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Überwachung: Palantir verzeichnet schleppendes Geschäft in Deutschland

Die Polizei in NRW prüft den Ausstieg aus der Polizei- und Geheimdienstsoftware Gotham des US-Konzerns Palantir .
/ Achim Sawall
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Am 14. Juli 2025 fanden vor dem Büro von Palantir in Manhattan Proteste gegen die Zusammenarbeit des Konzerns mit ICE statt. (Bild: Madison Swart / Hans Lucas via Reuters Connect)
Am 14. Juli 2025 fanden vor dem Büro von Palantir in Manhattan Proteste gegen die Zusammenarbeit des Konzerns mit ICE statt. Bild: Madison Swart / Hans Lucas via Reuters Connect

Palantir hat in Deutschland und Europa Wachstumsprobleme. Das berichteten vier dem Unternehmen nahestehende Personen dem Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) . Der umstrittene Hersteller von Überwachungssoftware boomt in seiner Heimat USA und in Großbritannien, während man vor allem in Deutschland und Frankreich auf Probleme stößt.

Hierzulande gibt es starken Widerstand gegen Palantir, vor allem von der SPD, den Grünen sowie Datenschützern. Auch sind einige Kunden verärgert über die Preispolitik. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen prüft derzeit, die in der Polizei eingesetzte Palantir-Software zu ersetzen. Zum Jahresende läuft der Lizenzvertrag im Wert von 39 Millionen Euro aus.

Zu den deutschen Umsatzzahlen gibt Palantir keine Auskunft. Das schleppende Geschäft lässt sich aber an den Quartalsergebnissen des Gesamtunternehmens ablesen. Dort firmiert Deutschland unter der Rubrik Rest der Welt. Der Umsatz dieser Kategorie wuchs im jüngsten Quartal gegenüber dem Vorjahr um nur gut sechs Prozent auf 174 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Das Geschäft in den USA stieg im gleichen Zeitraum um 69 Prozent auf 733 Millionen US-Dollar und in Großbritannien um 27 Prozent auf 97 Millionen US-Dollar.

Software führt Daten im großen Stil zusammen

Die Polizei- und Geheimdienstsoftware Gotham von Palantir bringe umstrittene Datenquellen zusammen, sagte Calvin Baus, Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), Golem Anfang August 2025. "Die Software führt Daten im großen Stil zusammen. Das bedeutet, dass ich nach einem Anruf bei der Polizei, um einen Unfall zu melden oder bei einer Aussage als Zeuge, für immer in der Software von Palantir als Verdächtiger berücksichtigt werde." Als Quelle würden beispielsweise auch Funkzellenabfragen genutzt, wenn Personen "einfach zur falschen Zeit am falschen Ort sind" .

Zudem sei die Verknüpfung von Informationen aus sozialen Netzwerken möglich. Der CCC habe aber keine Informationen über den konkreten Einsatz. Und ob die Polizei einen solchen Einsatz offenlegen würde, ist laut Insidern fraglich.


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