Überwachung: Snowden empfiehlt Spideroak statt Dropbox

US-Whistleblower Edward Snowden vertraut seine Daten einem Dienst an, der mit "Zero Knowledge" wirbt. Für bestimmte Berufsgruppen sei Verschlüsselung inzwischen unentbehrlich.

Artikel veröffentlicht am ,
Edward Snowden fordert Verschlüsselung für bestimmte Berufsgruppen.
Edward Snowden fordert Verschlüsselung für bestimmte Berufsgruppen. (Bild: Europarat/Screenshot: Golem.de)

In einem Videointerview mit dem britischen Guardian plädiert US-Whistleblower Edward Snowden wieder einmal für einen vermehrten Einsatz von Verschlüsselung. Anwälte, Journalisten, Ärzte und Priester müssten die Vertraulichkeit ihrer Kommunikation schützen, sagte Snowden in einem Interview mit Guardian-Chefredakteur Alan Rusbrigder und dem Journalisten Ewen MacAskill in einem Moskauer Hotel unweit des Roten Platzes (vollständiges Transkript). Die Enthüllungen des vergangenen Jahres hätten gezeigt, dass unverschlüsselte Kommunikation über das Internet nicht mehr sicher sei. "Jede Kommunikation sollte standardmäßig verschlüsselt sein", sagte Snowden. Er arbeite an der Entwicklung von Verschlüsselungsprogrammen für Journalisten, berichtete der Guardian weiter.

Stellenmarkt
  1. SAP Application Engineer (m/w/d)
    VTG Aktiengesellschaft, Hamburg
  2. IT Database Administrator / Engineer (m/w/d)
    wilhelm.tel GmbH, Norderstedt
Detailsuche

Technik sei dabei durchaus kompatibel mit dem Schutz der Privatsphäre, sagte Snowden. Sie könne sogar dazu beitragen, diese zu erhöhen. Allerdings nicht, wenn neue Anwendungen übernommen würden, ohne deren Auswirkungen zu kennen. Dabei dürfe es rechtlich keinen Unterschied machen, ob Daten digital gespeichert seien oder auf Papier vorlägen. Die Regierungen weltweit machten aber diesen Unterschied, um ihre Ermittlungsbefugnisse deutlich auszuweiten.

Nacktbilder von Überwachten werden herumgereicht

Trotz der weltweiten Überwachung rät Snowden nicht generell vom Gebrauch von Cloud-Diensten ab. "Um wirklich erfolgreich zu sein, müssen Cloud-Anbieter das Konzepts eines Zero-Knowledge-Systems verfolgen", sagte der frühere NSA-Mitarbeiter. Dies bedeute, dass die Firmen selbst keine Möglichkeiten hätten, auf die bei ihnen gespeicherten Daten zuzugreifen. Dies sei die einzige Möglichkeit, um sicherzustellen, dass ihnen vertraut werden könne. Snowden nannte als Anbieter die Firma Spideroak, die im Gegensatz zum "datenschutzfeindlichen" Dropbox keinen Zugriff auf die hochgeladenen Daten der Nutzer habe. Selbst bei einem richterlichen Durchsuchungsbeschluss könne Spideroak die Daten nicht unverschlüsselt herausgeben, da sie vom Nutzer verschlüsselt würden. Snowden versicherte zudem, für persönliche Zwecke weder Google noch Skype zu benutzen. "Wir sollten ihnen nicht trauen, ohne zu überprüfen, wie sie unsere Daten verwenden", sagte Snowden.

Nach Darstellung Snowdens ist es innerhalb der NSA durchaus "Routine", dass Fotos überwachter Personen in sexuell kompromittierenden Situationen unter den Agenten herumgereicht würden. Solche persönlichen und intimen Daten würden ohne Autorisierung an die Regierung übergeben, kritisierte Snowden. Ein solcher Missbrauch werde zudem nirgendwo dokumentiert.

Verhandlungen mit den USA stocken

Golem Karrierewelt
  1. Linux-Systemadministration Grundlagen: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    09.-13.01.2023, Virtuell
  2. Entwicklung mit Unity auf der Microsoft HoloLens 2 Plattform: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    05./06.12.2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Snowden geht davon aus, noch einige Zeit in Russland bleiben zu müssen. Er zeigt sich dem Guardian zufolge enttäuscht darüber, dass westliche Staaten ihm bislang kein Asyl gewähren konnten. Eine Rückkehr in die USA scheine weiterhin sehr unwahrscheinlich, die entsprechenden Verhandlungen seien festgefahren. Snowden hofft weiterhin auf ein Verfahren vor einem Geschworenengericht in den USA. Es dürfte seiner Ansicht nach schwer werden, zwölf Geschworene zu finden, die ihn wegen eines Vergehens verurteilen würden, das im öffentlichen Interesse liege. Sorge um seine Zukunft scheint er sich dabei nicht zu machen: "Wenn ich in Ketten in Guantánamo enden würde, könnte ich auch damit leben." Snowden hält es für sehr wahrscheinlich, dass er sowohl von den russischen Geheimdiensten als auch von den USA überwacht wird.

Einen Teil seiner Zeit nutze er dazu, Verschlüsselungswerkzeuge für bestimmte Berufsgruppen zu entwickeln. Er verhandle derzeit über eine Finanzierung für das Projekt, das unter anderem dazu dienen soll, Daten von Kunden, Patienten oder journalistischen Quellen zu schützen. "Ein bedauerlicher Nebeneffekt der Entwicklung der neuen Überwachungstechniken besteht darin, dass die Arbeit von Journalisten unvergleichlich schwieriger als in der Vergangenheit geworden ist", sagte Snowden zur Begründung. Ein einzelner Fehler könne bereits die Quellen gefährden.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


mgutt 21. Jul 2014

Der Pi ist zu schwach. Dann eher ein Intel NUC, wobei ein günstiges Synology NAS wohl...

mgutt 21. Jul 2014

Was auch immer von Lavabit einsehbar war, ist doch egal. Wie gesagt kann ja die NSA...

the-fred 20. Jul 2014

Ja gut, da muss ich Ihnen natürlich recht geben.

Resu Melog 20. Jul 2014

Wenn man das Buch von Glen Greenwald liest, ist er wohl ein weit überdurchschnittlicher...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
25 Jahre Mars Attacks!
"Aus irgendeinem merkwürdigen Grund fehl am Platz"

Viele Amerikaner fanden Tim Burtons Mars Attacks! nicht so witzig, aber der Rest der Welt lacht umso mehr - bis heute, der Film ist grandios gealtert.
Von Peter Osteried

25 Jahre Mars Attacks!: Aus irgendeinem merkwürdigen Grund fehl am Platz
Artikel
  1. NIS 2 und Compliance vs. Security: Kann Sicherheit einfach beschlossen werden?
    NIS 2 und Compliance vs. Security
    Kann Sicherheit einfach beschlossen werden?

    Mit der NIS-2-Richtlinie will der Gesetzgeber für IT-Sicherheit sorgen. Doch gut gemeinte Regeln kommen in der Praxis nicht immer unbedingt auch gut an.
    Von Nils Brinker

  2. Artemis I: Orion-Kapsel ist in Mondorbit eingeschwenkt
    Artemis I
    Orion-Kapsel ist in Mondorbit eingeschwenkt

    Die Testmission für Mondlandungen der Nasa Artemis I hat den Mond erreicht. In den kommenden Tagen macht sich die Orion-Kapsel auf den Rückweg.

  3. Apple-Auftragsfertiger: Unruhen bei Foxconn und 30 Prozent iPhone-Produktionsverlust
    Apple-Auftragsfertiger
    Unruhen bei Foxconn und 30 Prozent iPhone-Produktionsverlust

    Foxconn soll Einstellungsprämien an Arbeiter nicht gezahlt haben, weshalb es zu Unruhen kam. Nun gab es Massenkündigungen. Für Apple ist die Situation gefährlich.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Black Friday bei Mindfactory, MediaMarkt & Saturn • Prime-Filme leihen für je 0,99€ • WD_BLACK SN770 500GB 49,99€ • GIGABYTE Z690 AORUS ELITE 179€ • Seagate FireCuda 530 1TB 119,90€ • Crucial P3 Plus 1TB 81,99 & P2 1TB 67,99€ • Alpenföhn Wing Boost 3 ARGB 120 3er-Pack 42,89€ [Werbung]
    •  /