Ukraine: 42 Staaten verlangen Rückzug vom AKW Saporischschja
Die Umgebung des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja steht unter Beschuss. 42 Staaten verlangen den Abzug russischer Truppen.
Russland soll umgehend seine Soldaten vom Gelände des Atomkraftwerks Saporischschja zurückziehen, verlangen 42 Staaten in einer Erklärung. Das umkämpfte Gebiet wurde von Russland besetzt, die ukrainischen Mitarbeiter müssen den Betrieb jedoch sicherstellen. Seit mehreren Wochen ist die Umgebung des Kraftwerks Ziel von Artillerieangriffen, was die Sorge um die Unterbrechung der Stromzufuhr oder - im schlimmsten Fall - zum Austritt von strahlendem Material stark erhöht. Wie nah der Beschuss ist, lässt sich aufgrund der Kriegslage nicht sicher feststellen.
Wer in der Nähe des Atomkraftwerks Saporischschja in der Südukraine schießt, lässt sich ebenfalls nicht objektiv klären, beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig. UN-Generalsekretär António Guterres forderte, alle militärischen Operationen in unmittelbarer Nähe des Kernkraftwerks sofort einzustellen sowie Militärpersonal und militärische Ausrüstung aus dem Kernkraftwerk abzuziehen. Guterres hat in einem Telefonat mit dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu über die Lage am ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja gesprochen.
Appelle von allen Seiten bislang fruchtlos
42 Staaten, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland, fordern von Russland den Abzug der Truppen um das Atomkraftwerk herum. In der Erklärung heißt es: "Die Anwesenheit russischer Streitkräfte im Kernkraftwerk Saporischschja hindert den Betreiber und die ukrainischen Behörden daran, ihren Verpflichtungen im Bereich der nuklearen Sicherheit und der Strahlensicherheit gemäß den internationalen Übereinkommen und den Sicherheitsstandards der IAEO nachzukommen, und hindert die IAEO an der Erfüllung ihres Überwachungsauftrags."
Das AKW Saporischschja liegt am Fluss Dnipro bei der Stadt Enerhodar im Südosten der Ukraine. Dort befinden sich sechs Druckwasserreaktoren der sowjetischen Bauart WWER-1000/320 mit je 950 Megawatt Nettoleistung.
UN-Generalsekretär António Guterres forderte Anfang August 2022, dass Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Zugang zum Atomkraftwerk Saporischschja erhalten, um die Schäden zu untersuchen. Die Ukraine teilte mit, dass durch den Beschuss drei Strahlungssensoren beschädigt und ein Arbeiter im Kraftwerk verletzt worden seien. Am 5. August wurde ein Reaktorblock heruntergefahren. Am 11. August wurden dann nach ukrainischer Darstellung eine Pumpstation sowie Strahlungssensoren beschädigt.
Steht Europa vor einer nuklearen Katastrophe durch Super-GAU?
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte in seiner täglichen Videoansprache noch einmal vor den Folgen einer nuklearen Katastrophe gewarnt. "Jeder radioaktive Zwischenfall im Atomkraftwerk Saporischschja könnte auch zu einem Schlag gegen die Staaten der Europäischen Union und gegen die Türkei und gegen Georgien und gegen die Staaten weiter entfernter Regionen werden", sagte er laut einem Bericht des Senders Deutsche Welle. "Alles hängt nur von der Richtung und der Stärke des Windes ab."
Derweil gibt es Verzögerung für den Besuch einer internationalen Experten-Mission in Saporischschja. Russland beschuldigt die Vereinten Nationen, die geplante Maßnahme der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA zu verhindern oder zu blockieren. Die UN wies die Vorwürfe zurück, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.