"Wir sind nicht perfekt, aber zumindest sind wir nicht China"

Doch inzwischen würden westliche Firmen diese dystopischen Berichte über China dazu nutzen, um damit ihre eigene Regulierung zu verhindern. Entsprechend argumentierte beispielsweise Facebook-Chef Mark Zuckerberg im Oktober 2019, um eine Zerschlagung seines Unternehmens zu verhindern. Dabei soll er in Gesprächen mit dem damaligen US-Präsident Donald Trump und US-Abgeordneten Stimmung gegen die chinesische Kurzvideo-App Tiktok gemacht haben. "Wir sind nicht perfekt, aber zumindest sind wir nicht China", skizzierte Tai die Argumentation von Facebook und fügte hinzu: "Das gibt vermutlich den falschen Leuten mehr Macht und erschwert es, tatsächliche Probleme anzugehen."

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Zu guter Letzt hält es Tai auch für möglich, dass man mit solchen Mythen am Ende Propaganda für die Regierung mache. Denn sie lasse den chinesischen Staat mächtiger erscheinen, als er tatsächlich sei. Wenn es ein Ziel der Regierung sein, die Menschen einzuschüchtern, werde das durch solche Berichte eher unterstützt. Tais Resümee: "Ich sage nicht, dass keine schlimmen Dinge passieren. Aber ich sage, dass wir nicht solche Dinge glauben sollte, die nicht passieren."

Wie lässt sich Dichtung von Wahrheit trennen?

Doch wie sollen westliche Beobachter Fiktion und Realität aus der Ferne trennen können? Dafür konnte Tai keine Patentlösungen präsentieren. Einige Vorschläge dazu leitete sie jedoch aus einem Podcast mit der Wissenschaftlerin Shazeda Ahmed ab.

Zu den Warnsignalen gehöre beispielsweise, wenn bestimmte Anekdoten immer und immer wieder in Medien als Beispiel angeführt würden. In einem großen Land wie China sei es jedoch sehr ungewöhnlich, dass sich dafür keine andere Person fände, der dies ebenfalls passiert sei. Daher sollte aus diesem Einzelfall nicht auf das ganze Land geschlossen werden.

Nicht nur voneinander abschreiben

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Ebenfalls sollte darauf geachtet werden, dass nicht nur fremdsprachige Quellen herangezogen würden, sondern auch auf einheimische Medien verlinkt werde. So habe die New York Times falsch über die Kontaktnachverfolgung berichtet, was dann von vielen westlichen Medien aufgegriffen worden sei.

Allerdings räumte Tai ein, dass es selbst für Außenstehende mit Fremdsprachenkenntnis bisweilen schwierig sei, beispielsweise Gesetzestexte richtig zu verstehen. Daher müssten diese richtig in den Kontext eingeordnet werden können. Am besten wäre vor allem bei Berichten über Technik-Themen, diese an Ort und Stelle zu überprüfen oder zumindest mit Forschern zu sprechen, die sich im Lande selbst damit beschäftigt hätten.

Wobei Tai als großes Aber anfügte, dass Menschen, die einem System unterworfen seien, nicht automatisch verstünden, wie es tatsächlich funktioniere. Das gelte nicht nur für China, sondern auch hierzulande, wenn man sie beispielsweise auf der Straße nach der Währungspolitik befrage. Zu guter Letzt gab sie noch die etwas trivialer wirkenden Tipps, vor allem in China nicht gleich von einzelnen lokalen Experimenten auf das ganze Land zu schließen und zwischen Fakten und Spekulationen sauber zu trennen. Die Möglichkeit, dass eine Technik in Zukunft missbraucht werden könnte, bedeute noch lange nicht, dass sie tatsächlich missbraucht werde, sagte Tai.

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 Überwachung: Warum Tech-Märchen über Asien gefährlich sind
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ubuntu_user 03. Jan 2022 / Themenstart

das ist aber keine Völkerverständigung. Wir haben einfach die "Kultur" der Amerikaner...

chellican 03. Jan 2022 / Themenstart

Zum einen erklärt er nicht die Überschrift, zum anderen wird teilweise Asien mit China...

luke93 03. Jan 2022 / Themenstart

Davon gibts genügend: Welt, FAZ, TAZ, Süddeutsche, Handelsblatt... Der Erfolg der Bild...

async 02. Jan 2022 / Themenstart

Eventuell kannst du dir den zitierten Talk anschauen. Es geht darum nicht jeden Artikel...

Sinthex 02. Jan 2022 / Themenstart

Den Eindruck habe ich auch gewonnen. Der Artikel wirkt wie ein Lückenfüller für was auch...

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