Ukrainekrieg: Russische Besatzer routen offenbar Internet-Traffic um
Auf einen Internet-Blackout in der Ukraine folgen neue Routen - über russische Provider. Das Land preist Starlink und empfiehlt Mittelwelle.
Die russischen Besatzungstruppen haben in der südukrainischen Oblast Cherson offenbar große Eingriffe in die Internetinfrastruktur vorgenommen und leiten nun den Traffic von mindestens einem Provider über Russland um. Das berichtet die Nichtregierungsorganisation Netblocks am 1. Mai 2022. Die Daten des betroffenen Providers Skynet (Khersontelecom) seien zuvor durch die Ukraine geleitet worden und landeten nun aber bei den russischen ISPs Miranda und Rostelecom.
Bereits zuvor ist es offenbar zu einem kompletten Ausfall der Internetinfrastruktur in dem Gebiet gekommen, wie Netblocks ebenso berichtete. Den Ausfall bestätigte auch die Cybersicherheitsbehörde der Ukraine (Derzhspetszviazok), die in ihren Aufgaben teilweise vergleichbar ist mit denen des BSI in Deutschland.
Laut der Behörde betraf der Ausfall aber nicht nur Cherson, sondern auch Teile der Oblast Saporischschja. Dabei sei auch der Mobilfunk gestört worden. Die Probleme werden dabei auf eine physische Trennung des Glasfaser-Backbones zurückgeführt. Ebenso sei es zu Stromausfällen am Equipment der ukrainischen Provider gekommen.
Unabhängige Information wird schwieriger
Die ukrainische Behörde stellt den Ausfall als Teil des Informationskrieges Russlands dar, um unwidersprochen "falsche Propaganda" verbreiten zu können. Das Internet in Russland wird staatlich zensiert und zahlreiche Dienste aus Europa oder den USA können über russische Netze offiziell nicht genutzt werden, auch wenn Russland wohl Probleme damit hat, seine Zensurinfrastruktur aufrecht zu erhalten.
Schon während des Ausfalls empfahl die Cybersicherheitsbehörde den Betroffenen, auf alternative Informationsquellen auszuweichen. Explizit genannt worden sind dabei das Mittelwellenradio oder auch ukrainische Fernseh- und Radioprogramme via Satellit.
Alternativ dazu steht theoretisch auch Satelliteninternet bereit, was etwa via Starlink in der Ukraine zahlreich Anklang findet. Laut dem stellvertretenden Ministerpräsidenten der Ukraine und Minister für digitale Transformation, Mychajlo Fedorow, habe habe der Dienst inzwischen täglich etwa 150.000 Nutzer in der Ukraine. Der Einsatz vor allem in besetzten Gebieten birgt aber zahlreiche Gefahren, da sich die Starlink-Schüsseln bei einer aktiven Internetkommunikation orten lassen könnten.
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und was ist dann "falsche Propaganda"? (war ein Zitat aus dem Artikel)
+1
Ja, eine Sache. Wo noch? Es geht darum, dass hier der Eindruck erweckt wird, das dies...
Ich sehe in diesem Thread keine Putin-Versteher. Sondern einfach eine Abwägung, wie sich...