Ukrainekrieg: Warum das Internet in der Ukraine noch läuft

Kaum Monopolisten, keine zentralen Internet-Exchanges, schnelle Reparaturen und Hardwarespenden: Das Netz der Ukraine ist sehr widerstandsfähig.

Artikel veröffentlicht am ,
Das Internet in der Ukraine wird auf pragmatische Art und Weise repariert.
Das Internet in der Ukraine wird auf pragmatische Art und Weise repariert. (Bild: Thomas Peter/Reuters)

Mit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine erwarteten viele einen Cyberkrieg. Auch wenn dieser nicht kam, lag die Vermutung nahe, dass allein die physischen Zerstörungen in vielen Landesteilen das Internet in der Ukraine an den Rand des Zusammenbruchs bringen könnten. Doch das ist nicht passiert. Zwei Vorträge auf der Konferenz Ripe 84 erläutern die Gründe.

Stellenmarkt
  1. Softwareentwickler (m/w/d) Applikationsentwicklung
    WITRON Gruppe, Parkstein (Raum Weiden / Oberpfalz), Rimpar (Raum Würzburg)
  2. DevOps Engineer für Softwareentwicklung, Informatiker / Fachinformatiker (w/m/d)
    energy & meteo systems GmbH, Oldenburg
Detailsuche

Wie Emile Aben, Forscher beim Ripe NCC, in seinem Vortrag anhand zahlreicher Datenquellen zur Untersuchung der Internetqualität in der Ukraine, sogenannter Probes, zeigt, ist das Internet in dem Land zwar nachweisbar beschädigt, funktioniert aber gut weiter.

So sei etwa die Anzahl der Internetausfälle im Verlauf des Krieges nicht nur gering gewesen, sondern verteilten sich über einen längeren Zeitraum. Unter bestimmten Umständen sind aber auch ganze autonome Systeme (AS) offline gegangen, so Aben. Dass dies nicht flächendeckend passiert sei, liege an dem speziellen ISP-Markt in der Ukraine.

Kaum Monopolisten und viele Verbindungen

Einer der wohl wichtigsten Punkte ist laut Aben die Dezentralisierung des Internets in der Ukraine. So gibt es dort bei den Provider so gut wie keine Marktkonzentration, sondern eher sehr viele teils auch sehr kleine Provider. Weniger als 1 Prozent der Bevölkerung werden von 55 Prozent der ISPs (Internetdienstanbieter) versorgt.

Golem Karrierewelt
  1. LDAP Identitätsmanagement Fundamentals: virtueller Drei-Tage-Workshop
    18.-20.07.2022, Virtuell
  2. Kotlin für Java-Entwickler: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    13./14.10.2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Hinzu komme, dass die Ukraine über insgesamt 19 Internetknoten (Internet-Exchange-Points, IXP) verfüge, so Aben. Keiner sei dabei von zentraler Bedeutung oder dominant. Die Backbone-Pfade für die Glasfaserverbindungen untereinander und in den jeweiligen Netzen seien selbst sehr divers. Durch diesen Aufbau mit vielen Redundanzen seien einzelne, vor allem meist lokal begrenzte Ausfälle oft nicht besonders schwerwiegend.

Gegenseitige Hilfe und schnelle Selbsthilfe

Kommt es dennoch zu Ausfällen, helfen auch die Netzwerktechniker vor Ort bei einem schnellen Wiederaufbau. Bekannt sind dabei zahlreiche Bilder von Mitarbeitern der ISPs, die in den Trümmern des Kriegs neue Leitungen legen und zerrissene Kabel wieder verbinden, um eine schnelle Versorgung herstellen zu können.

Unterstützt werden dieses Arbeiten an der Hardware von einer Initiative der Global NOG Alliance. Ziel der Organisation ist es prinzipiell, den Austausch und die gegenseitige Unterstützung zwischen Network Operating Groups (NOG) weltweit zu fördern. Im Fall das Ukrainekriegs führte dies zu einer Initiative mit zahlreichen Technikspenden und einer Tauschwebseite.

Ukrainische ISPs können so ihren Bedarf für bestimmte Geräte melden und ISPs aus dem restlichen europäischen Ausland könnten diese als Spendenleistung erfüllen. Die Initiative übernimmt dabei auch die Logistik in die Ukraine, wie ein weiterer Vortrag beim Ripe 84 beschreibt.

Demnach ist die wohl am meisten gewünschte Hardware aber nur schwer als direkte Spende verfügbar: Spleißgeräte für Glasfaserverbindungen. Um diese dennoch den ISPs in der Ukraine zur Verfügung stellen zu können, sammelt die Initiative Spendengelder, von denen Spleißgeräte gekauft werden.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Icstorm 22. Mai 2022 / Themenstart

So dargestellt ist es falsch. Richtig ist, dass 55% der ISP einen Marktanteil von unter...

Mopsmelder500 21. Mai 2022 / Themenstart

Vermutlich haben wir in Deutschland einen Knoten in Frankfurt der der Telekom gehört...

Elkarlo 21. Mai 2022 / Themenstart

TCP/IP wurde ja extra für solche Fälle entworfen, das es auch dezentral geroutet werden...

jojo40 19. Mai 2022 / Themenstart

Ist halt hier Neuland, was will man da erwarten ;)

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Klima-Ticket
Bund plant Nachfolger für Neun-Euro-Ticket

Das Neun-Euro-Ticket könnte als Klimaticket weiterlaufen. Das geht aus einem Vorschlag für ein neues Klimaschutzsofortprogramm hervor.

Klima-Ticket: Bund plant Nachfolger für Neun-Euro-Ticket
Artikel
  1. Vitali Klitschko: Zweifel an Giffeys Deepfake-These
    Vitali Klitschko
    Zweifel an Giffeys Deepfake-These

    Die Berliner Staatskanzlei spricht von einem Deepfake beim Gespräch zwischen Bürgermeisterin Franziska Giffey und dem falschen Klitschko. Nun gibt es eine neue These.

  2. Feuerwehr: E-Auto-Brand zerstört Haus - Photovoltaik erschwert Löschen
    Feuerwehr
    E-Auto-Brand zerstört Haus - Photovoltaik erschwert Löschen

    Feuerwehrleute in Hessen hatten Probleme, einen Elektroauto-Brand, der auf ein Wohngebäude übergriff, zu löschen. Auf dem Dach befand sich Photovoltaik.

  3. Studie VW ID.Aero vorgestellt: Elektrischer Passat soll 620 km weit kommen
    Studie VW ID.Aero vorgestellt
    Elektrischer Passat soll 620 km weit kommen

    Nach der elektrischen Kompaktklasse und SUVs legt VW nun mit einer Limousine nach. Die Studie ID.Aero erinnert sehr stark an ein Verbrennermodell.
    Ein Bericht von Friedhelm Greis

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • MSI 32" WQHD 165 Hz günstig wie nie: 399€ • Saturn-Fundgrube: Restposten zu Top-Preisen • MindStar (AMD Ryzen 9 5900X 375€, Gigabyte RX 6900 XT 895€) • Samsung Galaxy Watch 4 Classic 46 mm 205€ [Werbung]
    •  /