Ukrainekrieg: Erster Einsatz einer US-Kamikazedrohne dokumentiert

Eine Switchblade-Drohne hat offenbar einen russischen Panzer getroffen. Dessen Besatzung soll sich auf dem Turm mit Alkohol vergnügt haben.

Artikel veröffentlicht am , Matthias Monroy
Eine Drohne vom Typ Switchblade 300
Eine Drohne vom Typ Switchblade 300 (Bild: Public Domain)

In sozialen Medien ist das erste Video aufgetaucht, das den mutmaßlichen Einsatz einer Switchblade-Drohne in der Ukraine dokumentiert. Die "herumlungernde Munition" aus US-amerikanischer Herstellung fliegt dabei auf einen russischen T-72-Panzer zu, auf dessen Turm Soldaten sitzen.

Die Videoübertragung erfolgt über die im Bug der Drohne verbaute Farbkamera, die eingeblendeten Daten der Sensoren sind in englischer Sprache. Kurz vor dem Einschlag bricht das Video ab. Laut dessen Beschreibung haben ukrainische Spezialkräfte den Angriff durchgeführt. Die russischen Soldaten hätten Alkohol getrunken, heißt es darin.

Angriff nahe der Grenze zu Russland

Die Echtheit der Datei lässt sich nicht überprüfen, Drohnenexperten hegen daran aber keinen Zweifel. Eine ukrainische Waffentracker-Webseite zeigt Überreste der beim Angriff zerstörten Drohne, die angeblich von russischen Streitkräften geborgen worden sein soll. Der Fund stammt demnach aus der Oblast Charkiw nahe der Grenze zu Russland.

Nach einem Kongressbeschluss hatten die Vereinigten Staaten vor zwei Monaten die Lieferung von 100 Switchblade-Systemen in die Ukraine angekündigt. Es war aber unklar, wann diese eintreffen und ins Kampfgebiet verlegt würden. Russland hat nach eigenen Angaben mehrmals Transporte westlicher Rüstungslieferungen bombardiert. Entsprechende Angriffe erfolgten etwa am Rande der Stadt Lwiw im Westen der Ukraine.

"Irreparable Schäden" an dem Panzer

Unklar ist ebenfalls, welche Variante der Switchblade in die Ukraine exportiert wurde. Die Herstellerfirma Aerovision bietet sie in der 300er- und 600er-Version an. Nur die größeren Drohnen können angeblich Panzerungen durchschlagen.

Es dürfte sich bei dem nun dokumentierten Einsatz um die kleinere Variante handeln, mit der nicht der Panzer, aber dessen Besatzung angegriffen werden sollte. So steht es auch in der Videobeschreibung. Der Gefechtskopf der Switchblade 300 hat eine Sprengladung, die einer 40-mm-Granate entspricht.

Eine zweite Drohne filmt den Panzer, über dem beim Angriff eine Stichflamme zu sehen ist. Auf dem Video ist allerdings kein Ausmaß der Zerstörung zu erkennen. In den letzten Sekunden ist zu sehen, dass der Panzer unter einer Stromleitung steht. Diese sei von der Switchblade getroffen worden, und nicht der Panzer. Allerdings heißt es in der Bildunterschrift, dass die Drohne "irreparable Schäden" an dem Fahrzeug angerichtet hätte.

Drohne oder Munition?

Die Switchblade wird mithilfe von Druckluft aus einem Rohr abgeschossen, im Flug klappt sie dann schwenkbare Flügel aus und wird von einem leisen Elektromotor angetrieben. Ihre Reichweite beträgt rund 10 Kilometer.

Als "herumlungernde Munition" kann die Switchblade 300 bis zu 15 Minuten über dem Ziel kreisen, bis sich ein günstiger Moment für einen Angriff ergibt. Die Ausdauer der Switchblade 600 beträgt 40 Minuten, ihre Reichweite soll bei über 90 km liegen.

Bei dem Angriff wird das Luftfahrzeug komplett zerstört. Deshalb wird die Switchblade mitunter als Munition und nicht als Drohne bezeichnet. Für die Einordnung als Drohne spricht hingegen, dass der Bediener der Switchblade den Angriff jederzeit abbrechen kann.

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splash42 30. Mai 2022

usw. klingt erst einmal "faszinierend", bis man darüber nachdenkt, dass man da quasi den...

tom.stein 30. Mai 2022

Ich würde sie eher mit einer militärischen Rakete vergleichen: Ob ferngezündet...

Lapje 29. Mai 2022

Vor allem sehen die Chinesen gerade gut, was das nach sich ziehen kann. Auch im Bezug auf...

Niaxa 28. Mai 2022

Genau die Menschheit wird einsichtig haha. Das Problem an Krieg ist, das darüber immer...



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