Überwachung: Snowden empfiehlt Spideroak statt Dropbox

In einem Videointerview mit dem britischen Guardian plädiert US-Whistleblower Edward Snowden wieder einmal für einen vermehrten Einsatz von Verschlüsselung. Anwälte, Journalisten, Ärzte und Priester müssten die Vertraulichkeit ihrer Kommunikation schützen, sagte Snowden in einem Interview mit Guardian-Chefredakteur Alan Rusbrigder und dem Journalisten Ewen MacAskill in einem Moskauer Hotel unweit des Roten Platzes(öffnet im neuen Fenster) ( vollständiges Transkript(öffnet im neuen Fenster) ). Die Enthüllungen des vergangenen Jahres hätten gezeigt, dass unverschlüsselte Kommunikation über das Internet nicht mehr sicher sei. "Jede Kommunikation sollte standardmäßig verschlüsselt sein" , sagte Snowden. Er arbeite an der Entwicklung von Verschlüsselungsprogrammen für Journalisten, berichtete der Guardian weiter(öffnet im neuen Fenster) .
Technik sei dabei durchaus kompatibel mit dem Schutz der Privatsphäre, sagte Snowden. Sie könne sogar dazu beitragen, diese zu erhöhen. Allerdings nicht, wenn neue Anwendungen übernommen würden, ohne deren Auswirkungen zu kennen. Dabei dürfe es rechtlich keinen Unterschied machen, ob Daten digital gespeichert seien oder auf Papier vorlägen. Die Regierungen weltweit machten aber diesen Unterschied, um ihre Ermittlungsbefugnisse deutlich auszuweiten.
Nacktbilder von Überwachten werden herumgereicht
Trotz der weltweiten Überwachung rät Snowden nicht generell vom Gebrauch von Cloud-Diensten ab. "Um wirklich erfolgreich zu sein, müssen Cloud-Anbieter das Konzepts eines Zero-Knowledge-Systems verfolgen" , sagte der frühere NSA-Mitarbeiter(öffnet im neuen Fenster) . Dies bedeute, dass die Firmen selbst keine Möglichkeiten hätten, auf die bei ihnen gespeicherten Daten zuzugreifen. Dies sei die einzige Möglichkeit, um sicherzustellen, dass ihnen vertraut werden könne. Snowden nannte als Anbieter die Firma Spideroak, die im Gegensatz zum "datenschutzfeindlichen" Dropbox keinen Zugriff auf die hochgeladenen Daten der Nutzer habe. Selbst bei einem richterlichen Durchsuchungsbeschluss könne Spideroak die Daten nicht unverschlüsselt herausgeben, da sie vom Nutzer verschlüsselt würden. Snowden versicherte zudem, für persönliche Zwecke weder Google noch Skype zu benutzen. "Wir sollten ihnen nicht trauen, ohne zu überprüfen, wie sie unsere Daten verwenden" , sagte Snowden.
Nach Darstellung Snowdens ist es innerhalb der NSA durchaus "Routine" , dass Fotos überwachter Personen in sexuell kompromittierenden Situationen unter den Agenten herumgereicht würden. Solche persönlichen und intimen Daten würden ohne Autorisierung an die Regierung übergeben, kritisierte Snowden. Ein solcher Missbrauch werde zudem nirgendwo dokumentiert.
Verhandlungen mit den USA stocken
Snowden geht davon aus, noch einige Zeit in Russland bleiben zu müssen. Er zeigt sich dem Guardian zufolge enttäuscht darüber, dass westliche Staaten ihm bislang kein Asyl gewähren konnten. Eine Rückkehr in die USA scheine weiterhin sehr unwahrscheinlich, die entsprechenden Verhandlungen seien festgefahren. Snowden hofft weiterhin auf ein Verfahren vor einem Geschworenengericht in den USA. Es dürfte seiner Ansicht nach schwer werden, zwölf Geschworene zu finden, die ihn wegen eines Vergehens verurteilen würden, das im öffentlichen Interesse liege. Sorge um seine Zukunft scheint er sich dabei nicht zu machen: "Wenn ich in Ketten in Guantánamo enden würde, könnte ich auch damit leben." Snowden hält es für sehr wahrscheinlich, dass er sowohl von den russischen Geheimdiensten als auch von den USA überwacht wird.
Einen Teil seiner Zeit nutze er dazu, Verschlüsselungswerkzeuge für bestimmte Berufsgruppen zu entwickeln. Er verhandle derzeit über eine Finanzierung für das Projekt, das unter anderem dazu dienen soll, Daten von Kunden, Patienten oder journalistischen Quellen zu schützen. "Ein bedauerlicher Nebeneffekt der Entwicklung der neuen Überwachungstechniken besteht darin, dass die Arbeit von Journalisten unvergleichlich schwieriger als in der Vergangenheit geworden ist" , sagte Snowden zur Begründung. Ein einzelner Fehler könne bereits die Quellen gefährden.