Ukraine-Krieg: KI-Chatbots zitieren sanktionierte russische Medien

KI-Chatbots wie ChatGPT, Google Gemini, Deepseek und Grok beziehen sich offenbar auf russische Staatsmedien, wenn sie Fragen zum Ukraine-Konflikt beantworten. Das zeigen neue Erkenntnisse des Institute of Strategic Dialogue (ISD), über die Wired berichtete(öffnet im neuen Fenster) .
Die im Juli 2025 durchgeführte und im Oktober noch einmal kontrollierte Untersuchung ergab, dass rund 18 Prozent der Antworten von vier getesteten Chatbots Zitate aus russischen staatlich kontrollierten Medien enthielten. Viele dieser Quellen unterliegen in der Europäischen Union Sanktionen wegen der Verbreitung von Desinformation.
ISD-Forscher testeten 300 Fragen in fünf Sprachen – Englisch, Spanisch, Französisch, Deutsch und Italienisch. Die Anfragen reichten von neutral bis bewusst tendenziös und behandelten Themen wie die Rolle der Nato, Friedensverhandlungen, ukrainische Rekrutierungen, Flüchtlingsfragen und mutmaßliche Kriegsverbrechen.
Die Chatbots zitierten Quellen wie Sputnik Globe, RT, EA Daily, Strategic Culture Foundation und andere Medien mit Verbindungen zu russischen Geheimdiensten oder kremlnaher Berichterstattung. Einige Antworten verwiesen auf Social-Media-Konten und Personen, die bekanntermaßen russische Regierungsnarrative wiedergeben.
Fragen zur Informationsauswahl der KI
Studienleiter Pablo Maristany de las Casas hält es für bedenklich, wie Chatbots mit sanktionierten Quellen umgingen – insbesondere angesichts der Maßnahmen der EU gegen mindestens 27 russische Medien. Das Problem wird aufgrund der verstärkten Nutzung von KI-Chatbots statt traditioneller Suchmaschinen immer größer.
OpenAI berichtete, dass die ChatGPT-Suche in den sechs Monaten bis September 2025 durchschnittlich 120,4 Millionen monatlich aktive Nutzer in der EU gehabt habe. Unternehmenssprecherin Kate Waters erklärte, die Studie beziehe sich offenbar auf Suchergebnisse aus dem Internet und nicht auf reine Modellantworten – dies sei "kein Problem der Modellmanipulation" .
Die Forscher identifizierten sogenannte Data Voids – Situationen, in denen seriöse Quellen zu bestimmten Themen nur begrenzte Informationen liefern und Propaganda die Lücke füllen kann. Die Chatbots bestätigten zudem Nutzer in ihren Vorurteilen: Bei tendenziösen Fragen erschien russischer Staats-Content in 25 Prozent der Fälle, verglichen mit knapp etwas mehr als 10 Prozent bei neutralen Anfragen.
ChatGPT bedient russische Narrative
ChatGPT zitierte unter den getesteten Plattformen am häufigsten russische Quellen. Grok verlinkte tendenziell auf Social-Media-Accounts, die Kreml-Narrative verbreiten, während Deepseek manchmal größere Mengen russischer Staatsnarrative reproduzierte. Googles Gemini schnitt insgesamt am besten ab und zeigte häufig Warnungen neben den Ergebnissen.
Forscher brachten einige Inhalte mit einem Netzwerk namens Pravda in Verbindung, welches das Internet mit Propagandaartikeln überschwemmt.
Die EU könnte mit wachsender Chatbot-Nutzung verstärkt regulatorischen Druck ausüben. ChatGPT könnte als sehr große Onlineplattform eingestuft werden, sobald es 45 Millionen durchschnittliche monatliche EU-Nutzer erreicht – was bestimmte Anforderungen an die Inhaltsmoderation zur Folge hätte.