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Militär: Was nützen die neuen ukrainischen Langstreckenwaffen?

Am Boden unterlegen, wehrt sich die Ukraine per Luftoffensive. Doch trotz neuer Waffensysteme scheinen sie die russische Luftverteidigung kaum zu beeinträchtigen.
/ Friedrich List
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Eine ATACMS-Rakete, hier gezeigt an einem Standort von Rheinmetall (Bild: Ronny Hartmann / AFP via Getty Images)
Eine ATACMS-Rakete, hier gezeigt an einem Standort von Rheinmetall Bild: Ronny Hartmann / AFP via Getty Images
Inhalt
  1. Militär: Was nützen die neuen ukrainischen Langstreckenwaffen?
  2. Lenkbomben mit größerer Reichweite
  3. Westliche Kampfflugzeuge – zu wenige, zu spät?
  4. 150 vs. 370 Kilometer Radarreichweite
  5. Russische Luftstreitkräfte – Modernisierung trotz Kriegsbelastungen
  6. Schwergewicht: die MiG-31 Foxhound
  7. Engmaschiges Netz – Russlands bodengebundene Flugabwehr

Die Ukraine reagiert auf die russische Übermacht am Boden mit einer Luftoffensive gegen die militärische Infrastruktur und industrielle Ziele Russlands. Neue Marschflugkörper aus eigener Produktion, neue US-Lenkwaffen und Lieferungen bewährter Systeme wie ATACMS erlauben seit Neuestem auch Angriffe auf Ziele tief im feindlichen Hinterland.

Bislang scheinen sie die russische Luftverteidigung jedoch kaum zu beeinträchtigen. Auch die russischen Luftstreitkräfte, die sich über der Ukraine selbst zurückhalten, haben über dem Kampfgebiet und im heimatlichen Luftraum nach wie vor die Kontrolle.

Wie wirksam können die neuen Waffensysteme sein und worum handelt es sich dabei genau?

Was können ATACMs, Neptun, Flamingo und ERAMs?

Seit einiger Zeit liefern die USA wieder ATACMS-Artillerieraketen(öffnet im neuen Fenster) (ATACMS steht für Army Tactical Missile System, zu deutsch etwa: taktisches Heeres-Raketensystem) an die Ukraine. Die ersten Exemplare hatte das Land 2023 erhalten, zusammen mit Storm-Shadow-Marschflugkörpern aus Großbritannien und Scalp-Marschflugkörpern aus Frankreich. Für kurze Zeit waren auch weitreichende Tomahawk-Marschflugkörper im Gespräch.

Mit ATACMS beschoss die Ukraine Mitte November militärische Ziele in der Region Woronesch(öffnet im neuen Fenster) , die Raketen fliegen je nach Version 165 bis 300 km weit. Zunächst standen dem Einsatz über größere Entfernungen durch die USA verfügte Beschränkungen entgegen, die inzwischen aber aufgehoben wurden.

Um von ausländischen Waffenlieferungen unabhängiger zu werden, entwickelt die Ukraine zudem selbst Marschflugkörper(öffnet im neuen Fenster) . Das ältere Produkt ist die Neptun, die ursprünglich gegen Schiffe eingesetzt wurde und unter anderem den russischen Lenkwaffenkreuzer Moskwa versenkte.

Inzwischen fliegt eine verbesserte Version mit größerer Reichweite zum Angriff auf Landziele. Die Puffy Neptun (dickliche Neptun) genannte Lenkwaffe bringt es auf bis zu 1.000 km Reichweite. Der Spitzname kommt wahrscheinlich von den größeren, beulenförmigen Zusatztanks auf der Außenhaut.

Hochwertige Ziele wie Raffinerien anvisiert

"Die Basisversion verfügt über eine Reichweite von 280 bis 300 km bei einem 150-kg-Gefechtskopf. Der im März 2025 getestete Long Neptune RK360L erreicht 1.000 Kilometer Reichweite bei 260 Kilogramm Sprengladung. Die neue Variante soll eine taktische Lücke schließen, um Ziele mittlerer Reichweite anzugreifen" , schreibt der österreichische Fachjournalist Georg Mader im Onlinemagazin Militär Aktuell(öffnet im neuen Fenster) .

Hinzu kommt die FP-5 Flamingo(öffnet im neuen Fenster) , die erstmals im August gegen Ziele auf der Krim eingesetzt wurde. Die Flamingo fliegt bis zu 3.000 km weit und hat damit eine ähnliche Reichweite wie die BGM-109 Tomahawk(öffnet im neuen Fenster) . Sie trägt einen 1.000-kg-Sprengkopf. Geplant ist eine Produktion von um die 2.500 Stück.

Die Ukraine greift mit diesen Flugkörpern hochwertige Ziele wie Raffinerien, Treibstoffdepots oder militärische Einrichtungen an. Und das mit einigem Erfolg, denn die Treibstoffknappheit, die jüngst in Russland zum Problem wurde, ist das Ergebnis dieser Angriffe. Drohnenschwärme eignen sich hierfür weniger, weil sie wegen ihrer kleinen Sprengladungen nur Brände, aber keine nachhaltigen Zerstörungen verursachen.


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