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Überwachung: Techniker installiert Kameras und beobachtet Kunden

Ein Angestellter hat Überwachungskameras für Kunden der Sicherheitsfirma ADT installiert und sie missbraucht, um Paare beim Sex zu beobachten.
/ Moritz Tremmel
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Ein ADT-Techniker installiert eine Überwachungskamera (Symbolbild). (Bild: ADT)
Ein ADT-Techniker installiert eine Überwachungskamera (Symbolbild). Bild: ADT

Die Sicherheitsfirma ADT vertreibt und installiert Heimsicherheitssysteme. Ein ehemaliger Angestellter hat über Jahre auf die installierten Überwachungskameras zugegriffen, um Frauen unbekleidet oder Paare beim Sex zu beobachten. Das gestand der Beschuldigte am Donnerstag vor einem US-Bezirksgericht in Texas.

Im vergangenen Jahr kündigte Google an, 450 Millionen US-Dollar in ADT investieren zu wollen. ADT vertreibt auch in Deutschland Videoüberwachungssysteme über eine Tochterfirma.

Vor Gericht erklärte der 35-Jährige, er habe sich Häuser mit Frauen, die er attraktiv fand, notiert und deren Kameras zu seiner sexuellen Befriedigung angezapft. Insgesamt soll insgesamt etwa 9.600-mal auf rund 200 Kundenkonten zugegriffen haben, berichtet das Onlinemagazin Ars Technica(öffnet im neuen Fenster) .

Zugriff über ADT-Pulse-Konten

Er habe routinemäßig seine E-Mail-Adresse in die ADT-Pulse-Konten der Kunden eingetragen, um auf diese zugreifen zu können, erklärte der Beschuldigte. Die Konten ermöglichen einen Zugriff aus der Ferne auf das ADT-Heimsicherheitssystem. So können beispielsweise Lichter ein- oder ausgeschaltet, Alarme scharfgestellt oder deaktiviert oder auf die Aufnahmen der Überwachungskameras zugegriffen werden.

In einigen Fällen habe er den Kunden erklärt, dass er sich vorübergehend selbst hinzufügen müsse, um das System zu testen. In anderen Fällen fügte er sich ohne deren Wissen hinzu. Er bekannte sich in den Anklagepunkten des Computerbetruges und der invasiven visuellen Aufzeichnung für schuldig. Ihm droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Laut einem ADT-Sprecher(öffnet im neuen Fenster) hat das Unternehmen die Staatsanwaltschaft auf den Fall aufmerksam gemacht, nachdem es im April das illegale Verhalten des ehemaligen Angestellten bemerkte. Die betroffenen Kunden seien daraufhin kontaktiert worden, "um die Sache in Ordnung zu bringen."

Unter den Betroffenen sind auch Familien und deren minderjährige Kinder. Einige Betroffene werfen ADT vor, Sicherheitsvorkehrungen wie eine Zwei-Faktor-Authentifizierung sowie eine Benachrichtigung bei einem Zugriff von neuen Nutzern auf das Konto nicht umgesetzt zu haben. Dabei ist die Sicherheit von WLAN-Überwachungskameras ohnehin umstritten: In einem Test konnte Golem.de zeigen, wie leicht sich die Kameras im Vorbeigehen ausknipsen lassen .

Weitere Fälle von Datenmissbrauch

Es ist nicht der erste Fall, bei dem Angestellte ihren Datenzugriff missbrauchen. So hatte 2019 ein ehemaliger Yahoo-Mitarbeiter zugegeben, seine Position als Softwareentwickler ausgenutzt zu haben, um sich Zugang zu Tausenden Yahoo-Nutzerkonten zu verschaffen . Dort hatte er es auf private und intime Inhalte abgesehen. Zum Teil nutzte er die Yahoo-Mailkonten als Ausgangspunkt, um in andere Konten der Betroffenen einzudringen.

Der Amazon-Tochter Ring wurde vorgeworfen, dass die Angestellten auf die Aufnahmen der von den Unternehmen vertriebenen Videoüberwachungskameras zugreifen können. Ring widersprach den Vorwürfen des Onlinemagazins The Intercept.


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