Überwachung: Katholische Gruppe outet Priester mit Dating-App-Daten

Eine konservative katholische Gruppierung im US-Bundesstaat Colorado hat persönliche Dating-App-Daten von Priestern gekauft und landesweit mit Bischöfen geteilt. Die Gruppe mit dem Namen Catholic Laity and Clergy for Renewal (Katholische Laien und Geistliche für Erneuerung) bestätigte den Vorgang in einem Online-Post, nachdem die Washington Post darüber berichtet(öffnet im neuen Fenster) hatte.
Die Gruppe habe die App-Daten regulär auf dem Markt erworben und ausgewertet, erklärte der Vorsitzende der Gruppe, Jayd Henricks. Er habe seine Erkenntnisse über das Nutzungsverhalten von Priestern und Priesteranwärtern auf den Dating-Apps mehreren Bischöfen und anderen ranghohen Geistlichen zur Verfügung gestellt.
Die Apps seien ausdrücklich dazu da, zwanglose und anonyme sexuelle Kontakte anzubahnen, ein Verhalten, das alle Beteiligten schädige, schrieb Henricks. Er habe es den Bischöfen überlassen, wie sie mit den Informationen umgingen. Henricks begründete sein Vorgehen damit, der Kirche behilflich sein zu wollen.
Nicht das erste Outing mittels App-Daten
Die Washington Post berichtete unter Berufung auf Insider, die Gruppe habe vor allem homosexuelle Geistliche ins Visier genommen. Henricks schrieb in seinem Artikel, es habe sich sowohl um homo- als auch heterosexuelle Kirchenmänner gehandelt. Die Gruppe glich nach Informationen der Washington Post Daten aus den Apps mit Standortdaten ab, um die Geistlichen zu identifizieren.
Bereits 2021 outete ein katholisches Medium einen Priester, nachdem es die vermeintlich anonymen Standortdaten der Dating-App Grindr erstanden und mit denen des Priesters abgeglichen hatte. Die Daten sollen bei einem Anbieter für Standortdaten gekauft worden sein, von denen es zahlreiche in den USA gibt.
Auch die US-Militärgeheimdienste kaufen solche Daten zu Überwachungs- und Strafverfolgungszwecken.