UFO Sweden: Wenn Akte X auf Stranger Things trifft

Schweden ist filmisch vor allem für Ingmar Bergmann bekannt - für große, eindringliche Dramen. Für Science-Fiction-Filme? Eher weniger. Auf dem Cover wirbt man mit dem Spruch, dass hier Akte X auf Stranger Things auf Super 8 trifft - und irgendwie stimmt das alles auch.
Man darf aber nicht an Mulder und Scully denken, eher an die Lone Gunmen, die den beiden FBI-Agenten immer wieder unter die Arme greifen. Monster wie bei Stranger Things gibt es bei UFO Sweden nicht, das Setting in den 90er Jahren ist jedoch nostalgisch und die Musik lässt durchaus Erinnerungen an die Netflix-Serie aufkommen. Super 8 ist vielleicht am weitesten entfernt, denn wie gesagt: Um Monster geht es nicht. Vielmehr um Ufos.
Wurde der Vater entführt?
Denise ist eine Teenagerin, die sich gerne mit anderen anlegt. Seit Jahren lebt sie in einer Pflegefamilie, seit ihr Vater verschwunden ist. Sie glaubt aber nicht, dass er tot ist, sondern geht davon aus, dass er entführt wurde. Darum sucht sie - wie ihr Vater zuvor - Kontakt zu der lokalen Organisation UFO Sweden, die sich der Erforschung übernatürlicher Phänomene verschrieben hat.
Aber können die skurrilen Mitglieder der Gruppe Denise wirklich helfen, wenn es darum geht, eine Wahrheit zu enthüllen, die die Grenzen der Naturgesetze aushebelt?
Die Wahrheit ist dort draußen
Der Auftakt spielt im Jahr 1988, als Denises Vater verschwindet. Danach springt der Film ins Jahr 1996 und zeigt ihre Bemühungen, ihn zu finden - mit der Hilfe der Organisation UFO Sweden. Das ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Leuten, die Denise "Freaks" nennt. Oder auch: Spinner.
Es sind Leute, die an das Unglaubliche glauben, aber auch irgendwie feststecken. Denn sie sind zur Überzeugung gekommen, dass mehr Skepsis und weniger Glauben angesagt ist. So geht es im Film auch darum, wie sie wieder zu sich selbst finden - insbesondere der von Jesper Barkselius gespielte Lennart, der wie eine Realversion von Ned Flanders aus Die Simpsons aussieht.
Newcomerin Inez Dahl Torhaug, die Tochter von Kristine Eline Torhaug (Exit - Lauf um dein Leben) ist ein Naturtalent: Als Denise ist sie die treibende Kraft in dem Film. Ihre Figur gibt niemals auf, selbst wenn alles gegen das spricht, woran sie ganz fest glaubt.
Toller Genremix
Der Film ist knapp zwei Stunden lang - und die vergehen wie im Flug, weil er es versteht, viele verschiedene Stimmungen zu erzeugen. Er ist spannend, mysteriös, actionreich und hat Humor. Der ergibt sich aus den Dialogen, aber auch aus den Situationen - etwa mit Untertassen-Karl, einem der Mitglieder von UFO Sweden.
UFO Sweden wirkt an manchen Stellen wie eine etwas skurrilere Folge von Akte X, darüber hinaus ist er aber auch ein durchaus aufwendiger Film. Das zeigt sich vor allem im großen Finale, als klar wird, was mit dem Vater von Denise passiert ist und welchem Phänomen die UFO-Ermittler hier auf der Spur sind.
Die hier eingesetzten Effekte sind makellos: nicht überzogen, aber absolut überzeugend. Sie fügen sich gut ins generell realistisch anmutende Ambiente des Films ein.
Das Ende des Films ist so gestaltet, dass eine Fortsetzung folgen könnte - aber nicht muss. Immerhin gibt es für UFO Sweden noch allerhand zu entdecken und zu enthüllen.
Die Wahrheit ist da draußen, das wusste schon Fox Mulder. Schön wäre es schon, die Gruppe wiederzusehen. Die Chancen stehen auch nicht schlecht. Der Film war in Schweden erfolgreich, was aber noch wichtiger ist: Auf dem letztjährigen Festival in Cannes wurde der nur gut drei Millionen Euro(öffnet im neuen Fenster) teure Film in mehr als 100 Länder(öffnet im neuen Fenster) verkauft.
Digital(öffnet im neuen Fenster) ist der Film bereits erhältlich, auf DVD und Blu-ray erscheint er am 13. Juli.



