Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Ukrainekrieg: Militärroboter nimmt offenbar ohne Soldaten Stellung ein

Die Ukraine setzt immer stärker auf Drohnen und Roboter. Jetzt meldet Präsident Selenskyj einen neuen Schritt in der Kriegsführung.
/ Andreas Donath
41 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Termit-Drohne (Bild: Ukrainisches Verteidigungsministerium)
Termit-Drohne Bild: Ukrainisches Verteidigungsministerium
Inhalt
  1. Ukrainekrieg: Militärroboter nimmt offenbar ohne Soldaten Stellung ein
  2. Protector ist derzeit größtes Bodenrobotersystem

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am 13. April 2026 auf dem Tag der Rüstungshersteller bekanntgegeben, eine russische Stellung sei zum ersten Mal ausschliesslich durch unbemannte Plattformen eingenommen worden(öffnet im neuen Fenster) – mithilfe von Bodensystemen und Drohnen. Die Ukraine hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Bodensysteme entwickelt.

Unabhängig vollständig verifiziert ist der Vorfall nicht(öffnet im neuen Fenster). Der Militäranalyst Ivan Stupak bezeichnete es in The Moscow Times als wahrscheinlich, dass nur eine kleinere, sekundäre Stellung eingenommen worden sei.

Dennoch zeigt das Ereignis die militärische Entwicklung der letzten Monate: Im Juli 2025 erzwang die 3. Sturmbrigade Selensky zufolge eine russische Kapitulation nur mit Drohnen und Robotern in der Oblast Charkiw. Im Januar 2026 nahm ein Bodenroboter drei russische Soldaten bei Lyman gefangen. Im März 2026 hielt ein einzelner bewaffneter Bodenroboter einen Abschnitt 45 Tage und kehrte nur alle zwei Tage zur Wartung und Aufmunitionierung zurück.

Dahinter steckt ein Ökosystem von rund 280 ukrainischen UGV-Herstellern (Unmanned Ground Vehicles, also unbemannte Bodenfahrzeuge) mit rund 80 Systemen.

Diese Systeme gibt es aktuell

Das auffälligste System der vergangenen Monate ist der Ratel S(öffnet im neuen Fenster), entwickelt von einem Unternehmen, das bis 2022 Straßenbeleuchtung baute. Das vierrädrige Elektrofahrzeug ist weniger als 60 Zentimeter lang, 20 Zentimeter hoch – flach genug, um unter gepanzerte Fahrzeuge zu gleiten – und trägt 35 bis 40 Kilogramm Sprengstoff. Es fährt bis zu 24 km/h, wird aus bis zu 6,3 Kilometern Entfernung gesteuert und kostet zwischen 2.500 und 3.000 US-Dollar das Stück. Im April 2024 zerstörte ein Ratel S eine Brücke bei Iwaniwske. Inzwischen produziert das Unternehmen bis zu 100 Stück pro Monat.

Der Ratel H(öffnet im neuen Fenster) ist ein 6×6-Radfahrzeug mit rund 1.100 Kilogramm Leergewicht, kann bis zu 400 Kilogramm Fracht oder zwei Verwundete transportieren, schleppt Lasten bis zu 1,5 Tonnen und kommt mit Lidar, Tag-Nacht-Kameras und Starlink. Ein Upgrade rüstete ihn mit einem Werfermodul für vier glasfasergesteuerte FPV-Drohnen aus. Der noch größere Ratel X(öffnet im neuen Fenster) erreicht 120 Kilometer Reichweite, trägt 400 Kilogramm und hat 42 Zentimeter Bodenfreiheit für schwieriges Gelände.

Deutlich modularer ist der Termit(öffnet im neuen Fenster) des Unternehmens Tencore aufgebaut. Das Kettenfahrzeug wiegt 280 Kilogramm, trägt bis zu 300 Kilogramm Nutzlast, fährt bis zu 20 Kilometer weit und lässt sich in rund zehn Minuten umkonfigurieren – von einem Minenverlegesystem über einen gyrostabilisierten Turm für ein Browning-M2-Maschinengewehr oder MK-19-Granatwerfer bis hin zu einem EW-Modul oder einer Sanitätskonfiguration. Rund 800 Einheiten wurden bereits produziert(öffnet im neuen Fenster), das Ziel sind 2.000 bis Ende 2026.


Relevante Themen