Ukrainekrieg: Störung bei Fernwartung von Windkraftanlagen fast behoben

Durch einen IT-Angriff wird die Kommunikation für die Fernwartung Tausender Windräder gestört. Die Anbindung steht nun wieder fast überall.

Artikel veröffentlicht am , /dpa
Nach dem IT-Angriff ist die Anbindung an fast alle Anlagen wieder hergestellt.
Nach dem IT-Angriff ist die Anbindung an fast alle Anlagen wieder hergestellt. (Bild: RONNY HARTMANN/AFP via Getty Images)

Rund zwei Monate nach einem mutmaßlichen IT-Angriff ist die Störung der Fernwartung Tausender Windkraftanlagen in Mitteleuropa weitgehend behoben. Rund 95 Prozent der 1.281 betroffenen Windparks seien wieder an die Satellitenkommunikation angebunden, teilte ein Sprecher des Herstellers Enercon aus dem ostfriesischen Aurich mit. Demnach funktioniert die Fernüberwachung bei 1.217 Windparks mit einer Gesamtleistung von 9,85 Gigawatt wieder. Auch die letzten betroffenen Anlagen sollten in Kürze wieder angebunden werden.

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Die Fernüberwachung und -steuerung von rund 5.800 Anlagen war seit dem 24. Februar, dem Tag des russischen Angriffs auf die Ukraine, nur noch eingeschränkt möglich. Energiepolitiker hielten einen Angriff russischer Hacker auf das Satellitennetzwerk, über das unter anderem mit den Windkrafträdern kommuniziert wird, für möglich. Auch Enercon selbst geht von einem IT-Angriff aus. Da die Anlagen zur kritischen Infrastruktur zählen, hatte der Konzern den Vorfall an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik gemeldet. Laut Enercon waren Windräder in ganz Deutschland betroffen.

Die ausgefallene Kommunikaton war dabei wohl ein Kollateralschaden nach einem Angriff auf das KA-SAT-Satellitennetzwerk des Anbieters Viasat, zu dessen Kunden auch die ukrainische Polizei und das ukrainische Militär gehören sollen. Verantwortlich für den Ausfall war laut der Sicherheitsfirma Sentinelone eine Schadsoftware, welche die Forscher Acidrain nennen.

Die Störung beeinträchtigte den Kommunikationskanal des Service zu den Anlagen, nicht aber den Betrieb selbst. Im Falle eines Problems konnte die Störung nicht aus der Ferne behoben werden. Ein Team hätte zur Anlage fahren müssen. Die Netzbetreiber hatten laut Enercon uneingeschränkt Zugriff auf die Anlagen, um deren Verhalten im Stromnetz zu steuern. Die Anlagen produzierten weiter Energie.

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Enercon hatte in den vergangenen Wochen mit Partnerfirmen die Modems, also die beschädigte Hardware in den Anlagen, ausgetauscht. Bei einigen Windparks wurde die Kommunikation über den LTE-Standard im Mobilfunknetz wieder aufgebaut. Hinter den Serviceteams liege ein "beispielloser Kraftakt", teilte der Enercon-Sprecher mit.

Als Konsequenz aus dem Vorfall und da viele Windparks bislang über keine zweite Kommunikationsverbindung im Störungsfall verfügen, entwickelt der Hersteller nun optionale zusätzliche Sicherungen bei der Service-Kommunikation. Als Ergänzung sollen LTE-Nachrüstungen zum Einsatz kommen. "Bei Neuprojekten empfehlen wir, diese technische Einrichtung von vornherein zu berücksichtigen." Ziel sei es, so die Standards beim Betrieb der Windenergieanlagen zu verbessern.

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