Überwachung: Trapwire spioniert Bürger in großem Stil aus

Das riesige Spionagesystem Trapwire ist lange niemandem aufgefallen, bis Wikileaks darauf hinwies. Es verknüpft Überwachungskameras mit Datenbanken und sucht Verdächtige.

Artikel veröffentlicht am , Kai Biermann/Zeit Online
"If you see something, say something" - Aufkleber einer Kampagne der US-Regierung für mehr "öffentliche Wachsamkeit" in Washington D.C.
"If you see something, say something" - Aufkleber einer Kampagne der US-Regierung für mehr "öffentliche Wachsamkeit" in Washington D.C. (Bild: Elvert Barnes/CC BY-SA 2.0)

Jahrelang ist niemand über das Überwachungssystem Trapwire gestolpert (auch wir nicht), obwohl es eigentlich kein Geheimnis war. Erst eine Veröffentlichung von Wikileaks vor wenigen Tagen sorgte dafür, dass die Überwachungssoftware einer breiteren Öffentlichkeit bekanntwurde.

Inhalt:
  1. Überwachung: Trapwire spioniert Bürger in großem Stil aus
  2. Musteranalyse soll Einzelgänger finden
  3. Privatisierte Überwachung aller Bürger

Trapwire ist ein Algorithmus, der insbesondere Terroristen erkennen soll, bevor sie zuschlagen. Das zugrundeliegende Konzept heißt Predictive Policing. Dabei ist keines der Einzelteile von Trapwire revolutionär oder überraschend. Zu einem gespenstischen Instrument der Überwachung wird Trapwire jedoch durch den hohen Grad an Vernetzung.

Wie von Wikileaks veröffentlichte Dokumente nahelegen, die derzeit am besten via TOR zugänglich sind, ist das System inzwischen an vielen Orten vor allem in den USA und Großbritannien im Einsatz: in New Yorker U-Bahnen genauso wie in Casinos in Las Vegas, auf öffentlichen Plätzen in San Francisco, rund ums Weiße Haus und an der Londoner Börse.

Interne E-Mails von Stratfor

Quelle der Information sind interne E-Mails des amerikanischen Unternehmens Stratfor. Das verkauft Bedrohungsanalysen und Einschätzungen zu Konflikten weltweit. Im Namen von Anonymous haben Hacker Ende 2011 die Server der Firma angegriffen. Dabei kopierten sie Kreditkartendaten und eben Millionen interne E-Mails, die Wikileaks seit Februar schrittweise veröffentlicht.

Stellenmarkt
  1. Windows und Security Administrator (m/w/d)
    NOVENTI Health SE, Bietigheim-Bissingen, Gefrees, Mannheim, München, Oberhausen
  2. Smart-City-Manager (w/m/d)
    Stadt Fürth, Fürth
Detailsuche

Die nun bekanntgewordenen E-Mails stammen aus den Jahren 2009 bis 2011. Allzu viel steht nicht in ihnen, doch zeigen sie zumindest Ausschnitte aus dem Geschehen rund um das Überwachungsprogramm. Zum Beispiel einen Kooperationsvertrag, den Stratfor mit der für Trapwire verantwortlichen Firma geschlossen hat.

Wie gesagt, so geheim ist das Ganze gar nicht. Trapwire ist das Produkt eines Unternehmens namens Abraxas Applications, das heute Trapwire heißt. Und dieses Unternehmen will sein Produkt verkaufen. Daher gibt es eine ganze Menge öffentlicher Äußerungen und Broschüren zu dem Programm.

Seit Jahren beworben

Beispielsweise wurde es im Fachmagazin Crime&Justice 2006 ausführlich vorgestellt. Auch die Patentschrift aus dem gleichen Jahr ist zugänglich. In einem Interview mit dem Firmenchef wird es bereits 2005 beschrieben. Aus dem Jahr 2007 findet sich eine Mitteilung des Herstellers selbst und auch in einer Pressemitteilung aus dem Jahr 2012 ist es erklärt.

Trapwire ist demnach ein Instrument zur Analyse von Videobildern und textbasierten Informationen. Letztere kommen unter anderem von Stratfor. Es soll Auffälligkeiten herausfiltern und vernetzt dazu viele Quellen wie Überwachungskameras und Hotlines.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Musteranalyse soll Einzelgänger finden 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Luftsicherheit
Wenn plötzlich das Foto einer Waffe auf dem iPhone erscheint

Ein Jugendlicher hat ein Foto einer Waffe per Apples Airdrop an mehrere Flugpassagiere gesendet. Das Flugzeug wurde daraufhin evakuiert.

Luftsicherheit: Wenn plötzlich das Foto einer Waffe auf dem iPhone erscheint
Artikel
  1. Black Widow: Scarlett Johansson verklagt Disney
    Black Widow
    Scarlett Johansson verklagt Disney

    Scarlett Johansson hat wegen des Veröffentlichungsmodells von Black Widow Klage eingereicht. Disney nennt das Verhalten "herzlos".

  2. VW ID.4 im Test: Schön brav
    VW ID.4 im Test
    Schön brav

    Eine Rakete ist der ID.4 nicht. Dafür bietet das neue E-Auto von VW viel Platz, hält Spur und Geschwindigkeit - und einmal geht es sogar sportlich in die Kurve.
    Ein Test von Werner Pluta

  3. Kryptowährung: Paar will Ethereum verklagen, weil es nicht an Coins kommt
    Kryptowährung
    Paar will Ethereum verklagen, weil es nicht an Coins kommt

    3.000 Ether kaufte ein Paar 2014. Doch den Schlüssel zum Wallet will es nie erhalten haben. Jetzt sammeln die beiden Geld, um Ethereum zu verklagen.

spiderbit 16. Aug 2012

Das stimmt so nicht, die "extrem" linke also quasi die Linkspartei (gibt noch eine die...

a user 15. Aug 2012

interessante interpretation meiner aussage, so sagt sie doch recht viel aus über das...

borg 15. Aug 2012

Die Kameras alleine sind ja nicht alles. Erst die zusammenführung mit anderen Daten...

Anonymer Nutzer 14. Aug 2012

Die üblichen Überwachungskameras haben doch eine miserable Auflösung. Zumindest das was...

Casandro 14. Aug 2012

Das müsste man doch fast schon automatisiert machen können.



Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Schnäppchen • Mega-Marken-Sparen bei MediaMarkt (u. a. Lenovo & Razer) • Tag der Freundschaft bei Saturn: 1 Produkt zahlen, 2 erhalten • Razer Deathadder V2 Pro Gaming-Maus 95€ • Alternate-Deals (u. a. Kingston 16GB Kit DDR4-3200MHz 81,90€) • Razer Kraken X Gaming-Headset 44€ [Werbung]
    •  /