen abgeworfen und erzielt Reichweiten zwischen 280 und 450 km, je nach Flughöhe und Flugbahn. Sie erreicht Geschwindigkeiten um 0, 6 Mach. Die Navigation beruht auf GPS-Daten.

ERAM wurde seit Juli 2024 von den beiden US-Firmen Coaspire und Zone 5 Technologies entwickelt. Ziel war ein preiswerter und leicht herzustellender Flugkörper.

Die Firmen wollen 83 Gleitbomben pro Monat produzieren, das wären 996 Bomben pro Jahr. ERAM hat eine größere Reichweite als die bisher an die Ukraine gelieferten Lenkbomben. Sie soll es der ukrainischen Luftwaffe leichter machen, Ziele hinter der Front wie Kommandoposten, Depots, Artillerie- oder Raketenstellungen zu treffen.

Allerdings ist die ukrainische Militärführung auch beim Einsatz dieser Waffen nicht autonom. Ziele für ERAM müssen vom US-Militär genehmigt werden, ebenso Ziele für die ATACMS-Raketen.

Für ihre neuen Marschflugkörper braucht die Ukraine wie in der Vergangenheit Zugriff auf westliche Zieldaten. Unter US-Präsident Joe Biden war das wenig problematisch – er gab zuletzt sogar den Einsatz von ATACMS gegen Ziele tief im russischen Hinterland frei.

Sein Nachfolger Donald Trump hatte Anfang März seine Unterstützung zunächst komplett eingestellt. Die Ukraine bekam keine nachrichtendienstlichen Informationen, Aufklärungsergebnisse und Zieldaten mehr. Eine Woche später, am 11. März, ließ er die Übermittlung von Informationen teilweise wieder aufnehmen. Zielkoordinaten für Langstreckenwaffen lieferten die USA dann im Oktober wieder.

Russland passt sich immer wieder an

Erst am 22. Oktober 2025 gab Trump den Einsatz dann doch wieder frei(öffnet im neuen Fenster). Bei der Zielauswahl haben die Amerikaner weiterhin das letzte Wort.

Wie die neuen Waffen im ukrainischen Arsenal den Verlauf des Krieges beeinflussen, wird einmal davon abhängen, wie viele tatsächlich geliefert werden. Zum anderen hängt der Erfolg oder Misserfolg auch davon ab, wie effektiv die russische Luftverteidigung ist.

Sie konnte sich bislang immer wieder an neue Waffensysteme anpassen, ATACMS und Gleitbomben abschießen und die GPS-gestützte Navigation stören.

Westliche Kampfflugzeuge – zu wenige, zu spät?

Waffensysteme wie Neptun und die FP-5 Flamingo starten von mobilen Startrampen. ATACMS braucht spezielle Werferfahrzeuge. ERAM wird dagegen von Flugzeugen gestartet. Die ukrainische Luftwaffe nutzt dafür ihre verbliebenen Kampfflugzeuge aus ehemals sowjetischer Produktion sowie die seit Neuestem gelieferten westlichen Kampfflugzeuge.

Allerdings ist die Anzahl der verfügbaren Maschinen klein. Ehemals sowjetische Typen wie die Su-27, Mig-29 und der Schwenkflügelbomber Su-24 wurden für den Einsatz westlicher Lenkwaffen umgerüstet, aber ihr Einsatz leidet unter ständigen russischen Luftangriffen und Ersatzteilmangel.

Die Verluste sind hoch. Von den Su-24-Bombern dürfte nur noch eine einstellige Zahl einsatzbereit sein.

Zudem ist die ukrainische Luftwaffe gezwungen, ihre Flugzeuge immer wieder zu verlegen und von Behelfsflugplätzen zu operieren. Nur so entgeht sie den ständigen russischen Angriffen durch Drohnen und Marschflugkörper.

Der Westen liefert nach langen Diskussionen Kampfflugzeuge. Allerdings sind das keine wirklich modernen Maschinen. Belgien, die Niederlande, Dänemark und Norwegen liefern bis zu 80 F-16-Flugzeuge aus Überschussbeständen. Diese Länder führen gerade die F-35 ein.

Von den F-16 sind um die 20 bereits in der Ukraine im Einsatz. Frankreich hat ein halbes Dutzend Mirage-2000-5F-Jets geliefert, die vorher zu Jagdbombern umgerüstet wurden. Ein Flugzeug ist bereits abgestürzt, und eine weitere Maschine dient in Frankreich zur Ausbildung.

Wirklich modern sind die Kampfjets nicht

Wahrscheinlich liefert das Land bis zu 20 Flugzeuge an die Ukraine. Die Jets stehen zur Verfügung, weil Frankreich seine Mirage-2000-Kampfflugzeuge gerade durch Dassault Rafales ersetzt.

Die F-16-Jets stammen aus den frühen 1980er Jahren und wurden vor knapp 20 Jahren modernisiert. Auch die Mirage 2000 datiert ursprünglich aus den 1980ern. Allerdings wurde Version 2000-5 in den 1990ern produziert.

Wirklich modern und den russischen Kampfflugzeugen gewachsen sind sie nicht. Sie sind etwa genauso alt wie die ukrainischen Kampfflugzeuge aus ehemals sowjetischer Produktion.

150 vs. 370 Kilometer Radarreichweite

Die F-16 wird zwar noch produziert, aber die heutigen Jets sind ungleich moderner. Zum Vergleich: Das Radar der ukrainischen F-16 reicht knapp 150 km weit(öffnet im neuen Fenster), das einer modernen F-16 dagegen 370 km(öffnet im neuen Fenster).

Ukrainische Kampfflugzeuge können nicht direkt über dem Kampfgebiet operieren. Es sind auch zu wenige, um die russische Luftwaffe wirksam herausfordern zu können. Bodenziele in der Kampfzone oder dahinter können sie nur treffen, indem sie Lenkbomben oder Flugkörper aus der Distanz einsetzen.

Meist fliegen sie in geringer Höhe an, um nicht vom feindlichen Radar erfasst zu werden, steigen zum eigentlichen Schuss auf Höhe, um dann in niedriger Höhe wieder abzufliegen. Die F-16 fliegen mittlerweile fast 80 Prozent aller Einsätze, müssen aber auch das ukrainische Hinterland gegen russische Angriffe verteidigen.

Die ERAMs haben etwa die doppelte Reichweite der bisher verwendeten J-DAMs und anderer westlicher Präzisionswaffen. Damit können ukrainische Flugzeuge auch Ziele tiefer im russischen Hinterland treffen.

Die ukrainische Luftwaffe hatte eigentlich bis zu 216 F-16-Maschinen gefordert(öffnet im neuen Fenster). Laut Experten des amerikanischen Forschungsinstituts Center for Strategic and International Studies (CSIS) wäre sie dadurch in der Lage gewesen, die Bodentruppen wirkungsvoll zu unterstützen und die russische Luftüberlegenheit über der Kampfzone zu brechen(öffnet im neuen Fenster).

Ukraine will moderne F-16

Die Ukraine beharrt auf ihrer Forderung nach F-16 des neuesten Modells. Mit moderner Avionik und stärkeren Triebwerken sind das faktisch andere Flugzeuge.

Zwar hat die Ukraine jüngst Vereinbarungen zur Lieferung von 100 französischen Rafales und 150 schwedischen Saab Gripen-Kampfjets abgeschlossen. Aber das sind Absichtserklärungen, keine verbindlichen Kaufverträge. Und die Finanzierung ist bis heute nicht geklärt.

Russische Luftstreitkräfte – Modernisierung trotz Kriegsbelastungen

Die russischen Luftstreitkräfte und Luftabwehr sind im Krieg eher stärker als schwächer geworden. Das Land hat seine Produktion gesteigert, kann Kriegsverluste ersetzen und zusätzliche Einsatzverbände aufstellen(öffnet im neuen Fenster). Außerdem setzen die Luftstreitkräfte ihren Modernisierungskurs fort, den sie bereits einige Jahre vor dem Krieg begonnen hatten.

Hinzu kommen neue Luft-Luft-Lenkwaffen wie die R-77M. Zudem verfügt die russischen Luftwaffe über Langstreckenraketen, die wesentlich weiter reichen als die Luft-Luft-Lenkwaffen der Ukraine, etwa die amerikanische AIM-120.

Die R-77M(öffnet im neuen Fenster) ist die neueste Version der Vympel R-77, des russischen Gegenstücks zur US-Lenkwaffe AIM-120. Sie fliegt bis zu 190 km weit und wird seit dem Sommer über der Ukraine eingesetzt.

Hinzu kommen R-37M-Raketen(öffnet im neuen Fenster) mit einer Reichweite von bis zu 400 km. Ursprünglich für den schweren Jäger MiG-31 entwickelt, kann sie auch von anderen Typen wie der Su-35 verschossen werden.

Modernes Jäger-Arsenal

Das Rückgrat der Kampfverbände bilden Produkte aus dem Hause Sukhoi. Die Su-35(öffnet im neuen Fenster) und die Su-30(öffnet im neuen Fenster) sind Weiterentwicklungen der Sukhoi Su-27 Flanker aus den 1980er Jahren.

Beide werden sowohl als Jäger als auch für Luftangriffe eingesetzt. Außerdem verfügen beide Flugzeuge über eine Schubvektorsteuerung. Die Triebwerksdüsen ihrer Saturn-Triebwerke sind um zwei Achsen schwenkbar(öffnet im neuen Fenster).

Das macht die russischen Jets extrem wendig. Sie können mit unorthodoxen Manövern anfliegenden Raketen ausweichen und sich im Luftkampf auch gegen kleinere und wendigere Kampfflugzeuge behaupten.

Deutlicher Vorteil gegenüber ukrainischen Kampfjets

Beide verfügen über weit reichende Radargeräte, Infrarot- und Restlichtsensoren sowie passive Sensoren, mit denen sie gegnerische Suchradars erkennen und orten können. Hinzu kommen Datalinks zu Bodenstationen und anderen Flugzeugen.

Insgesamt verschafft ihnen das einen deutlichen Vorteil gegenüber ukrainischen Kampfjets. Auch die Bekämpfung von Marschflugkörpern ist kein Problem.

Die Su-35 ist ein Einsitzer. Die ersten Varianten waren reine Jäger, aber die neueste Version Su-35S kann auch Bodenziele bekämpfen(öffnet im neuen Fenster).

Russland verfügt über eines der modernsten Kampfflugzeuge

Russland setzt die Flugzeuge als Jäger, Jagdbomber und zur Bekämpfung feindlicher Radarstellungen ein. Das Flugzeug ersetzt die ältere Su-27 und wurde zunächst nur in kleiner Zahl gebaut.

Als es technische Probleme mit der Entwicklung des Stealth-Jägers Su-57(öffnet im neuen Fenster) gab, rüstete man die Su-35 mit Sensoren und Elektronik aus dem Su-57-Programm aus. Das macht das Flugzeug zu einem der gegenwärtig wohl modernsten Kampfflugzeuge überhaupt.

Die Su-30 ist ein zweisitziges Mehrzweckkampfflugzeug, das Russland in mehreren Versionen baut und auch exportiert. Bei der russischen Luftwaffe und der Marineluftwaffe fliegt die Version Su-30SM, außerdem noch eine kleine Zahl reiner Su-30-Allwetterjäger, die in den 1990ern geliefert wurden. Die Su-30SM-Maschinen dienen in der Regel als Jagdbomber. Bei Bedarf bekämpfen sie aber auch ukrainische Kampfflugzeuge und Marschflugkörper. Für die neuen Neptun- und Flamingo-Lenkwaffen sind sie gefährliche Gegner.

Schwergewicht: die MiG-31 Foxhound

Die Bekämpfung von tieffliegenden Marschflugkörpern ist eine der Aufgaben, für die der schwere Allwetterjäger MiG-31 Foxhound(öffnet im neuen Fenster) entwickelt wurde. Die MiG-31 wurde noch zu Sowjetzeiten aus der MiG-25 Foxbat(öffnet im neuen Fenster) abgeleitet.

Das zweisitzige Flugzeug erreicht Geschwindigkeiten um Mach 3 und fliegt bis zu 3.300 km weit. Trotz seines Alters ist die Foxhound der wohl leistungsstärkste Allwetterjäger der Welt.

Russland modernisiert die Flugzeuge seit Jahren. Dabei sind nicht nur verbesserte Abfangjäger entstanden, sondern auch Trägerflugzeuge für die Hyperschallwaffe Kinshal(öffnet im neuen Fenster).

Das Flugzeug verfügt über ein weit reichendes Radar,(öffnet im neuen Fenster) optische Sensoren und Langstreckenraketen vom Typ R-33(öffnet im neuen Fenster).

Es kann Flugzeuge und Flugkörper auf große Distanz bekämpfen und vom russischen Luftraum aus weit in die Ukraine hinein wirken. Die Stärken der Foxhound liegen nicht im nahen Luftkampf. Die elektronischen Sensoren decken einen großen Bereich vor und unter dem Flugzeug ab.

Durch seine hohe Geschwindigkeit kann es schnell auch weiter entfernte Einsatzräume erreichen. Datalinks erlauben die Vernetzung mit Bodenstationen und anderen Kampfflugzeugen. Allerdings kommt es durch die große Reichweite des Bordradars auch ohne Unterstützung durch Frühwarnflugzeuge aus.

Das russische Gegenstück zum F/A-22 Raptor

Die Sukhoi Su-57(öffnet im neuen Fenster), im Nato-Code Felon (Schwerverbrecher) genannt, ist das russische Gegenstück zum schweren US-Stealth-Jäger F/A-22 Raptor. Nach längerer und problembehafteter Entwicklungszeit begann 2019 der Bau einer kleinen Versuchsserie.

Seit 2022 läuft die Serienfertigung. Die Zahl der abgelieferten Flugzeuge wurde 2024 und 2025 deutlich gesteigert. Jedoch ist zur Zeit nur ein Regiment, ein Verband in Geschwaderstärke, mit der Felon ausgerüstet. Die etwa 40 Maschinen werden sporadisch im Ukraine-Krieg eingesetzt.

Die Su-57 soll im nächsten Jahrzehnt ältere Kampfflugzeug-Typen ersetzen. Die einsitzige Maschine wird von Saturn-Triebwerken mit Schubvektorsteuerung angetrieben. Dadurch ist sie extrem wendig und kann auch extreme Flugmanöver fliegen, um etwa anfliegenden Luft-Luft-Lenkwaffen auszuweichen.

400 km Radar und 360-Grad-Lagebild

Die Waffenlast kann aus Luft-Luft-Lenkwaffen, Marschflugkörpern, Lenkbomben oder ungelenkten Bomben bestehen. Sie wird in Waffenschächten transportiert, um die Radarrückstahlfläche gering zu halten.

Das Radar reicht bis zu 400 km weit, also wesentlich weiter als die Radare ukrainischer Kampfflugzeuge(öffnet im neuen Fenster). Außerdem sorgen optische und elektronische Sensoren für ein 360-Grad-Lagebild. Mit anderen Flugzeugen, Bodenstationen, Awacs-Maschinen und Flugabwehr-Stellungen können ständig Daten ausgetauscht werden.

Engmaschiges Netz – Russlands bodengebundene Flugabwehr

Russland verfügt über eine gut ausgebaute Flugabwehr am Boden(öffnet im neuen Fenster). Systeme wie Pantsir(öffnet im neuen Fenster) und TOR-M2(öffnet im neuen Fenster) schützen Truppen im Kampfgebiet.

Die mittleren Entfernungen deckt die Buk-Familie(öffnet im neuen Fenster) ab. Weiter reichende Systeme wie die noch aus Sowjetzeiten stammende S-300(öffnet im neuen Fenster) und die modernen S-400(öffnet im neuen Fenster) und S-500(öffnet im neuen Fenster) verteidigen nicht nur das russische Hinterland, sondern reichen auch tief in die Ukraine hinein.

Die S-300 erreicht Höhen um die 28 km und fliegt bis zu 200 km weit. Mit 30 km Gipfelhöhe und 380 km Reichweite ist die S-400 deutlich leistungsfähiger. Die S-500, in Dienst seit 2021, bringt es auf 100 km Gipfelhöhe und rund 500 Kilometer km.

Die S-300 war die sowjetische Antwort auf die US-amerikanische Patriot. Die S-400 wurde aus der S-300 entwickelt, die S-500 dagegen ist eine Neuentwicklung, die auch Ziele oberhalb der Atmosphäre und Hyperschallwaffen bekämpfen kann. Allerdings ist wohl nur ein einziges Regiment mit S-500 ausgerüstet.

Koordiniert wird das alles von mobilen und ortsfesten Leitständen und Radarsystemen. Dabei stützt sich die Flugabwehr nicht im selben Maß wie die Nato auf Awacs-Flugzeuge, sondern meist auf Radar am Boden. Zur Drohnennabwehr und zum Aufklären von Artilleriestellungen gibt es zusätzlich mobile akustische Systeme.

Bisher hat sich die russische Abwehr an jede ukrainische Neuerung und auch an die aus dem Westen gelieferten Waffensysteme angepasst. Sie hat gelernt, Präzisionswaffen wie die JDAM-Gleitbombe, ATACMS-Raketen, französische Hammer-Präzisionswaffen, aber auch Drohnen und Marschflugkörper abzuwehren. Das hat zur Folge, dass nur ein kleiner Teil der von der Ukraine gestarteten Flugkörper seine Ziele tatsächlich erreicht.

Nur begrenzte Erfolge

Wegen der Stärke des russischen Gegners erzielt die Ukraine im Luftkrieg nur begrenzte Erfolge. Ihr gelingen immer wieder spektakuläre Einzelaktionen wie jüngst die Zerstörung eines russischen Laser-Testflugzeugs auf dem Werksflugplatz des Flugzeugbauers Beriev am Asowschen Meer(öffnet im neuen Fenster).

Auch die Angriffe auf russische Raffinerien, die die russische Kriegswirtschaft stören und die zivile Versorgung mit Benzin behindern(öffnet im neuen Fenster) gehören in diese Kategorie(öffnet im neuen Fenster).

Zwar zeigen die hohen Zahlen an produzierten Drohnen und die neuen Marschflugkörper, dass die Ukraine erfolgreich ihre eigene Industrie an den Krieg angepasst hat und dabei auch innovativ ist. Aber zahlenmäßig bleibt die Ukraine unterlegen.

Sie kann genug Flugkörper produzieren, um Russland immer wieder aufzuhalten, den Nachschub für die Front zu stören und um militärische Einrichtungen hinter der Front zu treffen. Ernsthaft bedrohen kann sie die russische Fähigkeit, Krieg zu führen, derzeit nicht. Dazu dürften auch die avisierten Produktionszahlen für die Neptun und die FP-5 Flamingo nicht ausreichen. Und auch die Zahlen von aus dem Westen gelieferter Flugkörper reichen aktuell nicht.


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