Gasabhängigkeit wurde verfestigt

Auch für Uran ist Russland ein wichtiger Lieferant - und der weltweit größte Uranlieferant ist Kasachstan, das zumindest bis vor kurzem als enger Verbündeter von Russland galt. Zuletzt hat sich Kasachstan allerdings vom russischen Krieg in der Ukraine distanziert.

Auch bei manchen für die Energiewende relevanten Metallen, etwa für hochwertiges Nickel und Palladium, ist Russland ein wichtiger Exporteur. Viel gewonnen wäre natürlich nicht, wenn man russisches Gas kappt und dafür andere Rohstoffe verstärkt importiert.

Eine weitere Problematik, auf die der Bruegel-Bericht verweist: Ein nur teilweises Abkoppeln von Russland würde der EU zwar viele Probleme bereiten, dem Lieferanten Gazprom aber nur begrenzt schaden. Denn durch die Mengenbegrenzungen würden fast zwangsweise die Preise für Gas deutlich steigen - und Gazprom würde mit der Lieferung von weniger Gas immer noch gut verdienen.

Insgesamt fällt dabei vielen EU-Ländern und insbesondere Deutschland auf die Füße, dass man in den vergangenen Jahren trotz Klimakrise die Abhängigkeit von fossilem Erdgas vielfach noch verfestigt hat. Dabei spielt die Nutzung von Gas zur Stromerzeugung wie gesagt nur eine untergeordnete Rolle, das meiste Gas wird in der Industrie und in Haushalten zur Wärmeerzeugung genutzt.

Gasheizungen bauen hilft Putin

Wärmepumpen erlebten in den letzten Jahren zwar ein enormes Wachstum, doch nach wie vor werden vor allem Gasheizungen verbaut. Noch im vergangenen Jahr waren es in Deutschland über 600.000 - mehr als viermal so viel wie Wärmepumpen. Selbst in Neubaugebieten werden häufig Gasleitungen verlegt.

Begründet wird das teilweise mit dem Versprechen, sie irgendwann auf Wasserstoff umzustellen, doch außerhalb der Lobby-Verbände der Gaswirtschaft hält das kaum jemand für plausibel. Heizen mit Wasserstoff ist extrem ineffizient und der noch lange knappe Wasserstoff wird an anderer Stelle dringender gebraucht.

Die Sanierung von Gebäuden, die den Gasverbrauch deutlich senken könnte, verläuft eher schleppend und es sind bei der Förderung gravierende Fehler gemacht worden. Im Januar musste die Kreditanstalt für Wiederaufbau die Förderung für effiziente Gebäude stoppen. Der Hintergrund: Bis Ende Januar wurde ein längst obsoleter Effizienzstandard für Neubauten gefördert - und dabei Geld verschwendet, das man für die viel wichtigere Sanierung von alten Gebäuden hätte nutzen können.

Das meiste Gas wird in der Industrie verwendet

Ein Thema, das bisher kaum diskutiert wird, ist der Gasverbrauch der Industrie. Es wird dabei vor allem zur Wärmeerzeugung genutzt. Dazu kommt die Nutzung von Gas als Rohstoff etwa in der Methanol- und Ammoniak-Produktion. Die Gasheizkessel der Industrie müssen mittelfristig Elektroheizungen weichen, bei Düngemittel und Chemikalien muss auf eine Wasserstoff-basierte Produktion umgestellt werden.

Sich kurzfristig aus der Abhängigkeit von russischen Energieimporten zu lösen, ist wohl nur unter enormen Anstrengungen und Kosten zu schaffen. Vermeiden sollte man dabei, sich Hypotheken für die Zukunft aufzuladen, die kurzfristig nicht helfen und langfristig die Klimakrise verschärfen.

Das gilt für die von einigen Politikern inzwischen erhobene Forderung, den Kohleausstieg 2030 nochmal infrage zu stellen. Problematisch erscheint aber auch der inzwischen selbst von Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck geforderte Bau von LNG-Terminals. Über diese könnte verflüssigtes Erdgas importiert werden.

Kurzfristig würde dies wenig helfen, langfristig muss der Gasverbrauch sowieso drastisch sinken und perspektivisch ganz wegfallen. Das heißt nicht, dass LNG-Importe nicht mittelfristig die Abhängigkeit von russischem Erdgas senken können. Doch das funktioniert für die nächsten Jahre sowieso nur über die bereits bestehenden LNG-Terminals in anderen EU-Ländern, neue Terminals können nicht kurzfristig gebaut werden.

Die Abhängigkeit der EU von russischen Energieimporten ist groß. Dass man sich in so hohem Maße abhängig von einem Despotenregime macht, war schon vor dem Ukraine-Krieg keine gute Idee. In der aktuellen Situation ist es fatal.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Industrie einschränken und Kohlekraftwerke wieder anfahren
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3


bofhl 14. Mär 2022

Da kann ich nur zustimmen! Umbau meines aktuellen Hauses (Gas-Heizung) würde mindestens...

bofhl 14. Mär 2022

Bis auf Norwegen dürften alle europ. Staaten gewaltige Probleme haben, bei einer Gas...

thinksimple 11. Mär 2022

Ne Feestaubanlage und Spanien? Oder er is mal wieder woanders...

mfeldt 09. Mär 2022

And what about Tigray?



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Whistleblower
Ehemaliger US-Konteradmiral äußert sich zu Außerirdischen

Wieder hat sich in den USA ein ehemals hochrangiger Militär und Beamter über Kontakte mit Aliens geäußert.

Whistleblower: Ehemaliger US-Konteradmiral äußert sich zu Außerirdischen
Artikel
  1. Schadstoffnorm 7: Neue Grenzwerte für Abrieb gelten auch für E-Autos
    Schadstoffnorm 7
    Neue Grenzwerte für Abrieb gelten auch für E-Autos

    Die neue Euronorm 7 legt nicht nur Grenzwerte für Bremsen- und Reifenabrieb fest, sondern auch Mindestanforderungen für Akkus.

  2. Ramjet: General Electric testet Hyperschalltriebwerk
    Ramjet
    General Electric testet Hyperschalltriebwerk

    Das Triebwerk soll Flüge mit Mach 5 ermöglichen.

  3. Elektroautos: Mercedes und Stellantis übernehmen komplette Umweltprämie
    Elektroautos
    Mercedes und Stellantis übernehmen komplette Umweltprämie

    Nach dem abrupten Aus der staatlichen Förderung springen erste Hersteller von Elektroautos ein.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • Last-Minute-Angebote bei Amazon • Avatar & The Crew Motorfest bis -50% • Xbox Series X 399€ • Cherry MX Board 3.0 S 49,95€ • Crucial MX500 2 TB 110,90€ • AVM FRITZ!Box 7590 AX + FRITZ!DECT 500 219€ [Werbung]
    •  /