Ukraine-Krieg: Internetkonzerne sperren russische Staatsmedien

Meta und Alphabet sperren RT die Werbeeinnahmen. Aber nicht nur der russische Staatssender gerät durch die Internetkonzerne unter Druck.

Artikel veröffentlicht am , Daniel Ziegener
Auf den Kanälen von RT wird keine Werbung mehr ausgespielt.
Auf den Kanälen von RT wird keine Werbung mehr ausgespielt. (Bild: Daniel Ziegener/Golem.de)

Sowohl der Facebook-Konzern Meta als auch Youtube-Betreiber Alphabet haben angekündigt, das staatsnahe russische Medienunternehmen RT von ihren Werbeprogrammen auszunehmen. RT kann damit keine Werbung mehr auf seinen Kanälen ausspielen und muss mit entsprechenden Umsatzverlusten rechnen. Die Sperren sind eine Reaktion auf den Angriff russischer Truppen auf die Ukraine.

Stellenmarkt
  1. Systemadministrator/-in (m/w/d) im Sachgebiet Infrastruktur
    Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis, Villingen-Schwenningen
  2. Anwendungsentwickler (m/w/d)
    uniVersa Lebensversicherung a. G., Nürnberg
Detailsuche

"Wir verbieten jetzt russischen Staatsmedien, auf unserer Plattform Werbung zu schalten oder Geld zu verdienen, egal wo auf der Welt", schreibt Metas Sicherheitschef Nathaniel Gleicher auf Twitter. Seit dem Wochenende hat Meta laut eigenen Angaben ein eigenes Operationszentrum eingerichtet, das unter anderem mit russischen und ukrainischen Muttersprachlern besetzt ist.

Auch auf Youtube werden russische Medien sanktioniert. Auf den Kanälen von RT wird keine Werbung mehr ausgespielt. Darüber hinaus dürfen staatsfinanzierte russische Medien die Werbetechnologie von Google auch nicht mehr auf ihren eigenen Webseiten einsetzen. Youtube-Sprecher Farshad Shadloo sagt, dass auf Bitten der ukrainischen Regierung RT und weitere Kanäle in der Ukraine nicht mehr zugänglich sind. Auch die App RT News ist im Google Play Store nicht mehr verfügbar.

Schutzmaßnahmen für Nutzer in der Ukraine

Weiter heißt es von Gleicher, Sicherheitsteams von Meta würden "auf neue Bedrohungen achten und gegen bösartige Aktivitäten vorgehen." Ukrainische Nutzer von Instagram wurden Sicherheitshinweise zum Schutz ihrer Konten angezeigt. Darüber hinaus ist die Suche nach ukrainischen Usern auf Facebook zu deren Schutz vorerst eingeschränkt.

Golem Karrierewelt
  1. Go für Einsteiger: virtueller Zwei-Tages-Workshop
    26./27.09.2022, Virtuell
  2. Advanced Python – Fortgeschrittene Programmierthemen: virtueller Drei-Tage-Workshop
    23.-25.01.2023, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Neben dem militärischen Angriff kam es auch schon zu Attacken auf die IT-Infrastruktur der Ukraine. Das BSI warnt schon seit Längerem vor Cyberangriffen.

Eine weitere nur noch eingeschränkt nutzbare Funktion ist die Live-Verkehrsvorhersage von Google Maps. Die Auswertung von Bewegungsdaten könnte Rückschlüsse auf Truppenbewegungen und Fluchtrouten der ukrainischen Bevölkerung zulassen. "Früher hätten wir uns auf einen Reporter verlassen, der uns gezeigt hätte, was vor Ort passiert", sagte der Wissenschaftler Jeffrey Lewis. "Heute können Sie Google Maps öffnen und sehen, wie die Menschen aus Kiew fliehen."

Die Nutzung des Kurznachrichtendienstes Twitter ist in Russland ebenfalls nur noch eingeschränkt möglich. Hierbei handelt es sich nach einer Analyse von Netblocks um eine Maßnahme durch zahlreiche russische Internetprovider. Twitter ist über eine VPN-Verbindung noch erreichbar. Auch Server von Facebook seien betroffen.

Weitere Maßnahmen gefordert

Der ukrainische Vize-Premierminister Mykhailo Fedorov veröffentlichte in den letzten Tagen zahlreiche weitere Forderungen an US-Unternehmen auf Twitter. So bat er etwa Apple-CEO Tim Cook darum, den gesamten App Store für iOS-Geräte für russische Nutzer zu sperren.

EU-Kommissar Thierry Breton wandte sich mit ähnlichen Forderungen in einem Videoanruf direkt an die jeweiligen CEOs von Alphabet und Youtube, Sundar Pichai und Susan Wojcicki. Die Nutzungsbedingungen der Videoplattform sollten angepasst werden, um auch Kriegspropaganda auszuschließen.

"Kriegspropaganda sollte niemals ein empfohlener Inhalt sein", sagte Breton in Bezug auf den Empfehlungs-Algorithmus von Youtube, "mehr noch, sie sollte überhaupt keinen Platz auf Online-Plattformen haben. Ich zähle darauf, dass die Tech-Industrie dringende und wirksame Maßnahmen ergreift, um Desinformation zu bekämpfen."

Hohe Rabatte bei den Amazon Blitzangeboten

RT steht schon länger unter Druck

RT, ehemals Russia Today, wird vom russischen Staat finanziert. Anfang Februar wurde dem Sender wegen einer fehlenden Rundfunklizenz die Ausstrahlung seines Programms in Deutschland untersagt. Bereits 2021 entfernte Youtube die deutschsprachigen Kanäle von RT komplett von ihrer Plattform. Grund dafür waren Verstöße gegen die Richtlinie zu Missinformationen über die Corona-Pandemie. Der russische Staatssender sah sich damals im Unrecht und kündigte rechtliche Schritte an.

Ein am 6. Februar registrierter Account veröffentlicht mittlerweile wieder Inhalte unter dem Namen "RT Deutsch" auf Youtube. Eine Anfrage von Golem.de, ob es sich bei dem neuen Kanal um ein offizielles Angebot handelt, wurde von RT bisher nicht beantwortet.

RT hat auch in Deutschland weiterhin Präsenzen in verschiedenen sozialen Medien. Der Telegram-Kanal von RT Deutsch hat fast 90.000 Abonnenten, der Facebook-Seite folgen 650.000 Nutzer.

Viele Falschmeldungen im Umlauf

Spürbare Konsequenzen für Internetnutzer in Russland könnte der von der EU beschlossene Ausschluss russischer Banken aus dem internationalen Zahlungsverfahren SWIFT haben. Bereits jetzt kam es unabhängig davon zu kleineren Problemen mit Zahlungen von Internetdiensten.

Wie Rolling Stone berichtet, erhielten russische Autoren einige Tage lang keine Auszahlungen mehr von Onlyfans. Onlyfans bestätigte das dem Magazin. Mittlerweile sind Zahlungen wieder möglich - nachdem Onlyfans den Zahlungsdienstleister wechselte.

Unter die Meldungen über mögliche Boykotts, Sperren und Sanktionen mischen sich gerade in den sozialen Medien auch immer wieder Falschmeldungen. So wurde fälschlicherweise berichtet, Onlyfans sei in Russland gar nicht mehr aufrufbar. Auch Tweets über eine regionale Sperre von Pornhub in Russland ließen sich nicht bestätigen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


thrust26 01. Mär 2022

Hä? Wenn hier jemand gerade gegen Russland handelt, dann sind es Putin und Clique. Der...

Muhaha 28. Feb 2022

Russland gewinnt nichts, wenn China durch die Boykotte und Energiewende des Westens die...

fanreisender 28. Feb 2022

Aus meiner Jugendzeit kenne ich die kleine Zeitschrift "Sputnik". Das war ganz klar ein...

postemi 28. Feb 2022



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Galaxy-Z-Serie im Hands-on
Samsungs Fold 4 und Flip 4 mit Top-SoCs und tollen Displays

Samsungs neue Falt-Smartphones sehen ihren Vorgängern sehr ähnlich - technisch gibt es aber einige praktische Neuerungen.
Ein Hands-on von Tobias Költzsch

Galaxy-Z-Serie im Hands-on: Samsungs Fold 4 und Flip 4 mit Top-SoCs und tollen Displays
Artikel
  1. Smartwatch: Samsung präsentiert Galaxy Watch 5 und 5 Pro
    Smartwatch
    Samsung präsentiert Galaxy Watch 5 und 5 Pro

    Die neuen Galaxy Watches von Samsung kommen in zwei Modellvarianten - das Pro-Modell ist robuster und hat eine gute Akkulaufzeit.

  2. Reparatur von Elektroauto-Akkus: Wie eine Operation am offenen Herzen
    Reparatur von Elektroauto-Akkus
    Wie eine Operation am offenen Herzen

    Eine defekte Zelle ist noch lange kein Grund für einen Wechsel des Akkus. Doch wie gehen Hersteller mit defekten Batterien von Elektroautos um?
    Ein Bericht von Dirk Kunde

  3. Datenschutz bei Whatsapp etc.: Was bei Messengerdiensten zu beachten ist
    Datenschutz bei Whatsapp etc.
    Was bei Messengerdiensten zu beachten ist

    Datenschutz für Sysadmins In einer zehnteiligen Serie behandelt Golem.de die wichtigsten Themen, die Sysadmins beim Datenschutz beachten müssen. Teil 1: Whatsapp & Co.
    Eine Anleitung von Friedhelm Greis

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Günstig wie nie: Samsung SSD 2TB Heatsink (PS5) 219,99€ • Grafikkarten zu Tiefpreisen (Gigabyte RTX 3080 Ti 1.089€, Gigabyte RTX 3080 12GB 859€) • MSI-Sale: Gaming-Laptops/PCs bis -30% • Sharkoon PC-Gehäuse -53% • Philips Hue -46% • Der beste Gaming-PC für 2.000€ [Werbung]
    •  /